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Dienstag, 30.05.2017
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Geburtsmonat entscheidet über Bildungschancen

Im Frühjahr geborene Kinder erhalten seltener Empfehlung für das Gymnasium

Die Bildungschancen im deutschen Schulsystem hängen in erheblichem Maße vom Geburtsmonat eines Kindes ab. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem aktuellen Wochenbericht. Kinder, die kurz nach dem für die Einschulung relevanten Stichtag geboren sind, erhalten in der vierten Klasse deutlich eher eine Empfehlung für das Gymnasium als Kinder, die kurz vor diesem Stichtag geboren sind.
Schulunterricht

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Nach den Ergebnissen des DIW liegt der Anteil an im Juni geborenen Kindern mit Gymnasialempfehlung in Westdeutschland bei 36,8 Prozent. Dies sind fast acht Prozentpunkte weniger als bei Kindern, die im Juli geboren wurden und entsprechend elf Monate älter sind. Für Ostdeutschland hat der DIW ähnliche Unterschiede ermittelt. Hier liegen die Quoten für eine Gymnasialempfehlung bei 37,0 Prozent für die jüngeren "Maikinder" und 43,1 Prozent für die älteren, im Juni geborenen Kinder.

Die Unterscheidung von Ost- und Westdeutschland ist aufgrund der unterschiedlichen Stichtage zur Einschulung notwendig. In der früheren DDR wurden die Kinder schulpflichtig, die bis zum 31. Mai das sechste Lebensjahr vollendet hatten. In der Bundesrepublik galt bisher der 30. Juni als einheitlicher Stichtag.

DIW empfiehlt zentrale Einstufungstests


Zwar lassen sich durch den Einschulungsstichtag hervorgerufene Ungerechtigkeiten nicht ganz vermeiden, dennoch lässt sich aus Sicht des DIW die gegenwärtige Praxis der Empfehlung der Grundschule für die weiterführende Schule verbessern. Denn es ist völlig unklar, auf welche Erfahrungswerte sich Grundschullehrerinnen und -lehrer bei ihren Empfehlungen stützen, da die Schulen in der Regel keine Erfolgskontrollen ihrer Prognosen durchführen.


Neben dem Mitspracherecht der Eltern als notwendiges Korrektiv könnten laut DIW zentrale Einstufungstests, die das Leistungsvermögen unabhängig von Alter und sozialer Herkunft prognostizieren, kurzfristig zu einer verbesserten Chancengleichheit führen. Langfristig ist jedoch auch die von vielen Bildungsforschern geforderte zeitliche Verschiebung der Zuordnung der Schüler und Schülerinnen zu den verschiedenen Schultypen in Betracht zu ziehen, da sich altersbedingte Unterschiede in schulischer Leistung und sozialer Reife verringern dürften.
(idw - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 27.04.2006 - DLO)
 
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