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Samstag, 13.03.2010
Krebsviren im zellulären Mülleimer
Künstliche Peptide bieten neuen Ansatzpunkt in der Krebsforschung
Viren, die Hepatitis-B auslösen oder Krebs erregend sind, könnten bald durch künstliche Peptide an ihrer Vermehrung gehindert werden. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben herausgefunden, wie spezielle Peptid-Aptamere die Virusproteine regelrecht in den zellulären Mülleimer entsorgen. Dieser Wirkmechanismus der Aptamere war bisher nicht bekannt und könnte einen neuen Ansatzpunkt in der Krebstherapie bieten.

Krebszellen
Krebszellen
© National Cancer Institute
Peptid-Aptamere, die gegen Proteine von Hepatitis-B-Viren oder von krebserregenden humanen Papillomviren gerichtet sind, blockieren die Virusvermehrung, beziehungsweise -entwicklung. Sie bewirken, so zeigten zellbiologische Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Professor Felix Hoppe-Seyler im Deutschen Krebsforschungszentrum, dass die normalerweise im Zellplasma gelösten Virusproteine miteinander verklumpen. Die Zelle entsorgt diese Proteinaggregate daraufhin in spezielle Körperchen nahe dem Zellkern, die als Aggresomen bezeichnet werden. Mit diesen Endlagerstätten, so wird vermutet, schützt sich die Zelle vor der möglicherweise toxischen Wirkung defekter und verklumpter Proteine.

Peptid-Aptamere bestehen aus rund 20 Eiweißbausteinen (Aminosäuren), die in ein Stützprotein integriert sind und dadurch in ihrer Struktur stabilisiert werden. Um Aptamere zu gewinnen, die präzise an ein bestimmtes Protein binden, lassen die Molekularbiologen nach dem Zufallsprinzip hergestellte Genbibliotheken in Hefezellen ablesen und in Peptide übersetzen. Mit dem Zielprotein als "Köder" wird nach geeigneten Bindungspartnern gesucht.

Durch ihre Fähigkeit, die Funktion einzelner Proteine in der Zelle gezielt auszuschalten, gelten Aptamere als viel versprechende molekulare Werkzeuge. So wird mit geeigneten Peptiden geprüft, ob sich durch die Blockade wachstumsfördernder Proteine Krebszellen in ihrer Teilungsaktivität hemmen lassen. Durch gezieltes Ausschalten von Proteinen, deren Rolle bei der Krebsentstehung bisher noch nicht erforscht ist, lassen sich mögliche neue Angriffsziele für die Krebstherapie identifizieren.
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