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Dienstag, 28.03.2017
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Elektroschrott: Vom Sondermüll zum Wertstoff

Neuartiges Recycling-Verfahren entwickelt

Seit dem 24. März 2006 können Verbraucher alte Elektronikgeräte kostenlos bei kommunalen Sammelstellen abgeben. Die weitere Entsorgung der in Deutschland jährlich anfallenden 1,8 Millionen Tonnen Elektronikschrott liegt in der Verantwortung der Hersteller. Doch wie sieht die Entsorgung aus? Wie sind die von EU und deutschem Recht geforderten Recycling-Quoten zu erreichen? Eine Antwort auf diese Fragen gibt Haloclean, ein im Forschungszentrum Karlsruhe im Auftrag der EU entwickeltes neuartiges Verfahren, das insbesondere für die Verwertung hoch schadstoffbelasteter Elektronikabfälle anwendbar ist.
Haloclean-Verfahren

Haloclean-Verfahren

Von A wie Abzugshaube bis Z wie elektrische Zahnbürste reichen die Produkte, die als Elektronikschrott enden. Dazwischen lässt sich über Computer, Gameboy, Rasierapparat und Walkman praktisch das ganze Alphabet buchstabieren. Ähnlich komplex wie die Geräteliste ist die Zusammensetzung des zu entsorgenden Materials. Wertvolle Stoffe wie Edelmetalle und Kupfer stehen neben geringwertigen wie Glas und Kunststoffen oder sogar umweltgefährdenden wie Cadmium, Blei und bromierten Flammschutzmitteln.

Die Entsorgung dieses Elektronikschrotts ist seit 24. März 2006 in die Verantwortung der Hersteller übergegangen. In der EU-Richtlinie sind auch Quoten für Wiederverwendung und Recycling festgelegt. Darüber hinaus sind Verfahren und Techniken zu bevorzugen, die zu einer größtmöglichen Schonung von Ressourcen und Umwelt beitragen.

Mit dem im Forschungszentrum Karlsruhe entwickelten Verfahren "Haloclean" sind Recycling- und Verwertungsquoten bis zu 99 Prozent auch bei ökologisch bedenklichen Chargen, insbesondere stark mit bromierten Kunststoffen versetzten, realisierbar. Herzstück des Verfahrens ist eine thermisch-chemische Behandlung der Reststoffe in Haloclean-Reaktoren.


Wertvolle Metalle zurückgewonnen


"Wesentliches Ziel ist die hohe Wertschöpfung aus den Elektronikabfällen", erläutert Andreas Hornung, der das Haloclean-Projekt im Institut für Technische Chemie des Forschungszentrums Karlsruhe aufgebaut hat und leitet. "Wir trennen wertvolle Edelmetalle und weitere Metalle ab und verkaufen sie weiter. Entstehende Gas- und Ölanteile können entweder stofflich verwertet oder zur Energiegewinnung genutzt werden. Brom erhalten wir in Form von Bromwasserstoff wieder, den die Industrie als Grundstoff weiterverwendet."

Das Haloclean-Verfahren beruht auf einer thermisch-chemischen Behandlung von geschreddertem Elektronikschrott in gasdichten Drehrohren mit Förderschnecken. In einer zweistufigen Pyrolyse werden die Kunststoffbestandteile in Öl und Gas umgewandelt. Daraus lassen sich durch einen chemischen Verfahrensschritt Brom und andere Halogene wiedergewinnen; die entstandenen Öle und Gase sind als chemischer Rohstoff oder Brennmaterial einsetzbar. Aus dem verbleibenden Rückstand der Pyrolyse werden Edelmetalle und andere Metalle abgeschieden.

"Durch die hohen Recyclingquoten ist Haloclean wirtschaftlich konkurrenzfähig", freut sich Andreas Hornung. "Haloclean läuft langzeitstabil und ist reif für die technische Anwendung. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Sea Marconi planen wir den Aufbau einer mobilen Anlage mit einem Jahresdurchsatz von 6000 Tonnen."
(idw - Forschungszentrum Karlsruhe, 04.05.2006 - DLO)
 
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