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Freitag, 21.07.2017
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Pilz soll Maikäferinvasion stoppen

Forscher testen neue Methode zur biologischen Bekämpfung

„Es gibt keine Maikäfer mehr“ – diese Mahnung des Liedermachers Reinhard Mey hat heute längst keine Gültigkeit mehr. Seit 1984 haben sich die Insekten mit den imposanten lamellenartigen Antennen enorm vermehrt – besonders in der Rhein-Main-Ebene. Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) wollen nun in einem Großversuch die Käferpopulation mithilfe eines natürlichen Feindes, dem Pilz Beauveria brongniartii, dezimieren.
Waldmaikäfer mit geöffneten Fühlern

Waldmaikäfer mit geöffneten Fühlern

Alle vier Jahre schwärmen Anfang Mai die Waldmaikäfer aus. Besonders im Fluggebiet Südhessen werden auch 2006 die Laubbäume wieder braun sein von den gefräßigen Tieren. "Anfängliche Hoffnungen, die Population werde von selbst zusammenbrechen haben sich nicht erfüllt", erklärt Professor Alfred Wulf von der BBA in Braunschweig. Laut dem Leiter des Instituts für Pflanzenschutz im Forst hat Melolontha hippocastani in Hessen mittlerweile 9.000 Hektar Wald fest im Griff.

Anfangs registrierten die Forstleute nur 50 Hektar mit schweren Schäden, heute sind es schon 5.000 Hektar. Bemühungen, den Wald durch Pflanzungen von Laubbäumen zu erneuern, wurden durch die Maikäfer-Engerlinge sprichwörtlich untergraben. Sie richten den Hauptschaden an, da sie sich unterirdisch von Wurzeln bevorzugt junger Bäume ernähren und sie so zum Absterben bringen. "Leider gibt es derzeit keine Mittel mehr auf dem Markt, um die Waldmaikäfer oder ihre Engerlinge effektiv zu bekämpfen", zeigt Wulf den Forschungsbedarf auf.

Biologische Bekämpfung ist Trumpf


Wissenschaftler vom Institut für biologischen Pflanzenschutz der BBA in Darmstadt überprüfen deshalb zusammen mit Kollegen von anderen Forschungseinrichtungen, ob sich der Pilz Beauveria brongniartii zur biologischen Bekämpfung des Käfers und seiner Engerlinge eignet.


"Immer wieder finden sich in der Natur sowohl Engerlinge als auch erwachsene Käfer, die an einer ,Verpilzung' gestorben sind", erklärt der BBA-Forscher Gisbert Zimmermann. Die Kunst sei es jedoch die Pilze gezielt an die Käfer beziehungsweise Engerlinge zu bringen. "Der Zugriff auf die Engerlinge des Waldmaikäfers ist kompliziert, da sie sich über drei Jahre unterirdisch im Boden entwickeln, bevor sie sich im Herbst des 3. Jahres verpuppen und schließlich als Käfer im Frühling des 4. Jahres ausschwärmen", erklärt sein Kollege Horst Bathon. "Die Weibchen legen im Mai nach der Paarung zweimal 20 bis 30 Eier in etwa 30 Zentimeter Tiefe ab, bevorzugt in vergrasten Partien im Wald", so der Entomologe.

Feuerwehr versprüht Pilzsporen


In Vorversuchen überprüften die BBA-Wissenschaftler in den Jahren 2002 und 2003, ob sich der Pilz im Waldboden etablieren lässt. Dazu wurde bei Neupflanzungen Pilzgerste in die Pflanzlöcher eingebracht oder in einem Kiefernaltbestand in den Boden eingefräst. Die Darmstädter Berufsfeuerwehr versprühte in einem Testareal eine Pilzsporensuspension. "Mit allen drei Ansätzen erzielt man eine genügend hohe Sporendichte im Boden, die ausreichen würde die Engerlinge zu infizieren", fasst Zimmermann die Ergebnisse zusammen.

In einem weiteren Experiment lockten die Forscher männliche Waldmaikäfer in Fallen, um sie dort mit den Pilzen zu infizieren. Sie konnten zeigen, dass sie bei der Paarung die Infektion an die Weibchen und somit indirekt an die Larven weitergeben. Allerdings waren die Fallenfänge nur in den höchsten Baumkronen effizient genug.

Pilze mit „Killerpotenzial“?


Das jetzige Flugjahr soll zeigen, ob die Pilzsporen auch großflächig ausgebracht im Waldboden und über die erwachsenen Käfer ihre Wirkung entfalten. Dazu werden in dieser Woche, kurz nachdem die Waldmaikäfer ihren großen Flug starten, mit Hubschraubern Beauveria brongniartii-Sporen ausgebracht. Letztere sind weder für andere Insektenarten noch für den Menschen gefährlich.

Das Darmstädter BBA-Institut testet vor dem Hubschraubereinsatz die Qualität des Sporenmaterials. Nach der Applikation verfolgen die Fachleute die Entwicklung der Käferpopulation. Da die Wirkung des Pilzes nicht sofort eintritt, wird sich die diesjährige Elterngeneration noch paaren und die Weibchen werden Eier ablegen. Ist der Insekten abtötende Pilz erfolgreich, erblicken in vier Jahren weniger Käfer das Licht im Versuchsgebiet bei Darmstadt. Dass es gar keine Waldmaikäfer mehr geben wird, ist hingegen nach Angaben der Forscher weder zu erwarten noch beabsichtigt.
(idw - Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, 10.05.2006 - DLO)
 
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