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Freitag, 10.02.2012
GIS gibt Antworten
Neuartiges Kartographie-Portal soll nutzerspezifische Antworten liefern
Digitale Landkarten, 3D-Geländedarstellungen und bunte Stadtpläne im Internet - die 'Geographischen Informationssysteme', kurz: GIS genannt, bilden längst einen festen Bestandteil in unserem Alltag. Nun arbeiten Wissenschaftler daran, auf der Grundlage von GIS eine völlig neuartige Internet-Anwendung für raumbezogene Fragen zu entwickeln. So soll die Software bei ihrer Suche im Internet nicht nur Daten sammeln, sondern diese anschließend auch in Form von Karten und strukturierten Antworten nutzerspezifisch aufbereiten.

Welt im Computer
Welt im Computer
© NEIC/MMCD
Bisherige Kartographie-Systeme im Internet waren beschränkt auf die Bereitstellung und Visualisierung gespeicherter Informationen - der Anwender musste in verschiedenen Datenbanken nach den gewünschten Informationen suchen und sich die erforderlichen Auskünfte aus verschiedenen Bestandteilen anschließend selbst zusammensetzen. "Unser neuer Webservice erhält eine Anfrage des Nutzers und grast andere Informationssysteme nach den gewünschten Daten ab", erläutert Professor Klaus Greve von der Universität Bonn das grundlegende Prinzip. Web Processing Service lautet der Name des neuen Systems, an dessen Entwicklung der Geograph zusammen mit dem Wupperverband bereits seit Jahren arbeitet.

"Ingenieurbüros können die Grundwasserempfindlichkeit gegenüber Belastungen heraus finden oder Bodenschichten analysieren lassen, wenn sie zum Beispiel eine Deponie errichten wollen", erläutert der GIS-Experte. Aber auch Supermärkte können ihre Einzugsgebiete prüfen lassen und den Bau einer neuen Filiale nach der Kaufkraft eines Gebietes planen. Greve hat noch mehr Ideen: "Ich könnte zum Beispiel meinen Wanderurlaub ganz einfach nach meinen Vorstellungen gestalten, indem ich das System nach bestimmten Kriterien suchen lasse." Zurzeit befindet sich bereits ein Prototyp im Web, der allen interessierten Nutzern als "open source" Software bereitgestellt wird. In einigen Monaten soll dann die Software endgültige als international standardisierter Geodienst online gehen.

Praktische Anwendung in der Erprobung
Der Kooperationspartner Wupperverband setzt bereits seit einigen Jahren im Einzugsgebiet der Wupper auf eine ähnliche GIS-Technologie. Das integrale Flussgebietsmanagement hilft beispielsweise bei der Suche nach Anwohnern, die von Maßnahmen des Wupperverbandes betroffen sind: Anhand einer Skizze des Projektes wendet sich der Webservice über das Internet an das Liegenschaftsinformationssystem und andere Geodienste und ermittelt, welche Grundstücke betroffen sind. "Die passenden Flurstückskennzeichen bekommt der Nutzer dann fertig aufgelistet aus dem Drucker oder digital zur Weiterverwendung in anderen Anwendungen", erläutert Greve den praktischen Nutzen.

"Für uns sind Geoinformationssysteme aber nicht nur ein hervorragendes Werkzeug", erklärt der Vorstand des Wupperverbands Bernd Wille. "GIS ist vor allem ein strategisches Element im Zusammenhang mit Effizienz und dem interoperablen, transaktionalen Zugriff auf verteilte Datenquellen. Zudem ist GIS ein wesentliches Element des Wissens- und Informationsmanagements, mit dem komplexe Sachverhalte transparent dargestellt werden können", so Wille. Praktisch bedeutet der Einsatz von internetbasierten GIS zudem eine enorme Geld- und Zeitersparnis.
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