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Donnerstag, 19.01.2017
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Bessere Luft für Beijing

Atmosphärenforscher untersuchen Luftverschmutzung in Chinas Hauptstadt

Chinas Hauptstadt gehört weltweit zu den Metropolen mit der höchsten Luftverschmutzung. Entsprechend groß sind dort inzwischen die Bemühungen, die Luftqualität zu verbessern. In den kommenden Wochen versuchen nun chinesische Wissenschaftler mit internationaler und auch deutscher Hilfe, die wichtigsten Ursachen für die Luftverschmutzung herauszufinden. Denn bis zu den olympischen Spielen im Jahr 2008 soll die Luft in den Ballungsräumen um Beijing und im Pearl River Delta deutlich verbessert werden.
Luftverschmutzung

Luftverschmutzung

Die Wirtschaft boomt in den Ballungsräumen Chinas, Industrialisierung und Verkehr nehmen rasch zu. Unerwünschter Nebeneffekt: die Luftverschmutzung steigt ebenfalls dramatisch an. So war die untere Schicht der Atmosphäre, die Troposphäre, über China im Jahr 2002 mit Stickstoffdioxid um 50 Prozent stärker belastet als noch im Jahr 1996. "Die Chinesen sind brennend daran interessiert zu erfahren, welche Schadstoffe im Einzelnen in der Atmosphäre vorhanden sind, und welche photochemischen Prozesse stattfinden", erklärt Professor Andreas Wahner, Direktor am Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre des Forschungszentrums Jülich.

Expertenwissen gefragt


Die Wissenschaftler rund um Wahner sind vom 03. bis 30. Juli 2006 in China unterwegs, um gemeinsam mit Forschern der Peking Universität mehr über die Luftverschmutzung herauszufinden. „Dabei spielt zum einen eine Rolle, dass das Forschungszentrum Jülich seit Jahren intensive Beziehungen zu chinesischen Universitäten pflegt", sagt Wahner. So sind bei den Messkampagnen auch drei Doktoranden der Peking Universität und der Jiatong Universität in Shanghai dabei, die einen Großteil ihrer Doktorarbeiten in Jülich anfertigten und nun in ihrer Heimat das erworbene Know-how umsetzen. "Zum anderen gibt es kaum ein anderes Institut, das in der Lage ist, so umfassend verschiedenen Spurengase in der Atmosphäre zu messen. Vor allem bei der Bestimmung der freien Radikale ist das Forschungszentrum Jülich weltweit Vorreiter."

Die Jülicher Wissenschaftler erfassen im Pearl River Delta beispielsweise verschiedene Aldehyde, bestimmen unter anderem, wie stark Spurengase photochemisch zersetzt werden und messen die Konzentration kurzlebiger freier Radikale. Die Ergebnisse könnten dabei weit über China hinaus bedeutsam sein: "Es gibt Hinweise darauf, dass sich aufgrund des enormen und zunehmenden Ausstoßes von Luftschadstoffen in China die photochemischen Folgeprodukte wie Ozon und Aerosole auf das Klima und die Luftqualität der gesamten nördlichen Hemisphäre auswirken. Damit könnte auch in Europa beispielsweise die Ozonkonzentration zunehmen", hebt Andreas Wahner hervor.


Triebfeder Olympische Spiele 2008


Eine zweite Messkampagne im Großraum Beijing ist für Mitte August bis Mitte September geplant. Hier geht es darum, die vorhandene Luftverschmutzung genau zu erfassen, Schadstoffquellen zu identifizieren und zu messen, wie verschiedene Schadstoffe - seien es Feinstäube oder Stickoxide - in der Atmosphäre transportiert werden. "Es handle sich um ein sehr praxisbezogenes Projekt", erläutert Wahner. "Die Ergebnisse dienen unmittelbar der Politikberatung. Denn es besteht auf chinesischer Seite ein großes Interesse daran, bis zu den Olympischen Spielen 2008 die Luftqualität entscheidend zu verbessern."

Gleichzeitig tragen die Messungen in China dazu bei, das Verhalten von Luftschadstoffen in der Atmosphäre auch theoretisch immer besser zu verstehen. Anhand der Messwerte werden die Jülicher Forscher die Bedingungen über Beijing oder im Pearl River Delta in der Jülicher Atmosphärensimulationskammer SAPHIR genau nachstellen. Dann wird sich zeigen, ob bisherige Theorien über das Verhalten von Luftschadstoffen zutreffen, oder ob sie modifiziert werden müssen. Je besser aber diese Modelle sind, desto genauer können sie vorhersagen, welche regionalen und globalen Klimaauswirkungen zu erwarten sind und welche Maßnahmen notwendig und sinnvoll sind, damit die Luft wieder sauberer wird.
(FZ Jülich, 29.06.2006 - AHE)
 
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