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Dienstag, 26.09.2017
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Dschingis Khans Hauptstadt neu vermessen

Höhenmodell soll Auswahl der Grabungsstellen erleichtern

Vor genau 800 Jahren legte Dschingis Khan in der fernen Mongolei die Basis für das größte Weltreich aller Zeiten. In dessen ehemaliger Hauptstadt Karakorum führen deutsche Archäologen schon seit mehreren Jahren umfangreiche Untersuchungen durch. Um zukünftig die Auswahl neuer Grabungsstellen zu vereinfachen, erstellen nun zwei Geomatik-Studentinnen mithilfe einer halbautomatischen Vermessungs-Robotikstation ein präzises Höhenmodell des Stadtgeländes.
Grabungsstätte

Grabungsstätte

Die Stadt Karakorum wurde kurz nach der Staatsbildung durch Dschingis Khan gegründet und war damit an sich schon eine Besonderheit für ein Nomadenvolk. Heute gilt sie als ein erstes multikulturelles Zentrum, denn sie beherbergte schon im 13. Jahrhundert Angehörige vieler Völker und Religionen. 1380 wurde die gesamte Stadtanlage vom chinesischen Erzfeind dem Erdboden gleich gemacht. Aus ihren Resten entstand zwei Jahrhunderte später eine der heutigen Hauptsehenswürdigkeiten der Mongolei, das Kloster Erdene Zuu.

Luftbilder und Geomagnetik lüften Geheimnisse


Archäologen der Akademie der Wissenschaften, des Deutschen Archäologischen Instituts und der Universität Bonn führen seit 1999 in der ehemaligen Hauptstadt Grabungen durch. „Für uns ist es besonders wichtig, das eine genaue Vermessung des fast zwei Quadratkilometer großen Stadtgeländes erfolgt, die uns Aussagen über eventuell verborgene Strukturen im Untergrund erlaubt“, erläutert Professor Hans-Georg Hüttel, Grabungsleiter vom Deutschen Archäologischen Institut, und fügt hinzu: „Neben Luftbildern und Ergebnissen aus der Geomagnetik bildet auch das neue detaillierte Höhenrelief eine sehr wichtige Grundlage für die Auswahl der Grabungsstellen.“

Das Vermessungsteam vor dem Kloster Erdene Zuu

Das Vermessungsteam vor dem Kloster Erdene Zuu

Und genau damit sind die beiden Studentinnen Juliane Kollowa und Sarah Laryea aus der Fakultät für Geomatik an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft gerade beschäftigt. Im mongolischen Hochland mit seiner ausgeprägten Steppenlandschaft werden dafür in Abhängigkeit von den Bodenbewegungen Geländepunkte im Abstand von ein bis sechs Metern für das Höhenrelief aufgenommen. Neuzeitliche Strukturen wie beispielsweise tiefe Fahrspuren werden ausgelassen. „Uns kommt es fast auf jeden Zentimeter an“, erklärt Andreas Rieger, Laborleiter an der Fakultät und Betreuer der Arbeiten von Seiten der Hochschule vor Ort, „wir werten im Detail 10 Zentimeter Höhenlinien aus, um Strukturen erkennen zu können, die mit bloßem Auge sonst nicht sichtbar sind. Unseren Studentinnen steht dafür die neueste Technologie zur Verfügung, die wir nun vor Ort ausgiebig testen. Eine solche Aufgabenstellung lässt sich an unserer Hochschule in Karlsruhe nicht simulieren.“

Ferngesteuerte Vermessungstechnik


Für die in Karakorum anwesenden Vermessungsfachleute aus Karlsruhe gibt es dabei eine Premiere: eine neue Trimble S6 Vermessungs-Robotikstation, die sich ferngesteuert betreiben lässt. Während der Beobachter mit der bisherigen Technik durch ein solches Gerät über ein Fernrohr einen auf einem Stab befestigten Spiegel-Reflektor anpeilte, der auf dem zu messenden Punkt steht, geht es mit der Robotikstation auch einfacher: Der Beobachter, oft viele Meter vom zu messenden Punkt entfernt, kann nun den Reflektor selbst an den gewünschten Punkt stellen und per Funk die Messung auslösen.


Rechtwinklige Hügelstrukturen weisen im Höhenmodell auf Hausgrundrisse hin

Rechtwinklige Hügelstrukturen weisen im Höhenmodell auf Hausgrundrisse hin

Das Instrument, das auch einige hundert Meter entfernt stehen kann, sucht selbstständig den Reflektor, misst dreidimensional die Koordinaten des Punkts und übermittelt sie an das Kontrollgerät, das der Beobachter zur Steuerung in der Hand hält. „Als 'Ein-Mann-Station' ist das Prinzip nicht ganz neu“, erläutert Andreas Rieger, „aber mit der neuen Geräteserie geht es sehr viel komfortabler als früher, denn man kann unmittelbar vor Ort auch alle Werte grafisch kontrollieren, was Fehler vermeidet und erheblich Zeit spart.“ Täglich vermessen die beiden Studentinnen der Hochschule Karlsruhe auf diese Weise hunderte von Punkten in Karakorum.

Bis Anfang September 2006 bleiben die beiden Studentinnen noch in Karakorum und werten jeden Abend am Computer die Daten aus. „Mit diesem Auslandsaufenthalt in der Mongolei können die beiden Studentinnen nicht nur die modernste Technik kennen lernen und gleich in der Praxis einsetzen“, so Rektor Professor Dr. Karl-Heinz Meisel, „sondern sie müssen sich gleichzeitig innerhalb des international und interdisziplinär zusammengesetzten Forscherteams verständigen und sich in einer sehr fremden Kultur orientieren - Erfahrungen, von denen sie in ihrer beruflichen wie auch persönlichen Entwicklung nur profitieren können.“
(Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, 29.08.2006 - AHE)
 
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