Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Impfstoff gegen HPV zugelassen
Nahezu hunderprozentige Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs
Der weltweit erste Impfstoff, der gezielt zur Vorbeugung einer Krebserkrankung entwickelt wurde, ist Ende Juni in den USA auf den Markt gekommen. Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsfor-schungszentrum und den US-amerikanischen National Institutes of Health bildeten die Basis für die Entwicklung des Impfstoffes.

Human Papilloma Virus
Human Papilloma Virus
© NCI
Vor rund dreißig Jahren postulierte Professor Dr. Harald zur Hausen, der spätere langjährige wissenschaftliche Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums, bereits einen Zusammenhang zwischen einer Infektion mit Warzenviren (humanen Papillomviren, HPV) und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Einige Jahre darauf wurde in seinem Labor der Beweis erbracht, dass bestimmte Typen dieser Viren tatsächlich ursächlich an der Entstehung der Tumoren beteiligt sind.

Die Erkenntnis, dass Gebärmutterhalskrebs durch Viren ausgelöst wird, brachte die Wissenschaftler schnell auf die Idee, der Erkrankung mit einer Impfung gegen den Erreger vorzubeugen. Die klassische Methode der Impfstoffproduktion, Anzucht und anschließende Inaktivierung des Virus, schied bei HPV aus: Eine Anzucht des Erregers im Labor ist nicht möglich. Daher kam nur ein mit gentechnischen Verfahren hergestellter Impfstoff in Frage.

Virus-ähnliche Partikel als Impfstoffbasis
Anfang der Neunzigerjahre stellte sich heraus, dass sich ein einziges, als L1 bezeichnetes Eiweiß aus dem Proteinkapsid des Virus, spontan zu "leeren" Viruspartikeln, so genannten virus like particles (VLP) zusammenlagern kann. Diese Partikel sind als Impfstoff ideal, da sie wegen der nahezu identischen Struktur vom Immunsystem wie "echte" Viren behandelt werden. Jedoch enthalten sie kein Erbmaterial und sind daher nicht infektiös.

Professor Dr. Lutz Gissmann aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und seinen Kollegen gelang es, in Kooperation mit den US-amerikanischen National Institutes of Health auf der Basis eines aus HPV16 isolierten L1-Gen große Mengen VLPs herzustellen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum und das NIH sind gemeinsame Eigentümer der Patente für dieses Gen, das als Grundlage für den nun verfügbaren Impfstoff dient.

Zulassung in Deutschland Anfang 2007
Der Impfstoff ist gegen die beiden wichtigsten krebserregenden Typen
HPV16 und HPV18 gerichtet, außerdem gegen die Genitalwarzen (Condylomata acuminata) verursachenden Typen HPV6 und 11 und schützt vor rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Er wurde in klinischen Studien an rund 25.000 Frauen getestet und konnte HPV16- bzw. HPV18-assoziierten Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs hundertprozentig vorbeugen. In Deutschland wird der Impfstoff voraussichtlich Anfang nächsten Jahres zugelassen und von Sanofi Pasteur MSD GmbH vertrieben werden.

In Ländern der Dritten Welt, in denen Krebsfrüherkennungsprogramme oftmals nicht zur Verfügung stehen, ist Gebärmutterhalskrebs ein großes gesundheitliches Problem. In Deutschland erkranken trotz der Einführung des gesetzlichen Früherkennungsprogramms in den siebzigerjahren pro Jahr rund 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1762 Frauen verstarben 2003 an der Erkrankung.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
VIren, HPV, Krebs, Zervixkarzinom, GEbärmutterhalskrebs, Onkologie, medizin, Tumor, Krebsentstehung, Krebsvorbeugung, impfstoff, zulassung
Weitere News zum Thema
Kondomnutzung senkt HIV-Rate in Südafrika (19.01.2012)
Safer Sex hatte mehr Wirkung als antivirale Medikamente
Grippemittel Tamiflu weniger wirksam als gedacht? (18.01.2012)
Zurückgehaltene Daten zeigen: Hersteller-Angaben zu Nebenwirkungen und Nutzen sind zu positiv
La Nina förderte Influenza-Pandemien (17.01.2012)
Vier größte Grippewellen entstanden nach besonders starken Wetteranomalien
HIV: Neue Impfstoffe erfolgreich an Affen getestet (05.01.2012)
Erste klinische Studien am Menschen sollen demnächst beginnen
Aids-Studie ist wissenschaftlicher Durchbruch des Jahres (23.12.2011)
Fachmagazin "Science" listet die zehn wichtigsten Erkenntnisse 2011
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Mit Gentechnik gegen die Infektion
Die Suche nach neuen Impfstoffen
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Aids-Therapie aus dem Computer
Informatiker als "Assistenzärzte"
Rückkehr der Seuchen
Der Krieg gegen die Mikroben geht weiter
News des Tages
„Stille“ Beben als Vorboten der Katastrophe?
Hochstapler überzeugt als Physiker
Anders arbeiten für alternde „Baby-Boomer“
Bakterienhüllen zu Katalysatoren
Impfstoff gegen HPV zugelassen
Modell enträtselt bizarre Gesteinsformationen heißer Quellen
Bücher zum Thema
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes