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Samstag, 21.10.2017
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Schon eine Art macht den Unterschied

Flussökosystem weniger flexibel als angenommen

Das Verschwinden von nur einer Art kann ein Süßwasser-Ökosystem extrem stören. Das haben jetzt Forscher bei einer Studie in einem südamerikanischen Fluss herausgefunden. Die in „Science“ veröffentlichten Ergebnisse widersprechen bisherigen Annahmen, nach denen andere Arten die Rolle der fehlenden relativ schnell besetzen und sie so ersetzen können.
Prochilodus mariae

Prochilodus mariae

Brad Taylor vom amerikanischen Dartmouth College und Forscherkollegen der Universitäten Wyoming und Cornell untersuchten Prochilodus mariae, eine Fischart aus der Gruppe der Salmler, die in südamerikanischen Flüssen heimisch ist. Die Art ernährt sich von Detritus, organischen Abfällen, und spielt daher eine wichtige Rolle für den Abbau und Transport von Kohlenstoffverbindungen im Flusssystem.

„Diese Fischart ist eine populäre Nahrungsquelle, sie wird regelmäßig abgefischt und in einigen Gebieten auch überfischt“, erklärt Taylor, Hauptautor der Studie. Um herauszufinden, welche Folgen diese Überfischung haben könnte, teilten die Wissenschaftler eine Flussstrecke von 210 Metern des Rio Las Marías in Venezuela in zwei parallele Bereiche: Auf einer Seite entfernten sie gezielt alle Exemplare von Prochilodus mariae, die andere ließen sie unverändert. Flussaufwärts und –abwärts entnahmen die Forscher dann Proben, um den Transport von partikulärem organischem Kohlenstoff zu messen.

Kohlenstofftransport gestört


Während der sechsjährigen Versuchslaufzeit entdeckten die Wissenschaftler einen starken Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Prochilodus und dem Vorkommen von organischem Kohlenstoff flussabwärts. Ohne den Fisch sammelte sich der organische Kohlenstoff flussaufwärts und wurde dort von Bakterien abgebaut. Flussabwärts stand damit Lebewesen kaum mehr etwas davon zur Verfügung. Durch die Tätigkeit der Bakterien stieg gleichzeitig auch die Menge des aus dem Flusswasser abgegebenen CO2.


„Wir haben festgestellt, dass das Entfernen dieses Fisches die metabolische Aktivität des Flussökosystems stark veränderte“, erklärt Taylor. „Andere Fischarten konnten den Verlust von Prochilodus nicht kompensieren. Obwohl es mehr als 80 Fischarten in diesem kleinen Fluss gibt, machen die Detrivoren wie Prochilodus 50 bis 80 Prozent der Fischbiomasse aus. Wenn wir sie entfernten, zeigte sich, wie sehr ihr Verlust den Kohlenstofffluss, ein wichtiges Maß für die Funktionsfähigkeit eines Ökosystems, veränderte.“

Überfischung ließ Tiere schrumpfen


Durch Vergleiche mit in Museen konservierten Exemplaren dieser Fischart stellten die Forscher zudem fest, dass die Überfischung auch die Größe von Prochilodus beeinflusst hatte. Diese sank von durchschnittlich einem Kilogramm auf nur noch knapp 250 Gramm.

„Obwohl über Hunderte oder Tausende von Jahren hinweg andere Arten die Rolle von Prochilodus einnehmen könnten, sind Menschen und andere Organismen heute von seiner Funktion abhängig“, so Taylor. „Wir hoffen, dass unsere Studie die Aufmerksamkeit der Regierungen und Wissenschaftler darauf lenkt, die kleineren und häufigeren Lebewesen zu schützen und zu untersuchen, die einen Großteil der Biodiversität der Erde ausmachen und stark durch menschlichen Einfluss geschädigt werden.“ Taylor räumt jedoch ein, dass dies in vielen der Teilen der Welt nicht einfach sein wird, da es kaum Überwachung von Fischereigesetzen gibt und viele Menschen von solchen Arten als ihrer Hauptnahrungsquelle für tierische Eiweiße abhängig sind.
(Dartmouth College Office of Public Affairs, 21.08.2006 - NPO)
 
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