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Samstag, 22.07.2017
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Geringere „Arbeitsteilung“ hilft Gehirn nach Schlaganfall

Bessere Reorganisation bei Kindern mit Schlaganfall

Auch Kinder können Schlaganfälle erleiden. Aber das noch junge Gehirn kann die entstandenen Schäden teilweise ausgleichen, denn die beiden Hirnhälften sind bei ihnen noch nicht so stark spezialisiert. Neue Erkenntnisse zur Reorganisation des Gehirns nach Infarkten im Kindes- und Jugendalter diskutieren Experten auf der Neurowoche im Congress Centrum Mannheim.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Ein gesundes Gehirn spezialisiert seine beiden Hälften im Laufe seiner
Entwicklung: Die linke Hemisphäre stimmt Bewegungen der rechten Körperseite ab und umgekehrt. Die Sprache beispielsweise verlagert sich in den ersten Lebensjahren auf die linke Hemisphäre. Studien der Berner Arbeitsgruppe von Privatdozentin Dr. med. Maja Steinlin, Präsidentin der GNP, zeigen, dass sich diese "Lateralisierung" bis in die Jugend hinein verstärkt. Das gilt sowohl für die linksseitige Sprache als auch für rechtshemisphärisch angelegte Fähigkeiten wie etwa räumliches Vorstellungsvermögen: "Je stärker sich eine Funktion auf eine Gehirnhälfte konzentriert, desto mehr vermag sie zu leisten", erläutert Dr. Steinlin im Vorfeld der 32. Jahrestagung der GNP.

Ein Schlaganfall wirkt sich bei Kindern anders aus als bei Erwachsenen. Häufig erholen sie sich davon schneller als ältere Menschen. Denn das Gehirn vermag die Schäden zumindest teilweise auszugleichen, indem es sich reorganisiert: Andere Bereiche im Gehirn übernehmen die Funktionen der geschädigten Region. Die Berner Forscher untersuchten Kinder, die einseitig einen Schlaganfall erlitten hatten.
Hatte der Hirninfarkt größere Schäden verursacht, verlagerten sich sowohl rechts- als auch linksseitige Funktionen vollständig auf die gegenüberliegende Gehirnhälfte.

Die Ergebnisse belegen außerdem, dass für die verschiedenen Funktionen in beiden Gehirnhälften unabhängige Netzwerke angelegt sind. Je stärker sich zum Beispiel Sprechen mit der Zeit auf die linke Seite verlagert, desto weniger arbeitet das entsprechende Netzwerk in der rechten Hälfte. Nach einem Schlaganfall kann es zwar erneut aktiv werden. Es hemmt dann jedoch das auf dieser Seite bislang vorherrschende Netzwerk für räumliches Vorstellungsvermögen.


Jährlich erleiden fünf bis zehn von 100.000 Kindern einen Schlaganfall. Bei etwa der Hälfte der betroffenen Kinder bleiben Bewegungsstörungen zurück. Bei etwa zwei Drittel der kleinen Patienten sind das Denken und andere Funktionen des Gehirns eingeschränkt. "Ein besseres Verständnis der Reorganisationsmöglichkeiten lässt auf effektivere Rehabilitation der Kinder hoffen", betont PD Dr. Steinlin. Dies kann dazu beitragen, die lebenslangen Behinderungen der Kinder zu lindern.
(Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 13.09.2006 - NPO)
 
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