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Freitag, 24.03.2017
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Druckausgleich im Ohr messbar

Neue Technologie hilft bei chirurgischen Eingriffen oder dem Eignungstest für Taucher

Mithilfe einer dünnen Folie auf dem Trommelfell wird es künftig möglich sein, den Druckausgleich zwischen Ohr und Nase zuverlässig zu messen. Die so genannte Tensometrie kann sowohl am gesunden als auch am kranken Ohr eingesetzt werden und erleichtert damit chirurgische Eingriffe. Aber auch Eignungstests für Piloten oder Taucher können damit verbessert werden.
Eintrittspforte für Schall: Das Ohr

Eintrittspforte für Schall: Das Ohr

„Tensometrie ist, kurz gesagt, eine Technik, die den diagnostischen Blindflug in der Chirurgie des Ohrs beenden soll“, sagt Dr. Thorsten Zehlicke, Bundeswehrarzt, derzeit am Universitätsklinikum Rostock beschäftigt. „Bislang war es unmöglich, verlässliche Aussagen über den Druckausgleich zwischen Ohr und Nase zu machen“, so Zehlicke weiter. Bisherige mechanische Methoden zur Feststellung dieser so genannten Tubenfunktion lieferten nur Momentaufnahmen, Langzeitmessungen waren nicht möglich. Das Ergebnis: Der Erfolg von chirurgischen Eingriffen war bis zu einem gewissen Grad vom Zufall abhängig. So konnte es etwa passieren, dass die OP eines durch Unterdruck funktionsunfähig gewordenen Trommelfells wirkungslos blieb, weil durch fehlenden Druckausgleich die Krankheitssymptome nach kurzer Zeit wieder eintraten.

Folie am Trommelfell


„Es gibt einfach keine vernünftigen Parameter für den Druckausgleich im Ohr“, so Professor Dr. Hans Wilhelm Pau. „Nach einem entsprechenden Messverfahren suche ich schon seit vielen Jahren.“ Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde „Otto Körner“ am Universitätsklinikum Rostock betreute das Forscherteam um Zehlicke als wissenschaftlicher Berater. Kern der neuen Technik, die den Namen Tensometrie bekam, ist eine sehr dünne Folie, die mit feinen Dehnungsstreifen ausgestattet ist. Die Folie wird aufs Trommelfell aufgebracht, wo die Dehnungsstreifen die Bewegungen der Membran nach außen oder nach innen registrieren und eine Aufzeichnung auch über längere Zeiträume ermöglichen.

Derzeit arbeitet das Forscherteam an der praktischen Umsetzung der entwickelten Technik. Der Tragekomfort für die Patienten soll erhöht werden. Zum Beispiel soll ein bequemes Headset zur drahtlosen Übertragung der Daten aus dem Ohr zum Einsatz kommen. Verwendet werden soll die neue Technik im medizinischen Bereich. „Es geht darum herauszufinden, ob ein chirurgischer Eingriff etwa am Trommelfell erfolgreich verlaufen kann oder ob wegen eines fehlerhafte Druckausgleichs Behandlungen vor der OP notwendig werden“, so Pau.


Ebenfalls eingesetzt werden soll das Messverfahren bei Eignungstests von Menschen in bestimmten Berufsgruppen, die erheblichen Drücken ausgesetzt sind, wie zum Beispiel Taucher oder Piloten. „Es kommt immer wieder vor, dass etwa Piloten nach sehr langer und aufwendiger Ausbildung ihren Beruf wegen fehlerhaften Druckausgleichs im Ohr nicht ausüben können“, so Zehlicke. In etwa eineinhalb Jahren wird die Technik so weit ausgereift sein, dass Tensometrie-Geräte in Serie gehen können.
(idw - Universität Rostock, 24.08.2006 - AHE)
 
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