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Montag, 23.01.2017
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Höheres Krebsrisiko für große Menschen

Bauchfettmenge und Körpergröße als Risikofaktoren für DIckdarmkrebs

Nicht die Fettmenge an sich, sondern vielmehr die Verteilung des Fetts am Körper ist entscheidend für das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Auch große Menschen sind nach den Ergebnissen der europaweiten EPIC-Studie zu Ernährung und Krebs stärker gefährdet. Warum das so ist, wissen die beteiligten Forscher aber noch nicht.
Weltweit erkranken pro Jahr etwa eine Million Menschen neu an Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, mit deutlich steigender Tenedenz in den letzten 30 Jahren. In Westeuropa sind Dickdarm- und Mastdarmkrebs für etwa 13 Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich. In Deutschland sterben jährlich rund 31.000 Menschen an Darmkrebs. Bezogen auf die Neuerkrankungsrate ist Dickdarmkrebs damit die zweithäufigste Krebsform innerhalb Deutschlands.

Krebs-Tumorzelle

Krebs-Tumorzelle

Tobias Pischon vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und seine Kollegen untersuchten im Rahmen der europaweiten EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Körpermaßen und dem Auftreten von Dickdarm- beziehungsweise Mastdarmkrebs an 368.277 EPIC-Studienteilnehmern/innen. Dabei basiert die Datenanalyse auf einer etwa sechsjährigen Nachbeobachtungszeit, in der 984 Teilnehmer an Dickdarm (Kolon)- und 586 an Mastdarm (Rektum)-Krebs erkrankten. Die Ergebnisse wurden am am 5. Juli in der Zeitschrift Journal of the National Cancer Institute publiziert.

Bauchumfang entscheidend


Die Epidemiologen kamen zu folgenden Ergebnissen: Frauen mit einem Taillen-/Hüftumfang-Quotient (WHR) von über 0,85 hatten im Vergleich zu ihren Geschlechtsgenossinnen mit einem WHR unter 0,73 ein um 52 Prozent erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Fast gleiche Werte waren bei Männern zu beobachten. Bei ihnen stieg das Risiko von der Gruppe (Quintil) mit dem niedrigsten WHR (<0,89) zur Gruppe mit dem höchsten WHR (=0,99) um 51 Prozent an.


Körpergröße: Mehr Zellen mehr Krebs?


Die Körperlänge war ebenfalls bei beiden Geschlechtern relativ stark mit dem Erkrankungsrisiko assoziiert. Frauen, die größer waren als 167,5 cm, hatten im Vergleich zu kleinen Frauen (<156,0 cm) ein um 79 Prozent erhöhtes Dickdarmkrebs-Risiko. Bei Männern stieg das Risiko zwischen der Gruppe mit der kleinsten (<168 cm) und der mit der größten Körperlänge (=180,5 cm) um 40 Prozent an.

Eine mögliche Ursache hierfür ist die größere Anzahl der Körperzellen an sich. Je mehr Zellen vorhanden sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine dieser Zellen mutiert. Außerdem sind große Menschen vermutlich einem relativ starken Einfluss von Wachstum-regulierenden Hormonen (Wachstumshormon, insulin-ähnlicher Wachstumsfaktor und Insulin) ausgesetzt, die wiederum mit der Krebsentstehung in Zusammenhang stehen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede waren dagegen beim BMI zu erkennen. Im Vergleich zu schlanken Männern mit einem BMI unter 23,6 hatten Männer mit einem BMI über 29,4 ein um 55 Prozent erhöhtes Dickdarmkrebs-Risiko. Bei Frauen ließ sich zwischen den entsprechenden Gruppen nur eine Risikoerhöhung um maximal 6 Prozent nachweisen.

BMI als Prognoseparameter ungeeignet


„Unsere Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass besonders die Bauchfettmenge für die Dickdarmkrebs-Entstehung entscheidend ist. Hierzu passt unsere Beobachtung, dass sich der BMI als Vorhersageparameter bei Frauen eher nicht eignet, da letztlich der Zusammenhang zwischen BMI und Bauchumfang bei ihnen nicht so eng ist wie bei Männern. Dieses ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sich Körperfett bei Männern generell eher in der Bauchgegend anlagert, während es sich bei Frauen naturgemäß auch an anderen Stellen ansammelt“, so Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

„Warum eine größere Bauchfettmenge das Dickdarmkrebs-Risiko erhöht, wissen wir derzeit noch nicht. Möglicherweise spielt eine mit dem Übergewicht verbundene Insulinresistenz und eine daraus folgende Insulinspiegelerhöhung eine Rolle. Weitere Mediatoren, die eventuell beteiligt sind, sind das Leptin und das Adiponectin. Derzeit untersuchen wir innerhalb der EPIC-Studie diese und andere Biomarker hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs mit der Darmkrebs-Entstehung.“

Neben dem DIfE ist das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg als zweites deutsches Studienzentrum an EPIC beteiligt.
(Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, 05.07.2006 - NPO)
 
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