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Mittwoch, 25.01.2017
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Mittelmeer-Geysir spuckt australisches Blei

Erster Beleg menschlichen Einflusses auf ein hydrothermales System am Meeresgrund

Die Umweltverschmutzung macht selbst vor entlegendsten Gebieten der Erde nicht Halt: Jetzt haben Geologen erstmals deutliche Belege für menschengemachte Umweltveränderungen sogar an einem unterseeischen Geysir entdeckt. Die überraschende Quelle der vor der Küste Italiens festgestellten Bleiverseuchung: Eine Bleimine im Tausende von Kilometern entfernten Australien. Dies geht aus einer in der Fachzeitschrift "Marine Geology" veröffentlichten Studie hervor.
Hydrothermaler Schlot am Meeresgrund

Hydrothermaler Schlot am Meeresgrund

Hydrothermale Schlote bilden sich, wenn Meerwasser durch Risse tief in den Meeresboden eindringt und dort durch Magma oder geschmolzenes Gestein aufgeheizt und wieder nach oben gedrückt wird. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1977 sorgten diese unterseeischen Geysire für erhebliches Aufsehen, da sie als ein Kandidat für die Entwicklung des Lebens gelten und sich hier noch heute ungewöhnliche chemische und biologische Bedingungen finden.

Überraschender Fund am Mittelmeer-Geysir


Normalerweise sind die Schlote hunderte von Metern unter der Meeresoberfläche gelegen, doch ein internationales Geologenteam unter Beteilung von Forschern der Universität von Florida entdeckte eine solche hydrothermale Aktivität auch in den flachen Gewässern des Mittelmeeres. Sie analysierten Ablagerungen rund um den aktiven Schlot des rund 150 Kilometer westlich der Küste Italiens gelegenen Unterwasservulkans Marsili. Eisen, Blei, Zink, Kupfer und andere Metalle gehören zur normalen Fracht des Schlotausstoßes und der umliegenden Ablagerungen, da das erhitzte Seewasser der hydrothermalen Schlote Metalle aus dem vulkanischen Gestein unter dem Meeresboden löst.

George Kamenov mit Sedimentprobe vom hydrothermalen Schlot

George Kamenov mit Sedimentprobe vom hydrothermalen Schlot

Doch die Forscher erlebten eine Überraschung, als sie die Isotopenverhältnisse des Bleis in den Ablagerungen mithilfe eines speziellen Massenspektrometers untersuchten: Die gefundenen Werte – spezifisch wie ein chemischer Fingerabdruck - passten zu keiner der nahebei oder überhaupt irgendwo in Europa liegenden potenziellen Bleiquellen. Zudem waren die Temperaturen des Schlotwassers zu niedrig, als dass in diesem Ausmaß lokal Metall aus dem Gestein hätte gelöst werden können.


Isotope verraten Herkunft


Wo also kam das Blei her? „Es ist im Prinzip wie die Arbeit mit DNA“, erklärt der amerikanische Geologe George Kamenov. „Man nimmt die DNA eines Haares, dann vergleicht man sie mit bekannter DNA, um zu erfahren, von wem das Haar stammt. Ähnlich kann man auch die Blei-Isotope einsetzen.“ Die Forscher entdeckten zu ihrer Verblüffung, dass das Blei von Marsili-Vulkan ähnliche Isotopen-Signaturen aufwies wie das Blei einer Mine in der Region New South Wales in Australien. Aber wie gelangte es ins Mittelmeer?

Nach Ansicht der Wissenschaftler wurde es wahrscheinlich in Australien abgebaut, mit dem Schiff nach Europa gebracht und dort als Benzin-Beimischung eingesetzt. Durch den Autoverkehr verbrannt und in die Luft abgegeben, gelangte es schließlich ins Meerwasser und von dort in den Meeresboden und den hydrothermalen Schlot.

Menschlicher Einfluss bis in den Meeresboden


„Der Kern der Geschichte ist, dass nichts verloren geht“, so Kamenov. „Das Blei entstand vor Millionen von Jahren durch hydrothermale Schlote in Gebiet des heutigen Australien und bildete Lagerstätten. Menschen bauten es ab, setzten es in die Umwelt frei und dann wird das gleiche Blei wieder von einem hydrothermalen System recycelt und erneut abgelagert.“ Dies ist allerdings das erste Mal, dass solchermaßen „wiederverwertetes“ Blei aus australischen Minen tatsächlich in einem unterseeischen Geysir nachgewiesen wurde. „Ich vermute, dass dies ein weiterer Beleg dafür ist, wie weit verbreitet die Störung der Umwelt durch uns Menschen ist“, ergänzt der Geologe. „Das zeigt die Tatsache, dass wir sogar natürliche hydrothermale Systeme beeinflussen können.“
(University of Florida, 02.08.2006 - NPO)
 
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