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Donnerstag, 24.05.2012
Mulch und Furchen gegen Hochwasser
Neues Computermodell bewertet Hochwasserschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft
Um Hochwasser zu vermeiden, sind kleine Veränderungen in der Landnutzung in vielen Fällen nicht nur ästhetischer, sondern auch kostengünstiger als große Rückhaltebecken: Erstmals gelang es nun Forschern der Universität Hohenheim, ein Computerprogramm zu entwickeln, das Kosten und Effekte verschiedener Möglichkeiten misst, die den Abfluss von Oberflächenwasser bremsen, so dass Hochwasserspitzen gar nicht erst entstehen können.

Vorgestellt wurden die Resultate auf der gestrigen Ergebnis-Konferenz des Projekts AMEWAM - Agricultural Measures for Water Management and their Integration into Spatial Planning. Diese fußen auf internationalen Forschungsarbeiten in Deutschland, England und den Niederlanden.

Hochwasser
Hochwasser
© Harald Frater
Ansatz nicht erst am Ufer
"Hanglage, Feldgröße, Bodenbeschaffenheit, Bewirtschaftung - viele Komponenten beeinflussen sowohl den Hochwasserschutz als auch die landwirtschaftlichen Kosten", erklärt Professor Dabbert vom Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre. "Das Problem ist allerdings, dass jeder Maßnahmenmix genau auf den jeweiligen Standort zugeschnitten sein muss." Unser Computermodell ermöglicht es nun, abgestimmt auf jeden Ort, die beste Kosten-Nutzen-Rechnung durchzuführen." Dabei liefert das Programm neben den Kosten auch eine Hochrechnung, wie viel Wasser abgeflossen ist und wie viel Erde abgetragen wurde.

"Die derzeitige Gesetzgebung zum Hochwasserschutz schreibt ein kooperatives Modell vor, bei der die Landwirtschaft mit einbezogen wird. AMEWAM ist ein sehr gutes Beispiel, wie aus dieser Partnerschaft ein Erfolgsmodell werden kann", erklärte die Staatssekretärin des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft Baden-Württemberg, Friedlinde Gurr-Hirsch, in ihrem Grußwort zur Eröffnung.
"Vielversprechend ist der Ansatz, da sich das Projekt nicht nur auf Überflutungsebenen im Uferbereich beschränkt, sondern das ganze Hochwassereingzugsgebiet behandelt."

Mulch bremst oberflächlichen Abfluss
Im Rahmen des Projekts und in Kooperation mit den Landwirten und Gemeinden im Kraichgau haben die Wissenschaftler bereits verschiedene Szenarien durchgespielt. "Dabei hat sich vor allem die so genannte Mulchsaat als günstigste und sehr effektive Maßnahme erwiesen", sagt Prof. Dr. Dabbert. Bei dieser Methode werden die Stoppeln des Vorjahres nicht untergepflügt, sondern nur flach bearbeitet. Die Pflanzenreste sterben ab und bilden einen Mulch, in den die neue Saat direkt eingesät wird. "Das hat den Vorteil, dass der Regen nicht mit voller Wucht auf den Boden knallt, sondern von der Mulchschicht abgedämpft wird und besser versickern kann - außerdem verkrustet die Bodenoberfläche nicht so leicht."

Als effektiv und kostengünstig erwies es sich außerdem, große Anbauflächen in Hanglage in mehrere kleine Schläge mit wechselnden Feldfrüchten zu unterteilen und abgeerntete Felder durch eine Winterbegrünung auch nach der Ernte mit einer Pflanzenschicht als Wasserhemmung zu bepflanzen. "Ganzjährlich ist eine Randbegrünung der Felder möglich - die zu dem Hochwasserschutz auch noch schön aussieht", so Prof. Dr. Dabbert.

Querfurchen gegen Wasserströme
Eine weitere Maßnahme, die im Rahmen des Projekts getestet wurde, um Erosion zu vermeiden und Hochwasserschutz zu optimieren, ist die Querbewirtschaftung. "Dabei werden die Ackerfurchen nicht längs, sondern quer zum Hang angelegt: Damit fungiert jede Ackerfurche als kleiner Damm, der das Wasser zurückhält und versickern lässt", weiß Dipl.-Ing. Joachim Aurbacher, Doktorand am Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre. Besonders auf kleineren Flächen ist die Maßnahme allerdings teurer: Bei der Querbewirtschaftung müsse der Bauer öfter wenden und brauche so mehr Zeit um sein Feld zu bewirtschaften.

Besonders innovativ zeigt sich das Konzept beim Kartoffelanbau: "Hier gibt es einen ganz neuen Prototypen einer Landmaschine", sagt Aurbacher. Der so genannte Querdammhäufler schüttet in den Kartoffelfurchen kleine Dämme auf. "Die Ergebnisse sind vielversprechend - allerdings muss diese Anbauform ihren Weg in die Praxis noch finden."
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