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Freitag, 21.07.2017
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Schüler belastbarer als gedacht

Unterschiede in der Stressbewältigung offen gelegt

Eine neue Studie bringt es ans Licht: Deutsche Schüler verfügen über mehr Ressourcen, als PISA zeigt. Denn obwohl Jugendliche heute in einer komplexen Welt aufwachsen und mit zahlreichen Stressfaktoren belastet sind, zeigt die überwiegende Mehrheit von ihnen sehr gute Bewältigungsstrategien. Anders hingegen sieht es bei Kindern von Migranten und Alleinerziehenden aus, die mit Stress schlechter umgehen können, so die Studie.
Mangelhaft integriert: Migranten

Mangelhaft integriert: Migranten

"Deutsche Jugendliche haben bei den PISA-Studien in einzelnen Schulfächern vielleicht nicht so gut abgeschnitten wie andere Nationen, aber sie haben angesichts der hohen Anforderungen eine Vielzahl kompetenter Bewältigungsstrategien und damit auch sehr gute Ressourcen", berichtet Professor Inge Seiffge-Krenke vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Migrantenkinder mit schlechterer Ausgangslage


Dieser Befund gilt allerdings nicht in gleichem Maße für Kinder von Migranten und von Alleinerziehenden, lautet die schlechte Nachricht. Seiffge-Krenke hat die Stressbelastung und Bewältigungskompetenz von deutschen Jugendlichen untersucht und die Daten mit anderen Ländern verglichen, wobei insgesamt rund 9.800 Jugendliche aus 18 Ländern befragt worden sind. Die Ergebnisse sind nun in dem Buch "Nach PISA. Stress in der Schule und mit den Eltern. Bewältigungskompetenzen deutscher Jugendlicher im internationalen Vergleich" erschienen.

Jugendliche gelten als eine besonders belastete Gruppe, wozu die gegenwärtigen Lebensbedingungen, die phasenspezifischen Belastungen und die Anforderungen im schulischen Bereich beitragen - Faktoren, die vermutlich auch den vergleichsweise schlechteren Gesundheitszustand von Jugendlichen mit bedingen. Zu dem schwierigen Lebensumfeld weist Seiffge-Krenke beispielhaft auf die veränderten Familienformen und die ungenügende finanzielle Absicherung von Familien hin. So haben 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Ostdeutschland bereits kurz- oder längerfristige Arbeitslosigkeit im engeren Familienkreis erlebt.


Schule als Stressfaktor


Für deutsche Jugendliche, so ergaben die Untersuchungen, ist die Schule der größte Stressfaktor. Im Ländervergleich berichteten die befragten Deutschen im Alter von 12 bis 20 Jahren dagegen über vergleichsweise geringen Stress mit ihren Eltern. "Das wirklich erfreuliche an unseren Ergebnissen ist aber, dass 70 bis 80 Prozent der Jugendlichen angemessene Bewältigungsstrategien zeigen, um auf Stress zu reagieren", so Seiffge-Krenke. Dies lässt erwarten, dass sie auch künftige Herausforderungen gut meistern werden - eine Fähigkeit, die über reine Schulleistungskompetenz, wie in PISA erhoben, hinausgeht.

Seiffge-Krenke unterscheidet in ihren Studien drei unterschiedliche Bewältigungsstile im Umgang mit belastenden Ereignissen, auch Stressoren genannt: problemzugewandte, lösungsorientierte Ansätze (aktives Coping), kognitiv-reflektierende Problemlösestrategien (internales Coping) und dysfunktionale Rückzugsstrategien. Aktives und internales Coping gelten als "funktional", weil sie eine dauerhafte und erfolgreiche Bewältigung der stressauslösenden Situation zum Ziel haben. Rückzug wird vor allem auf längere Sicht als ungeeignete Strategie gesehen, weil sie das Problem nicht nachhaltig löst, sondern es meidet und ausweicht und im schlimmsten Fall bis zur völligen Verweigerung der Jugendlichen gehen kann.

Probleme offen ansprechen


Deutsche Jugendliche weisen im internationalen Vergleich hohe Werte im aktiven Coping auf, indem sie Probleme offen ansprechen oder bei anderen nach Hilfe und Unterstützung suchen. Sowohl bei Problemen mit der Schule als auch mit den Eltern wird zu 40 Prozent mit aktivem Coping reagiert. "Wenn es um Schulstress geht, haben auch Jugendliche aus der Schweiz, Hongkong, Kroatien, Pakistan, Russland und Portugal relativ hohe Werte im aktiven Coping", führt Seiffge-Krenke aus. Finnische Jugendliche fallen im Vergleich dazu durch ihre sehr hohen Werte im internalen Coping auf. Jugendliche aus Ägypten, Estland, Griechenland, Portugal, der Türkei und Südafrika zeigen recht hohe Rückzugswerte.
(Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 27.06.2006 - AHE)
 
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