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Dienstag, 24.01.2017
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„Veitstanz“ doch heilbar?

Behandlung erstmals im Tierversuch erfolgreich

Erstmals ist es gelungen, die als unheilbar geltende Krankheit Chorea Huntington, auch Veitstanz genannt, im Tierversuch erfolgreich zu behandeln. Kanadische Wissenschaftler hatten im Gehirn der Maus die Zerkleinerung der Eiweißablagerungen im Gehirn durch ein bestimmtes Enzym verhindern können. Dadurch traten die mit der Krankheit verbundenen degenerativen Störungen nicht auf, wie die Forscher unlängst in der Fachzeitschrift Cell berichteten.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Heftige, unkontrollierte Bewegungen, ein torkelnder Gang und Grimassenschneiden haben der Huntington´schen Krankheit ihren Namen gegeben: "Veitstanz". Die unheilbare Krankheit ist genetisch bedingt und tritt mit einer Häufigkeit von 1 zu 15.000 auf. In Deutschland sind derzeit 8.000 Fälle bekannt, in den USA 30.000 und in Kanada 10.000. Erbt ein Kind ein mutiertes Huntington-Gen von einem betroffenen Elternteil, bricht die Krankheit unweigerlich meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr aus. Dabei gehen zunehmend Nervenzellen in den Hirnarealen zugrunde, die für Bewegung, Gedächtnis und Gefühl zuständig sind. Zehn bis 30 Jahre nach Ausbruch führt Chorea Huntington zum Tod.

Molekulare Scheren


Professor Michael Hayden von der Universität British Columbia und seine Mitarbeiter hatten vor zehn Jahren entdeckt, dass das Protein Huntingtin von "molekularen Scheren" zerkleinert wird, ein Hinweis darauf, dass die Spaltung des fehlgefalteten Proteins offenbar eine entscheidene Rolle bei der Entwicklung der Krankheit spielt.

Die Forscher entwickelten ein Mausmodell, das das humane Huntington- Gen trägt und auch das veränderte, mutierte und falsch gefaltete Protein produziert. So war es ihnen möglich zu beobachten, wie die Erkrankung in der Maus fortschreitet und das mutierte Huntingtin-Protein zerschnitten wird. Sie konnten nachweisen, dass ein Enzym, in der Fachsprache caspase-6 genannt, das mutierte Protein zerschnippselt. Jetzt gelang es ihnen zusätzlich zu zeigen, dass die Maus keine Krankheitssymptome mehr aufweist, wenn sie die Schnittstelle für das Enzym verändern und damit die Spaltung von Huntingtin verhindern.


Caspasen sind Enzyme, die Eiweiße an bestimmten Stellen zerkleinern, unter anderem damit sie abgebaut werden können. Aktivierte Caspasen machen aus dem Protein Bruchstücke, die sich bei Patienten mit Chorea Huntington in den Kernen der Nervenzellen bilden. "Allerdings ist der Zusammenhang zwischen dem Abbau von Huntingtin und der Entstehung von Chorea Huntington noch unklar", sagte Hayden auf einer Fachtagung in Berlin. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich auf diesen Forschungserkenntnissen aufbauend Therapien gegen Chorea Huntington beim Menschen entwickeln lassen.
(idw - Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, 08.09.2006 - AHE)
 
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