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Sonntag, 23.07.2017
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Netzhaut unter der Lupe

Neue Forschergruppe soll Funktionsweise der Netzhaut aufklären

Unsere Netzhaut ist bis heute jeder Digitalkamera mühelos überlegen. Auch in schwierigsten oder wechselnden Lichtverhältnissen passt sie sich an. Wie ihr das gelingt, ist bisher jeodch nicht vollständig aufgeklärt. Eine neue Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), initiiert von der Universität )Oldenburg, soll nun die Funktionsweise der Netzhaut erforschen.
Sensor Auge

Sensor Auge

Sehen ist für den Menschen in der Regel so mühelos und selbstverständlich, dass er dazu neigt, die Komplexität der neuronalen Vorgänge zu unterschätzen, die aus dem in das Auge fallenden Licht ein zuverlässiges Bild unserer Umwelt erzeugen. Physikalisch ändert sich die visuelle Umwelt ständig, unter anderem durch wechselnde Beleuchtung und Kontrastverteilung sowie durch Eigen- und Objektbewegung. Dass trotzdem die visuelle Wahrnehmung in weiten Bereichen stabil gehalten werden kann bei zugleich hoher räumlicher Auflösung und präziser zeitlicher Verarbeitung, ist ein Verdienst der Retina (Netzhaut).

Bei der Retina handelt es sich um ein lichtempfindliches, neuronales Gewebe an der hinteren Innenseite des Auges. In ihr wird das auftreffende Licht, das zuvor die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper durchquert hat, in Nervenimpulse umgewandelt und über den optischen Nerv an die verschiedenen Zentren im Gehirn geleitet. Die Retina wird dem Gehirn zugerechnet und ist zugleich ein besonderer Teil des Nervensystems und eine in sich abgeschlossene Einheit der Informationsverarbeitung.

Im Rahmen der Forschergruppe soll unter anderem analysiert werden, wie in diesem Netzwerk die Signale von blauempfindlichen Photorezeptoren weiterverarbeitet werden, damit wir am Ende die Farbe Blau wahrnehmen können. Dabei kommen neue Methoden zum Einsatz, welche die gleichzeitige Registrierung der neuronalen Signale von einer Vielzahl von Zellen erlaubt und die mit den modernsten neuroanatomischen und molekularbiologischen Methoden kombiniert werden.


Ergänzt werden diese Verfahren mit verhaltensbiologischen Untersuchungen. Damit soll auch aufgeklärt werden, ob die Zugvögel das Magnetfeld der Erde wirklich sehen können und inwieweit die Wahrnehmung von Bewegung von bestimmten Neuronen abhängig ist.

Da die Retina ein gut zugänglicher Teil des Gehirns ist, eröffnet die Arbeit der Forschergruppe auch die Perspektive, einem Verständnis der Verarbeitungsmechanismen in neuronalen Netzwerken allgemein näher zu kommen. Während die Wissenschaft über zunehmend bessere Daten zum molekularen Aufbau des Nervensystems und zur Lokalisation von Aktivitäten im Gehirn verfügt, ist man von einer Erklärung der neuronalen Verarbeitung noch weit entfernt. Diese bildet aber den Kern aller bewussten und unbewussten Gehirnaktivitäten.

Neben fünf Oldenburger Arbeitsgruppen um den Neurobiologen Prof. Dr. Reto Weiler ist je eine Arbeitsgruppe der Max- Planck-Institute für Hirnforschung (Frankfurt/M.) und Experimentelle Medizin (Heidelberg) beteiligt. Das Projekt mit dem Titel "Dynamik und Stabilisierung retinaler Verarbeitung" wird von der DFG mit 1,75 Mio. Euro für zunächst drei Jahre gefördert.
(Universität Oldenburg, 17.07.2006 - NPO)
 
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