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Dienstag, 28.03.2017
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Krebs: Immunzellen als „Diener“

Fresszellen machen Tumore aggressiver

Statt Krebszellen zu bekämpfen, können die Fresszellen des menschlichen Immunsystems manchmal deren Aggressivität noch steigern. Dies haben jetzt Wissenschaftler vom Uniklinikum Göttingen in einer neuen Studie herausgefunden.
Krebszellen

Krebszellen

Fresszellen – so genannte Makrophagen - haben die Aufgabe, zwischen "Freund" und "Feind" zu unterscheiden und dabei zu helfen, die "Feinde" zu eliminieren. Zu diesen zählen Bakterien, Viren und auch körpereigene Zellen, die zu Tumorzellen entartet sind. In unmittelbarer Nähe von Tumoren kehrt sich das Verhalten der Makrophagen nach den Ergebnissen der Wissenschaftler aber offenbar um: Sie fördern hier die Streuung von Krebszellen in entfernte Gewebe – die Metastasenbildung. Wie die Mediziner in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" berichten, sind Signalmoleküle der "Wnt-Familie" an der Umwandlung der Fresszellen zu "Dienern" der Tumore beteiligt.

Die Göttinger Forscher um Prof. Dr. Lorenz Trümper, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen, hatten beobachtet, dass Makrophagen die Aggressivität von Krebszellen steigern, wenn sie mit ihnen gemeinsam in der Kulturschale gezüchtet werden. Im Kulturmedium fanden sie das Signalmolekül Wnt 5a. Bisher galt Wnt 5a als Gegenspieler bei der Entstehung von Tumoren. Doch im Umfeld von Tumorzellen scheint das Signalmolekül andere Funktionen zu übernehmen. Wnt 5a-produzierende Makrophagen fördern nun die Metastasierung von Tumoren, indem sie das Bindegewebe um sich herum für auswandernde Krebszellen durchlässig machen. Wie es den Krebszellen gelingt, die Makrophagen für ihre Zwecke umzupolen, ist noch unklar.

Tumore programmieren Makrophagen um


"Es war seit längerem bekannt, dass Makrophagen in Tumore einwandern. Unklar war aber, warum sie einwandern und was sie dort tun. Diesen Fragen sind wir deutlich näher gekommen. Jetzt wollen wir die Signale finden, mit denen Tumore die einwandernden Makrophagen für ihre Zwecke umprogrammieren. Gelingt uns das, können wir hoffentlich therapeutische Ansätze entwickeln, mit denen die 'abtrünnigen' Makrophagen wieder zurück in den Dienst des Körpers gestellt werden können", sagt Trümper.


"Unsere Ergebnisse sind ein gutes Beispiel dafür, wie Forscher mit unterschiedlichem wissenschaftlichen Hintergrund gemeinsam neue Ansätze in der angewandten Grundlagenforschung entwickeln können. Das ist Synergismus", so Professorin Dr. Claudia Binder, Oberärztin in der Abteilung Hämatologie und Onkologie. Binder hat ihre Expertise über Makrophagen in das Projekt eingebracht, während Dr. Tobias Pukrop, Assistenzarzt in der Abteilung Hämatologie und Onkologie, seine Fachkenntnisse über zelluläre Signalwege beisteuerte.

"Auf Grundlage unserer Veröffentlichung in der Zeitschrift 'PNAS' haben wir jetzt Fördergelder für ein großes, fächerübergreifendes Forschungsprojekt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt. Unser Ziel ist es, die Funktionen von Wnt- und Wnt-verwandten Signalen in der Embryonal- und der Tumorentwicklung genauer zu untersuchen", sagt Pukrop.
(idw - Universität Göttingen, 21.07.2006 - DLO)
 
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