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Freitag, 10.02.2012
Bakterienalarm an der Ostseeküste
Vorsichtsmaßnahmen für gefährdete Personen empfohlen
An der Ostseeküste in Vorpommern sind seit etwa drei Wochen erhöhte Konzentrationen von Bakterien registriert worden, die unter anderem eine schwere Infektion von Wunden verursachen können. An der schwedischen Küste wurde sogar das Cholerabakterium nachgewiesen. Bei Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen sei das Baden aber weiterhin möglich, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie in Greifswald mit.

Krankheitserreger Vibrio vulnificus
Krankheitserreger Vibrio vulnificus
© CDC
"Die Ostsee hat seit über fünf Wochen an seichten Stellen eine Temperatur von über 20°C. Die Erwärmung führt wie im heißen Sommer 2003 dazu, dass sich die Erreger, die zur natürlichen Bakterienflora salzhaltiger Meerwässer gehören, zu hoher Konzentration vermehren können“, erklärt Prof. Lutz Gürtler, Direktor des Greifswalder Friedrich-Loeffler-Instituts für Medizinische Mikrobiologie in Greifswald. “Aus diesem Grund wurde der Strandbetrieb in Schleswig-Holstein bereits teilweise gesperrt. Vor allem im Bereich der Lübecker Bucht wurden verstärkt Grünalgen (Cyano-Bakterium) nachgewiesen.“

Vorsichtsmaßnahmen an vielen Küsten
Die lang anhaltende warme Saison führte auch in weiteren Ländern zu Vorsichtsmaßnahmen. An der schwedischen Küste wurde zum 4. August die Empfehlung heraus gegeben, dass Menschen mit Verletzungen an der Haut nicht mehr im Ostseewasser baden sollten. Vorherrschender Keim ist das Bakterium Vibrio cholerae ohne Phagen-Toxin. Die amerikanischen Behörden raten momentan ebenfalls, dass Badegäste, die an chronischen Leber- und Blutkrankheiten leiden, AIDS, Krebs und Diabetes haben, das Wasser am Strand von Rhode Island meiden sollten. Dort war ein Fall von schwerer Vibrio vulnificus Infektion aufgetreten.

"Es besteht keine Gefahr, wenn gefährdete Menschen entsprechende Schutzmaßnahmen beachten", betonte der Mediziner. Zu beachten ist folgendes: Menschen mit chronischen Infektionen sollten derzeit, auch wenn sie nur kleine Hautwunden haben, nicht im Ostseewasser stehen oder waten und vor allem nicht in den seichten Gebieten, in denen das Wasser eine Temperatur teils über 24°C erreicht. Gefährdet sind Menschen mit chronischer Stauung in den Beinen, mit Immunschwäche, Leberzirrhose, Diabetes, Krebs und Autoimmunkrankheiten.

Nach dem Baden zum Arzt?
Wenn Wunden mit Ostseewasser benetzt wurden, sollte der Bereich zügig mit Leitungswasser gewaschen, noch besser ein Desinfektionsmittel wie beispielsweise Jodtinktur, benutzt werden. Kommt es nach dem Bad in der Ostsee zu einer Entzündung der Wunde, muss schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Die Ärzteschaft der Region ist seitens des Universitätsklinikums und der Gesundheitsbehörden über die potenzielle Gefahr der Infektion mit Bakterien aus der Ostsee umfassend informiert.

"Bei Tausenden von Menschen, die während der heißen Jahreszeit in der Ostsee gebadet haben und baden, ist ein aufgetretener Fall ein sehr seltenes Ereignis. Das Universitätsklinikum sieht es als seine Aufgabe an, über mögliche Gefahren aufzuklären. Es besteht jedoch kein Anlass, den Urlaub an der Ostseeküste nicht weiterhin in vollen Zügen zu genießen", unterstrich Gürtler abschließend.
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