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Donnerstag, 09.02.2012
Umwelt-TÜV für Ostsee-Pipeline?
Erfüllung des Zeitplans auf Kosten der Umwelt befürchtet
Der Energieverbrauch steigt und damit auch der Bedarf an immer neuem Nachschub. Einen Teil davon soll eine neue Ostsee-Pipeline sichern, die die Deutschland und Europa in Zukunft mit russischem Erdgas versorgen soll. Doch der für 2008 angestrebte Baubeginn für die Ostsee-Pipeline ist nach Ansicht der Umweltstiftung WWF nicht zu halten. Sie forderte gestern auf der Landespressekonferenz in Schwerin einen umfassenden Öko-TÜV für die 1.200 Kilometer langen Röhren und präsentierte eine Studie, die mögliche ökologische Maßstäbe für den Pipelinebau in der Ostsee aufzeigt.

„Der angekündigte Baubeginn 2008 lässt sich nur halten, wenn die gängigen deutschen und europäischen Umweltstandards missachtet werden. Ein Parforceritt auf Kosten der empfindlichen Ostsee ist nicht akzeptabel“, sagte WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp. „Wenn die Umwelt zu ihrem Recht kommen soll, kann der Bau kaum vor 2010 beginnen.“

Eingriffe schonend gestalten
Der WWF begründet seine Initiative mit den Risiken des Projektes, das von einem Konsortium des russischen Monopolisten Gasprom unter Beteiligung deutscher Tochterunternehmen von E.ON und BASF betrieben wird. So sollen die beiden Röhren das Naturschutzgebiet Greifswalder Bodden queren, wo sie bei Lubmin an Land gehen. „Die Bauarbeiten an zwei 15 Meter breiten und bis zu vier Meter tiefen Rinnen zerstören auf Jahre wertvolle Lebensräume wie die Seegraswiesen. Sie beeinträchtigen wichtige Laichgebiete des Herings und anderer Fischarten“, so Lamp. Der WWF fordert, das Schutzgebiet möglichst zu umgehen. Zudem sollten die zwei Gasröhren zumindest in empfindlichen Gebieten nicht wie geplant im Abstand von zwei Jahren, sondern gleichzeitig verlegt werden. So müsse die Natur nicht zwei Störphasen verkraften.

Die geplante Trasse führe durch zum Teil unerforschte Meeresbiotope vor den Küsten Finnlands und Schwedens. Bevor der Boden umgepflügt werde, müsse geklärt werden, welche Naturschätze sich hier verbergen. Notfalls müssten die Betreiber auf eine weniger schädliche Alternativroute ausweichen. „Blindes Baggern wäre unverantwortlich“, so der WWF. Gefahren entstünden beim Bau der Pipeline möglicherweise auch durch am Meeresboden lagernde Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch sei nicht untersucht worden, welche Folgen sich aus der Summe unterschiedlicher Eingriffe ergeben könnten. So würden auf engem Raum Pipelineröhren und Kabeltrassen für Offshore-Windparks geplant.

Bisher keine Umwelt-Standards vorhanden
„Während für Windparkplanungen auf hoher See einheitliche Umweltstandards definiert sind, schweigen sich Betreiber und Behörden bei der Ostsee-Pipeline noch aus. Es besteht kein Grund, fossile Energieträger anders zu behandeln als erneuerbare Energien“, kritisierte Lamp. Der WWF fordert einheitliche Prüfkriterien in allen fünf beteiligten Ländern, die sich an den höchsten Standards orientieren müssten. „Nur ein Umwelt-TÜV auf höchstem Niveau entlang der gesamten Trassenführung wird die Schäden so gering wie möglich halten.“ Bislang sei die Einleitung der nötigen Genehmigungsverfahren nach deutschen und EU-Recht nicht bekannt. Auch die Öffentlichkeit wurde bisher nicht beteiligt.
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