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Donnerstag, 25.05.2017
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Zucker gegen Alzheimer?

Spezielle Form des Inositols beseitigt Plaques bei Mäusen

Bestimmte Varianten eines einfachen Zuckers dämpfen eine Alzheimer-ähnliche Erkrankung bei Mäusen. Das haben kanadische Forscher jetzt festgestellt. Die Ergebnisse ihrer jetzt in Nature Medicine veröffentlichten Studie könnten zu neuen Ansätzen für die Entwicklung von Alzheimer-Therapien beim Menschen führen, die den Ausbruch der Krankheit verzögern oder sogar verhindern. Erste klinische Tests am Menschen laufen bereits.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

Im Gehirn eines an Alzheimer erkrankten Menschen lagern sich so genannte Amyloid Beta Proteine geballt ab und verklumpen zu den so genannten „Plaques“. Diese gelten als typisches Merkmal der Demenzerkrankung. Vorherige Studien hatten bereits gezeigt, dass bestimmte Arten des Zuckers Cyclohexanehexol, auch unter dem Namen Inositol bekannt, im Reagenzglas die Verklumpung der Eiweiße verhinderte.

Um zu testen, ob dies auch in vivo der Fall ist, behandelten nun Peter St George-Hyslop und JoAnne McLaurin von der Universität von Toronto transgene Mäuse mit dem Zucker Scyllo-Inositol. Den Tieren waren menschliche Gene eingepflanzt, die sie für eine Alzheimer-ähnliche Erkrankung empfänglich machte.

Amyloid-Plaques verschwanden


Es zeigte sich, dass die Behandlung die Krankheitssymptome deutlich verbesserte: Das Gedächtnis wurde besser, Amyloid-Plaques verschwanden und auch die begleitende Entzündung klang ab. Die Tiere überlebten so deutlich länger als die nicht behandelten Mäuse der Kontrollgruppe. Die positiven Auswirkungen traten zudem nicht nur auf, wenn die Mäuse vor Ausbruch der Krankheit als Jungtiere behandelt wurden, sondern auch, wenn bereits erkrankte Tiere den Zucker erhielten.


Bisher war nicht klar, welcher Typ der Amyloid Beta Proteine beim Menschen die Alzheimer Krankheit auslöst, doch die Versuche gaben auch hier erste Hinweise: „Weil wir zeigen konnten, dass Scyllo-Inositol speziell die oligomeren Aggregate mit hohem Molekülgewicht verhinderten, bestätigt diese Studie, dass das auslösende Ereignis die Akkumulation von oligomeren Aggregaten des Amyloid Beta Peptids“, erklärt St George-Hyslop.

Tests am Menschen begonnen


“Scyllo-Inositol ist eine aufregende experimentelle Therapie, aber bis sie tatsächlich an Menschen getestet ist, sollte sie nicht als Heilmittel für Alzheimer betrachtet werden“, warnt St George-Hyslop vor überzogenen Hoffnungen. „Es gibt viele Ansätze, die im Tierversuch sehr viel versprechend sind, die aber im Menschen entweder nicht wirken oder unerwartet schädliche Nebenwirkungen haben.”

Allerdings blickt der Forscher dennoch recht optimistisch in die Zukunft. So sieht er keine Anzeichen für eine Autoimmunreaktion, die bei einigen anderen der bisher getesteten Alzheimermitteln, darunter einer Impfung, auftraten. „Diese Verbindung funktioniert durch einen anderen Mechanismus und umfasst nicht die Immunisierung des Patienten mit seinem eigenen Protein, die beim Impfstoff wahrscheinlich die Ursache für die allergische Reaktion war“, so der Wissenschaftler. Auch ein weiteres Hindernis, die Passage durch die Blut-Hirn-Schranke, ist für den Zucker kein Problem.

Ob das Scyllo-Inositol die Hoffnungen erfüllt, sollen Phase 1 klinische Tests an Menschen zeigen, die zurzeit von der Firma Transition Therapeutics durchgeführt werden. Zwar wird der Zucker auch bei Erfolg nicht als Einzelmittel gegen alle Aspekte der Krankheit helfen, aber im Verbund mit anderen Wirkstoffen könnte es den Ausbruch und Fortschritt der Krankheit entscheidend hemmen und sogar ganz verhindern.
(University of Toronto, 14.06.2006 - NPO)
 
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