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Donnerstag, 24.05.2012
Wimmelndes Leben in der „Wasserwüste“
Sargasso-See überraschend mikrobenreich
Genomexperten haben in der Sargasso-See vor der Küste der Bermuda-Inseln im Atlantik mindestens 1.800 bisher unbekannte Mikroben entdeckt. Durch ihre Nährstoffarmut wurde die See häufig mit einer Wüste verglichen. Nach Angaben der Forscher wird sich durch diese neuen überraschenden Funde das Verständnis wesentlicher Vorgänge in der Meeresbiologie verändern.

Sargasso-See und Ostküste der USA
Sargasso-See und Ostküste der USA
© NASA
Die Forschungsexpedition Sorcerer2 hatte Ozeanproben gesammelt und anschließend mit dem System dekodiert, das er auch bei der genetischen Erforschung des Menschen angewendet hatte. Bei dem Screening, das "Whole-Genome-Shotgun-Sequencing" genannt wird, konnten die Forscher 1,2 Millionen neue Gene ausmachen. Diese Zahl basiert auf Vergleichszahlen von bisher bekannten Lebewesen, daher schätzen die Experten die Zahl der neuen Mikroben auf mindestens 1.800. Craig Venter, der das Maryland Institute for Biological Energy Alternatives leitet, war angesichts der relativ geringen Wasserproben von der Menge der gefundenen Mikroben überrascht.

Venter glaubt, dass mehr als 99 Prozent der Lebewesen im Meer noch entdeckt werden müssen. "In einer Umgebung wie der Sargasso-See, von der Forscher eigentlich angenommen haben, dass sie artenarm ist, waren wir erstaunt über die Vielzahl der gefundenen Lebewesen", so Venter, der erklärt, dass wesentliche Zusammenhänge der Meeresbiologie bisher noch weitgehend ungelöst sind.

Besonders überraschend war auch der Fund von mehr als 800 Genen für Photorezeptoren: Strukturen, die von Lebewesen verwendet werden, um Licht zu sammeln und energetisch zu verwerten. Venter meinte anlässlich einer Pressekonferenz zur Expedition, dass Sonnenlicht möglicherweise eine viel wichtigere Rolle im ökologischen Kreislauf des Ozeans spiele als bisher angenommen. Raymond Orbach vom US-Department of Energy sieht darin sogar eine Möglichkeit der Energierzeugung für die Zukunft. Insbesondere für die Herstellung großer Mengen von Wasserstoff scheinen solche Kleinstlebewesen eventuell geeignet.

Die Sargasso-See, die vom nährstoffreichen Golfstrom umgeben ist, ist selbst ein nährstoffarmes Gebiet, das von Meeresbiologen häufig mit einer Wüste verglichen wurde. Die Expedition von Venter, die vom Department of Energy mit neun Millionen Dollar finanziert wird, will weltweit Meerwasserproben auf Mikroorganismen hin untersuchen. Finanzspritzen erhält Venter auch vom Institute for Genomic Research, das von seiner Frau Claire Fraser geleitet wird.
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