• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 28.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Störche im Aufwind

Zählung belegt Anstieg der Bestände weltweit

230.000 Weißstorchpaare gibt es wieder weltweit – 37 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Dies geht aus dem sechsten Internationalen Weißstorchzensus 2004/2005 hervor, den der NABU in 26 Ländern, darunter mit Polen, Spanien, Weißrussland und die Ukraine die Staaten mit den größten Weißstorchvorkommen, durchgeführt hat.
„Die Weißstorchbestände nahmen nicht überall in gleicher Weise zu“, sagte Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut im NABU in Bergenhusen. „Besonders stark ist der Zuwachs der so genannten Westpopulation des Weißstorchs, die über Spanien nach Westafrika ins Winterquartier zieht.“ Diese Population nahm um fast 90 Prozent seit der Zählung 1994/95 zu. Gründe hierfür seien günstige Nahrungsressourcen auf Reisfeldern und Mülldeponien, gute Überwinterungsbedingungen im westafrikanischen Sahel und die Entstehung einer Überwinterungstradition von mehreren 10.000 Störchen in Spanien.

Die ostziehende Storchenpopulation Mittel- und Osteuropas stieg dagegen nach den Ergebnissen des NABU um rund ein Viertel an. Auch dabei sind regional unterschiedliche Entwicklungen auszumachen. Beispielweise veränderte sich die Zahl der Störche in Tschechien und Lettland kaum, während in Weißrussland und der Ukraine Zunahmen von über 70 Prozent festgestellt wurden. Thomsen: „Insgesamt stieg die Zahl der Störche in Osteuropa erheblich stärker an als im westlichen Mitteleuropa. In Europa nahm lediglich in Dänemark der Weißstorchbestand von sechs auf drei Paare ab.“

Sorge bereitet dem NABU allerdings die Bestandsentwicklung in Usbekistan, wo die seltene Unterart Turkestanstorch ihre Hauptverbreitung hat. Hier halbierte sich der Brutbestand von 1.450 auf 745 Paare. Ein Grund dafür sei die Wahl ihrer Nistplätze vor allem auf den Masten von Stromleitungen. „Da dies zu Komplikationen der Stromversorgung führen kann, werden die Nester von den Stromversorgungsunternehmen zerstört“, erläutert Thomsen. „Dies könnte aber durch den Bau von geeigneten Nisthilfen verhindert werden.“


Osteuropa als Storchenhochburg


Die meisten Störche brüten laut der Naturschutzorganisation in Polen (52.500 Paare) gefolgt von Spanien (33.217 Paare). In der Ukraine zogen rund 30.000 Paare und in Weißrussland 20.342 Paare ihren Nachwuchs groß. In Deutschland waren es 2005 immerhin 4.087 Paare. „Bundesweit hat sich der Storchenbestand stabilisiert. Allerdings sind die Reproduktionsraten in vielen Gebieten rückläufig.“, kommentierte Christoph Kaatz von der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz die Ergebnisse des Zensus.

Jürgen Pelch, Referent für Storchenschutz des NABU Hamburg, ist mit der diesjährigen Brutsaison in der Hansestadt zufrieden: „Wir haben zwar noch nicht das Superstorchenjahr 2004 mit 36 Jungstörchen erreicht. Aber im Vergleich zum Vorjahr gibt es in Hamburg 2006 mehr als doppelt so viele Jungstörche." Die größte Bedrohung sei die zunehmende Bebauung in den Vier- und Marschlanden, dem angestammten Brutgebiet. Dadurch gingen wichtige Wiesen verloren, auf denen die Störche nach Nahrung suchen können. „Geht dieser Trend weiter, kann es in den nächsten Jahren für die Hamburger Störche eng werden“, so Pelch.

Lebensräume in Gefahr?


„2004 wurden zehn neue Länder in die EU aufgenommen, in denen 43 Prozent der Weltpopulation des Weißstorchs brüten“, so Thomsen. „Die spannende Frage ist, wie sich dort die Storchenbestände entwickeln werden, wenn in Polen und den anderen Beitrittsländern die Agrar- und Strukturpolitik der EU greift.“

Der VI. Internationale Weißstorchzensus fand am Startpunkt dieser Entwicklungen statt. „Der Weißstorch dient dabei als eine Art Indikator für seinen Lebensraum wie Feuchtwiesen, Flussauen und intakte Kulturlandschaften“, so Thomsen. Der NABU befürchtet, dass die Agrar- und Strukturpolitik der EU die Lebensräume des Weißstorchs zerstören wird.
(NABU, 15.08.2006 - DLO)
 
Printer IconShare Icon