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Freitag, 24.03.2017
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Migrantinnen leisten Entwicklungshilfe

Geldüberweisungen in Heimatländer unterstützen private Gesundheitsversorgung und die Bildung

Weltweit gibt es 191 Millionen Migranten und fast die Hälfte von ihnen sind Frauen. Der aktuelle Weltbevölkerungsbericht 2006 kommt zu dem positiven Ergebnis, dass vor allem die Migrantinnen durch Rücküberweisungen die Lebensverhältnisse ihrer Familien zuhause nachhaltig verbessern. Allerdings hat die Migration auch ihre Schattenseiten: Jedes Jahr werden Millionen von Migrantinnen Opfer des Menschenhandels, von Misshandlungen und Ausbeutung am Arbeitsplatz.
Mangelhaft integriert: Migranten

Mangelhaft integriert: Migranten

„Niemand sollte aus Not zur Migration gezwungen sein“, so Renate Bähr, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die den Bericht gemeinsam mit UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegeben hat. In den Entwicklungsländern bleibe vielen Menschen aufgrund von Armut und fehlenden Perspektiven jedoch kein anderer Ausweg. „Um die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern, müssen wir die Armut wirksam bekämpfen. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Familienplanung und Gesundheit. Denn in vielen armen Ländern trägt das Bevölkerungswachstum zur Belastung der ohnehin schwachen Sozialsysteme und knappen Ressourcen bei und verstärkt so den Migrationsdruck.“

Rücküberweisungen als Entwicklungshilfe


Im Jahr 2005 haben Migranten schätzungsweise 232 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer überwiesen. Davon flossen insgesamt 167 Milliarden US-Dollar in Entwicklungsländer. „Frauen schicken einen weitaus höheren Anteil ihres Einkommens nach Hause als Männer“, so UNFPA-Vertreterin Bettina Maas. So überweisen Migrantinnen aus Bangladesch, die im Nahen Osten arbeiten, 72 Prozent ihres Einkommens an ihre Familien in der Heimat. „Der überwiegende Teil ist für die Gesundheitsversorgung und die Bildung der Kinder bestimmt. Damit leisten die Frauen einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung und Entwicklung ihrer Länder.“

Abwanderung schwächt Gesundheitssysteme Afrikas


Die Nachfrage nach qualifiziertem Gesundheitspersonal in einigen Industrieländern lockt immer mehr qualifizierte Migranten an - und stürzt ihre Heimatländer noch tiefer in die medizinische Versorgungskrise. Von den 600 Ärzten, die seit der Unabhängigkeit 1964 in Sambia ausgebildet wurden, arbeiten heute nur 50 in ihrem Heimatland. Im Jahr 2000 haben doppelt so viele Krankenschwestern Ghana verlassen wie dort im selben Jahr ausgebildet wurden. „Es ist ein Skandal, dass gerade dort, wo die Aids-Epidemie am schlimmsten wütet, so viele Ärzte und Krankenschwestern fehlen“, so Renate Bähr. „Wenn weiterhin jährlich 20.000 medizinische Fachkräfte aus Afrika auswandern, werden die Entwicklungsziele zu HIV/Aids, Säuglings- und Müttersterblichkeit unerreichbar bleiben.“


Menschenhandel, sexuelle Gewalt und Ausbeutung


Im Jahr 2005 waren etwa die Hälfte der weltweit 12,7 Millionen Flüchtlinge Frauen. Auf der Flucht sind Frauen und Mädchen vielfältigen Gefahren ausgesetzt, wie etwa sexueller Gewalt. Schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Menschen werden jedes Jahr über Staatsgrenzen hinweg verschleppt und verkauft. 80 Prozent von ihnen sind Frauen und Mädchen. Durch eine verfehlte Politik werden Frauen zudem oft in ungeregelte Beschäftigungssektoren abgedrängt, wo sie leicht Opfer von Ausbeutung und Misshandlung werden. Dies gilt vor allem für Migrantinnen, die in Privathaushalten im Ausland arbeiten.

Mangelnde multilaterale Zusammenarbeit und das Fehlen von politischen Maßnahmen zum Schutz ihrer Rechte gehen auf Kosten dieser Frauen, so der Bericht mit dem Titel „Der Weg der Hoffnung. Frauen und internationale Migration“, der im Vorfeld des ersten UN-Migrationsgipfels Mitte September in New York erscheint. „Wir müssen die Gesundheit und die Menschenrechte von Migrantinnen besser schützen“, so Bettina Maas. „Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Frauen und Investitionen in die Armutsbekämpfung ein wesentlicher Bestandteil für eine gerechtere internationale Migrationspolitik, die den Nutzen der Migration für alle erhöht und Frauen davor bewahrt, sich aus Not in Abhängigkeit zu stürzen.“
(Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), 07.09.2006 - AHE)
 
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