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Donnerstag, 24.05.2012
„Exportstopp“ gegen Krebswachstum
Blockade eines Transportproteins soll Therapien effektiver machen
Einer neuen Strategie gegen Krebs ist eine deutsche Forscherin auf der Spur: Sie will den Transport bestimmter Eiweiße in den Tumorzellen beeinflussen und so gängige Krebstherapien effektiver machen. Ein „Exportstopp“ der Proteine aus dem Zellkern soll dies ermöglichen.

Krebs-Tumorzelle
Krebs-Tumorzelle
© NASA
Ungeachtet aller Fortschritte sind die therapeutischen Möglichkeiten bei Krebserkrankungen noch immer begrenzt. Und eines zeichnet sich zusehends ab: Nur mit einem Arsenal verschiedener Behandlungsansätze wird man der Krankheit eines Tages effektiver zu Leibe rücken. In diese Richtung führen die Arbeiten von Dr. Shirley Knauer. Die Biologin aus dem Georg-Speyer-Haus in Frankfurt/Main erforscht, wie man den Transport bestimmter Eiweiße in Tumorzellen beeinflussen kann. Ziel: Die Zellen sollen ihr unbegrenztes Wachstum stoppen und gängige Krebstherapien effektiver machen. Für diesen innovativen Ansatz wird die Nachwuchswissenschaftlerin jetzt mit einem Graduierten-Stipendium der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung ausgezeichnet.

Menschliche Zellen sind strukturiert wie eine Fabrik, die aus verschiedenen Produktionseinheiten aufgebaut ist. Dementsprechend unterscheidet man beispielsweise den Zellkern vom Rest der Zelle ("Zytoplasma") - beide getrennt durch eine Art biologische Mauer ("Membran"). "Doch die Membran hat Poren, durch die Eiweiße in den Zellkern kontrolliert hinein- oder herausgeschleust werden", erklärt die Preisträgerin.

Protein als „Adress-Aufkleber“
Vor ihrem Transport bekommen Proteine eine Art molekularen Adress-Aufkleber, der ihre Bestimmung angibt - Zytoplasma oder Zellkern. Eines dieser Eiweiße ist das "Survivin". Seine Funktion: während der Embryonalentwicklung die korrekte Weitergabe der Chromosomen in den sich teilenden Zellen zu überwachen. Nach der Embryonalentwicklung indes wird dieses Protein in ruhenden gesunden Zellen kaum noch beobachtet.

Anders in Krebszellen: Fast alle Tumoren produzieren das Eiweiß, um unkontrolliert zu wachsen und sich gegen Therapien besser schützen zu können. "Je mehr Survivin, desto besser scheinen die Tumorzellen zu überleben und desto schlechter geht es den Patienten", erklärt Shirley Knauer. Mehr noch: Nach seiner Produktion wird das Protein ins Zytoplasma transportiert - und das scheint wichtig für die krebsfördernde Funktion von Survivin zu sein. Bei einigen Patienten allerdings scheint der Transport gestört zu sein. Folge: Survivin befindet sich vorwiegend im Zellkern. "Erste Studien zeigen, dass genau diese Patienten bessere Überlebenschancen haben", erklärt die Biologin.

„Stoppmolekül“ gesucht
Das Ziel der Frankfurter Forscher ist deshalb klar: Sie wollen mit einer Art Exportstopp verhindern, dass Survin den Zellkern verlässt. "Dafür", so Knauer, "müssen wir ein Molekül finden, das das molekulare Transportsignal erkennt und ausschaltet." Auf diese Weise soll das Protein aus dem Zytoplasma in den Kern verlagert werden, um Tumorzellen empfindlicher gegen Krebstherapien zu machen.

Doch die Suche nach spezifischen, therapeutisch wirksamen Substanzen erfordert aufwändige Testsysteme, die die Wissenschaftler auch mit Hilfe des Stiftungs-Stipendiums weiterentwickeln wollen. Die Vision: Diese neue Therapieform mit den bekannten Chemo- und Strahlentherapien gegen Tumore zu kombinieren - und das Leben der Patienten zu verlängern und zu verbessern.
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