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Donnerstag, 25.05.2017
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Tauchfahrt zu kühlen Schönheiten

Paläontologen erkunden Kaltwasserkorallen des Mittelmeers

Kaltwasserkorallen stehen im Mittelpunkt einer neuen Expedition des deutschen Forschungsschiffs Meteor, die am 24. September 2006 beginnt. Die Wissenschaftler um den Erlanger Paläontologen Professor André Freiwald tauchen dabei mithilfe des Roboters Quest ab in die dunklen und ziemlich kalten Tiefen des Mittelmeers, wo die Kaltwasserkorallen ihren Lebensraum haben. Über diese ungewöhnlichen Blumentiere weiß die Wissenschaft bisher nur wenig. Das wollen Freiwald und sein Team ändern.
Vom Hafen La Valetta auf der Insel Malta aus sticht die Meteor in See. Die von Freiwald geleitete Etappe der Forschungsfahrt wird mehr als vier Wochen dauern und führt zunächst durch die Straße von Sizilien in das westliche Tyrrhenische Meer. Weiter geht es durch die Straße von Messina ins Ionische Meer und in die südliche Adria.

Schlammvulkane im Visier der Forscher


Während dieser Zeit wollen die Meeresforscher mit Hilfe des Tauchroboters Quest zu oftmals schwer zugänglichen Korallenriffen vordringen, sie genau kartieren, die Riffbewohner näher bestimmten und Proben der Korallen und ihrer fossilen Ablagerungen nehmen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon Aufschluss über die klimatischen Veränderungen in den letzten 100.000 Jahren. Im Ionischen Meer werden Freiwald und sein Team außerdem erst kürzlich entdeckte Schlammvulkane näher untersuchen.

Besonders gespannt blicken die Forscher auf die letzte Etappe ihrer Fahrt: In der südlichen Adria wurde 2002 eine der größten noch lebenden Tiefwasserkorallenriffe außerhalb des Atlantiks entdeckt. Dort wollen die Wissenschaftler mit Hilfe genetischer Tests klären, ob diese Siedlung seit der letzten Eiszeit isoliert überlebt hat oder noch heute mit den Kolonien im Atlantik in Austausch steht.


Die Ausfahrt der Meteor ist Teil des EU-Forschungsprojekts Hermes (Hotspot Ecosystem Research on the Margins of European Seas), an dem 45 Partner aus 15 europäischen Ländern beteiligt sind. Auf der Mittelmeer-Expedition werden Wissenschaftler aus Italien, England, Frankreich und Griechenland an Bord gehen.

Rückzug der Lophelia-Korallen


Schon seit mehr als zehn Millionen Jahren siedeln Kaltwasserkorallen im Mittelmeer. Das bezeugen zahlreiche fossile Riffe, aber auch einige noch äußerst vitale Kolonien der Weißen Lophelia an den Hängen unterseeischer Berge, in den Meerengen des zentralen Mittelmeers und an den steilen Rändern der kontinentalen Platten in Tiefen von 200 bis etwa 4.000 Metern unter dem Meeresspiegel. Die Forscher vermuten, dass sich die Lophelia-Korallen vor allem während der wiederkehrenden Eiszeiten, als das übrige Europa zu einem großen Teil von einer dicken Eisschicht bedeckt war, in das Mittelmeer zurückzogen. Den genügsamen Tieren reicht eine Wassertemperatur von nur fünf bis sechs Grad Celsius, damit sie den Meeresboden als Wohnraum akzeptieren.

Seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit scheint das Korallenökosystem im Mittelmeer allerdings zusammenzubrechen. Die Siedlungen bewegen sich wieder nach Norden. Ein natürlicher Prozess, so vermuten die Wissenschaftler. Schon während früherer Eiszeiten pendelten die Kaltwasserkorallen zwischen dem nördlichen Atlantik und dem Mittelmeer. Heute besiedelt die Lophelia den Meeresboden vom Mittel- über den Nord-Atlantik bis hinauf nach Spitzbergen.

DFG-Präsidium besucht das Forschungsschiff Meteor


Bevor die Meteor am 24. September den Anker lichtet, erhält ihre Crew hochrangigen Besuch. Das Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, kommen an Bord des Forschungsschiffs und werden sich dort über die Arbeit der Wissenschaftler informieren. "Die Gesellschaft muss sich in Zukunft mit Problemen wie dem Klimawandel und drohenden Flutwellen auseinandersetzen; Rohstoffe aus dem Meer werden für die Wirtschaft immer wichtiger. Deshalb wächst die Bedeutung der Meeresforschung", erklärt Freiwald. "Bei dem Besuch des DFG-Präsidiums wird es deshalb auch um die Frage gehen, wie die deutsche Forschungsschiff-Flotte in Zukunft aussehen soll", verrät der Paläontologe.
(idw - Universität Erlangen-Nürnberg, 22.09.2006 - DLO)
 
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