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Montag, 11.12.2017
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GEOTECHNOLOGIEN im Focus

Klimakiller CO2: Nordseeboden als Lagerstätte?

120 Meter ragt er aus der aufgewühlten See: Der stählerne Koloss "Sleipner", eine Gasförderplattform 250 Kilometer vor der norwegischen Küste. 25 Millionen Kubikmeter Erdgas fördert die Bohrinsel jeden Tag aus 3.000 Metern Tiefe.

Gasbohrinsel Sleipner

Gasbohrinsel Sleipner

Doch "Sleipner" ist weit mehr als nur eine leistungsfähige Förderplattform. Hinter der scheinbar so normalen Bohrinsel verbirgt sich ein möglicherweise wegweisendes Experiment für den zukünftigen Klimaschutz. Denn "Sleipner" sorgt nicht nur für Energienachschub, es entsorgt auch - und zwar das beim Erdgasfördern mit heraufgepumpte Kohlendioxid. Jeden Tag fallen auf der Bohrinsel rund 2.8000 Tonnen dieses klimaschädlichen Treibhausgases an. Eine gewaltige Menge, die für die Energieproduktion nutzlos ist und daher normalerweise einfach in die Luft abgegeben wird.

Endstation "Utsira"


Anders auf "Sleipner": Seit 1996 läuft hier im Auftrag des norwegischen Ölkonzerns Statoil und anderer Firmen ein Pilotprojekt, bei dem das Kohlendioxid mit einem aufwendigen Verfahren vom Erdgas abgetrennt, verflüssigt und anschließend mithilfe einer Pipeline wieder in den Untergrund gepumpt wird. Damit will Statoil nicht nur dem Klimaschutz dienen, es profitiert auch davon. Denn es umgeht damit die Zahlung der sonst in Norwegen fälligen CO2-Steuer.

Das flüssige CO2 landet 800 Meter unter dem Meeresboden in der ausgedehnten "Utsira"-Sandsteinschicht. Diese Schicht porösen Gesteins erstreckt sich über mehrere hundert Kilometer Länge und rund 150 Kilometer Breite und bietet dem Treibhausgas damit reichlich Platz, sich auszubreiten. Eine undurchlässige Deckschicht soll dafür sorgen, dass das flüssige Kohlendioxid nicht nach oben entweichen kann.

Kein Entkommen


CO2-Versenkung in der Nordsee

CO2-Versenkung in der Nordsee

Dass das Versenken des CO2 tatsächlich funktioniert und auch kein Gas aus seinem unterirdischen "Grab" wieder heraussickert, haben inzwischen Untersuchungen des EU Forschungsprojekts SACS ("Saline Aquifer CO2 Storage") gezeigt: Mithilfe von seismischen Messungen testeten die Wissenschaftler unter der Leitung von Statoil-Wissenschaftler Tore A. Torp die Ausbreitung des Kohlendioxids und gaben 1999 Entwarnung: Innerhalb des zu diesem Zeitpunkt bereits drei Jahre dauernden Befüllungszeitraumes gab es keinerlei Hinweise auf ein Austreten des Gases aus der Sandsteinschicht. Und auch in den nächsten paar hundert Jahren hält Torp ein Leck für höchst unwahrscheinlich. Er erklärt: "Wir können natürlich nicht versprechen, dass es für immer dort unten bleibt, aber bis zur nächsten Eiszeit in fünf- bis zehntausend Jahren sollte es halten."

Noch reichlich Platz


Und bis dahin ist nicht nur noch viel Zeit, es gibt auch noch jede Menge Platz für weiteres CO2: Sleipner injiziert zur Zeit jährlich gerade einmal eine Millionen Tonnen. Bei einer Dicke von rund 250 Metern könnte der Sandstein aber allein an dieser Stelle 600 Milliarden Tonnen des Treibhausgases aufnehmen - genug, um die gesamte CO2-Produktion der europäischen Kraftwerke für 600 Jahre aus dem Verkehr zu ziehen. Und ermutigt durch den Erfolg mit Sleipner planen die Norweger bereits das nächste Kohlendioxidlager: Im Snovhit-Gasfeld in der Barentssee, 200 Kilometer vor der norwegischen Küste, sollen in Zukunft 23 Millionen Tonnen CO2 - das entspricht zwei Prozent der gesamten CO2-Emissionen Norwegens - "versenkt" werden...

Mehr zum Thema bei GEOTECHNOLOGIEN: "Erkundung, Nutzen und Schutz des unterirdischen Raumes"
(Statoil, SACS, 15.01.2004 - NPO)
 
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