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Dienstag, 30.05.2017
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Erwärmung und Erdbeben bedrohen Bhutan

Forscher warnen vor „Katstrophe ungeahnten Ausmaßes“

Österreichische Wissenschafter haben das Abschmelzen der Himalayagletscher und die Erdbebengefährdung im Norden Bhutans untersucht und schlagen Alarm: Durch die kontinuierliche Klimaerwärmung bilden sich voluminöse Gletscherseen, welche von instabilem Eis oder Moränenwällen abgedämmt werden. Der Nachweis von starken Erdbeben direkt unter den weiter anschwellenden Wassermassen spitzt die Situation erheblich zu. Das nächste Erdbeben könnte zum Ausbruch mehrerer dieser Gletscherseen führen und eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes in Bhutan verursachen.
Gletschersee im Norden Bhutans

Gletschersee im Norden Bhutans

Der globale Klimawandel macht auch vor den unberührt wirkenden Tälern Bhutans nicht halt und konfrontiert deren Bewohner mit bisher unbekannten Problemen: Abschmelzende Gletscher, anschwellende Gletscherseen und starke Erdbeben im gebirgigen und schwer zugänglichen Norden Bhutans hängen wie ein Damoklesschwert über dem Land. So donnerte am 7. Oktober 1994 eine riesige Flutwelle ohne Vorwarnung das Pho Tal hinab. Im Talschluss brach ein bis zum Rand mit Schmelzwasser gefüllter Gletschersee plötzlich aus. Zwei Millionen m3 an Wasser und Schlamm verwüsteten das Tal, 24 Menschen ertranken, Bauern verloren ihre Häuser, Yaks und Weideflächen und die traditionsreiche Klosterburg von Punakha wurde schwer beschädigt.

Die Katastrophe vor Augen


„Unsere Geländearbeit im Pho Tal und die Untersuchungen von Sattelitenbildern zeigen deutlich, dass Erdbeben der Magnitude 6 in Nord Bhutan möglich sind“, sagen Michael Meyer vom Institut für Geologie und Paläontologie an der LFU Innsbruck und sein Kollege Gerhard Wiesmayr. „Wir beobachten von jungen Erdbeben erzeugte Geländeverformungen und gewaltige Hangrutschungen, wobei die Epizentren dieser Beben direkt unter den Gletscherseen zu liegen kommen.“

„Entgegen der Situation im Jahre 1997, wo Gletscherseen nur vereinzelt ausgebildet waren, sind nun zahlreiche neue hinzugekommen, und alle Seen sind perlschnurartig hintereinander angeordnet. Unsere Befürchtung ist, dass bei einem starken Beben mehrere dieser Seen gleichzeitig ausbrechen oder eine initiale Flutwelle andere Gletscherseen mit sich mitreißen könnte“, so der junge Nachwuchswissenschafter Meyer.


Frühwarnsysteme könnten Leben retten


Das Pho Tal, welches in seinem unteren Abschnitt eines der am dichtesten besiedelten Täler Bhutans ist, wäre von solch einem Szenario schwer betroffen. „Die erarbeiteten Gefahrzonenpläne und Vorschläge für Frühwarnsysteme müssen von der bhutanesischen Regierung sehr ernst genommen und umgesetzt werden. Eine genaue Untersuchung der Wiederkehrrate schwerer Erdbeben in Nord Bhutan sind für das Land nun von zentraler Bedeutung“, unterstreicht Prof. Dr. Hermann Häusler vom Institut für Geologische Wissenschaften der Universität Wien.
(Universität Innsbruck, 21.06.2006 - NPO)
 
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