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Montag, 23.01.2017
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Durstrecke für die Berge der Welt

Neues Klimamodell zeigt drastischen Verlust der winterlichen Schneekappen bis 2100

Für die Berge der Welt bricht eine Durststrecke an: Bis zum Ende des Jahrhunderts werden die südamerikanischen Anden mehr als die Hälfte ihre Winterschneekappen verlieren, die pittoresken Gebirgszüge Neuseelands werden sogar fast schneefrei sein. Das zeigt ein neues, extrem detailliertes Klimamodell, dessen Ergebnisse jetzt im Journal of Climate veröffentlicht wurden.
Hochgebirge

Hochgebirge

Nach den Berechnungen von Steven J. Ghan vom amerikanischen Pacific Northwest National Laboratory wird auch den Gebirgen in Europa und den westlichen USA rund die Hälfte des Wassers aus ihren Schneedecken verloren gehen. Die Abnahme der Winterschneefälle bringt nicht nur Einbußen für den Wintertourismus, sie hat in vielen Regionen der Erde sehr viele existenziellere Auswirkungen. Denn weniger Schnee bedeutet auch weniger Schmelzwasser im Frühling und Sommer – fatal für die Gebiete, die auf diese Wasserquelle angewiesen sind.

Am stärksten betroffen sind die Gebirge in den gemäßigten Zonen der Erde. Dort, wo die Temperaturen nur in den höheren Lagen unter dem Gefrierpunkt bleiben. Im Jahr 2100, so die Berechnung, werden die Alpen nur noch 61 Prozent ihres heutigen winterlichen Schnees erhalten, die südlichen Rocky Mountains nur 57 Prozent. Die Anden sinken auf 45, der neuseeländische Mount Cook und seine Nachbargipfel sogar bis auf 16 Prozent.

Im Gegensatz zu den bisherigen Simulationen kann das neue Modell, das die Jahre 1977 bis 2100 simulierte, die Gegebenheiten bis auf fünf Kilometer genau abbilden – und kann damit auch kleinräumige Veränderungen aufzeigen. „Globale Klimamodelle konnten bisher noch nie für eine fünf Kilometer Auflösung gerechnet werden, jedenfalls nicht über eine Zeitraum von mehr als nur wenigen Monaten“, erklärt Ghan.


Ghan nutzte für sein Modell eine „Teile-und-Herrsche“-Methode, bei der er und seine Kollegen die Gebirgszüge der Erde zunächst in zehn verschiedene Höhenklassen einteilten. Für jede dieser Klassen wurden dann Daten wie Luftzirkulation, Feuchtigkeit und Temperatur eingesetzt, um daraus den Schneefall zu ermitteln. Dieser virtuelle Schnee wurde dann entsprechend der jeweiligen Topografie verteilt. Auf diese Weise braucht die gesamte Simulation, wenn sie auf einem relativ „normalen“ Supercomputer läuft, „nur“ wenige Wochen.

Allerdings betont Ghan auch, dass das Modell durchaus seine Beschränkungen hat: Studien deuten darauf hin, dass der Kilimandscharo in Afrika innerhalb von Jahrzehnten seine Schneekappe vollkommen verlieren wird. „Unser Klimamodell zeigt das nicht“, erklärt er. „aber das bedeutet nicht, dass der Kilimandscharo nicht betroffen ist. Unser Modell erfasst einfach nicht allen Schneeverlust, der möglich ist. Es vernachlässigt beispielsweise das Abrutschen von Schnee durch Lawinen oder ein langsames Gletscherkriechen in den Regionen, in denen der Schneefall eigentlich stark ist.“
(DOE/Pacific Northwest National Laboratory, 19.05.2006 - NPO)
 
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