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Freitag, 26.05.2017
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„Dino-Wildwechsel“ in Niedersachsen entdeckt

Fährten von Mutter mit drei Jungtieren in 140 Millionen Jahre altem Sandstein konserviert

In einem Steinbruch nördlich von Hannover waren bereits vor einem Jahr dreizehige Fußabdrücke von Pflanzen fressenden Dinosauriern entdeckt worden. Zusammen mit den Fährten von zwei ausgewachsenen Raubdinosauriern stellen diese Spuren aus der Unterkreide weltweit eine Rarität dar. Obwohl bis heute erst etwa ein Drittel des Fährten-Areals freigelegt ist, konnten die Wissenschaftler bereits 14 Spurenzüge mit zum Teil ungewöhnlicher Länge sichern.
Lebensraum vor 140 Millionen Jahren

Lebensraum vor 140 Millionen Jahren

„Die Anfang 2005 entdeckte Fährtenfläche zeigt schon jetzt, dass es sich hierbei um einen großräumigen und offensichtlich häufig benutzten „Dinosaurier-Wildwechsel“ gehandelt haben muss. Dieser lag vor rund 140 Millionen Jahren zur Zeit der Unterkreide in Ufernähe eines Binnensees“, erklärt Dr. Ute Richter, die als Paläobiologin an den Ausgrabungen beteiligt ist. „Wahrscheinlich sorgten damals heftige Stürme dafür, dass die Sedimentfläche schon kurz nach ihrer Durchquerung zügig von Sandmassen bedeckt wurde und die Fährten auf diese Weise von oben her versiegelt und konserviert wurden“, fügt Richter hinzu.

Muttertier mit drei Jungtieren


Von besonderer Bedeutung ist die Entdeckung von kleinen, regelhaft angelegten Abdrücken innerhalb des Fährtenzuges, die sich eindeutig den Vorderfüßen eines erwachsenen, Pflanzen fressenden Dinosauriers zuordnen lassen. Diese treten immer dann auf, wenn der ehemalige Untergrund wieder schlammiger und tiefer wurde, worauf die gut erhaltenen, tief eingesenkten Eindrücke der Hinterfüße hindeuten. Zum Stabilisieren des Körpers auf dem weichen, tiefen und damit unsicheren Untergrund wurden die Vorderfüße mit zur Hilfe genommen.

Fährtenareal und "Dino-Wildwechsel"

Fährtenareal und "Dino-Wildwechsel"

Diese Fährte wird immer wieder von den Spuren der Jungtiere gekreuzt beziehungsweise ein Stück weit auch begleitet. „Vermutlich führte das erwachsene Tier bis zu drei Jungtiere unterschiedlichen Alters und Größe, die sich immer wieder vom Muttertier entfernten, einen Bogen liefen und sich dann wieder der vorgegebenen Laufrichtung anschlossen, um gemeinsam den Weg zum nächsten Weidegrund fortzusetzen“, fasst Richter die Ergebnisse der bisherigen Ausgrabungen zusammen.


Binnensee mit Tropenklima


Den Ablagerungsraum dieser „Fährtensandsteine“ bildete damals ein großes Binnenseegebiet, das heute als „Niedersächsisches Becken“ bezeichnet wird. Der See enthielt zumeist Süßwasser und wurde nur selten durch eine Verbindung im Ostteil mit Meerwasser überflutet. In diesem Becken lagerten sich vor allem Sande ab, die heute als fester Sandstein vorliegen.

Zwischen den Sandsteinschichten lagerten sich zum Teil große Lagen an Pflanzenfossilien ab, die auch als Kohleflöze abgebaut wurden. Heute weiß man, dass es zur Zeit der Unterkreide in Norddeutschland eine reiche Vegetation gab, die auf ein subtropisch warm-feuchtes Klima schließen lässt. Der Lebensraum bot damit hervorragende Bedingungen für eine reiche Tierwelt, in der neben Krokodilen, Fischen, Schildkröten, Muscheln und Schnecken vor allem Echsenbeckendinosaurier (Saurischia) wie Sauropoden, räuberischen Theropoden und Vogelbeckendinosaurier (Ornithischia) vorherrschten.

Trittsiegel von Dinosauriern

Trittsiegel von Dinosauriern

Das rund 1200 Quadratmeter große Fährten-Areal in Münchehagen ist bis heute erst zu gut einem Drittel freigelegt und zeigt doch jetzt schon insgesamt 14 Fährtenzüge. Diese sind zum Teil mit bis zu 57 Einzeltrittsiegeln von ungewöhnlicher Länge und in hervorragendem Erhaltungszustand. Vorbehaltlich der Genehmigung zum Weitergraben seitens des Steinbruchbetreibers Wesling, sollen unter der Leitung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover und dem Dinopark Münchehagen die Ausgrabungen auch im Jahr 2006 und 2007 weitergeführt werden. Dabei wird es jeweils wieder an einigen Wochenenden die Möglichkeit für Interessierte geben, bei der Freilegung der Fährten mitzuhelfen. „Mit großer Wahrscheinlichkeit können wieder viele neue Fußabdrücke oder Pflanzenreste entdeckt werden, mit denen sich dann der Lebensraum zur Zeit der Unterkreide in Niedersachsen noch besser rekonstruieren läßt“, so Richter.
(Dr. Ute Richter, 09.05.2006 - AHE)
 
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