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Montag, 23.01.2017
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Krebs: Marker verzweifelt gesucht

Größtes EU-Forschungsprojekt sucht nach Früherkennungsmethoden

Nicht alle Krebspatienten sprechen gleich gut auf ihre Therapie an. Für die Mediziner ist dies aber erst nach einiger Zeit erkennbar: Ist der Tumor geschrumpft, so war die Therapie erfolgreich; ist er weiter gewachsen, hat die Therapie versagt - und der Patient lebenswichtige Zeit verloren. Die neue EU-Forschungsinitiative OVCAD will nun diese Schwäche im Therapiekonzept angreifen.
Krebs-Tumorzelle

Krebs-Tumorzelle

Für dieses Ziel wollen 15 Forschergruppen aus sechs Ländern Proteine, Gen-Veränderungen und RNA identifizieren, die bereits zum Zeitpunkt der Krebs-Diagnose Aussagen über den späteren Krankheitsverlauf zulassen. Mit einem Budget von über 4,2 Millionen Euro stellt diese zunöchst auf drei Jahre ausgelegte Initiative das größte europäische Einzelprojekt zur frühzeitigen Krebsdiagnose dar. Koordiniert werden die Forschungen von der Medizinischen Universität Wien, die Wissenschaftler beginnen dort ihre Arbeit mit einem Eröffnungs-Treffen am 23. April.

"Selbst kleinste Tumore hinterlassen im Körper Spuren. Wir möchten lernen, diese Spuren zu finden und zu verstehen. Denn so können wir durch eine rasche und präzisere Diagnose frühzeitig über den Erfolg der Therapie Auskunft geben", erklärt Prof. Robert Zeillinger, Koordinator des Projekts von der Medizinischen Universität Wien.

Molekulare Spuren gesucht


Die Spurensuche der Onkologen findet dabei auf molekularer Ebene statt: Molekulare Marker wie Proteine, Gen-Veränderungen und RNA erfahren bei Krebserkrankungen spezifische Anpassungen, die bereits im frühen Tumor-Stadium nachweisbar sind. Bisher fehlt aber eine systematische Untersuchung über einzelne Molekulare Marker und die Muster, die sich aus ihren zahlreichen Änderungen in Folge einer Tumorentstehung ergeben. Genau diese Untersuchung wird OVCAD für den Eierstockkrebs nun durchführen.


Gerade bei Eierstock-Krebs ist die Wirksamkeit klassischer Diagnoseverfahren sehr eingeschränkt. Bei 75 Prozent der Betroffenen erfolgt die Diagnose erst in einem sehr späten Stadium. Zwar wird seit einigen Jahren auch ein Biomarker, das Glykoprotein CA125 im Serum der Patientinnen zur Diagnose herangezogen, doch ist dessen Aussagekraft limitiert. Zu dieser Problematik erläutert Zeillinger: "Der Marker CA125 ist zwar hilfreich für die Kontrolle des Therapieansprechens aber zu unspezifisch für die Frühdiagnose und gibt vor allem keinen Hinweis auf den Krankheitsverlauf. Gerade das ist aber beim Eierstock-Krebs besonders wichtig. Denn bei fast 25 Prozent der jährlich über 63.000 Patientinnen in Europa versagt die Standard-Therapie. Molekulare Marker erlauben aber das Wiederkehren des Tumors und sogar das Vorhandensein einzelner bereits abgesiedelter Tumorzellen frühzeitig nachzuweisen. So können rasch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden."

Internationale Zusammenarbeit


Gemeinsam mit mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Israel und Deutschland werden nun molekulare Marker und deren Muster bei 200 Eierstockkrebs-Patientinnen untersucht. Dafür werden Gewebeproben, Blut und Bauchhöhlen-Flüssigkeit zum Zeitpunkt der klinischen Diagnose auf auffällige Molekulare Marker hin untersucht. Sechs Monate nach Ende der Standard-Therapie werden solche Untersuchungen wiederholt und es wird dann festgestellt, ob bestimmte Marker besonders häufig bei jenen 25 Prozent Frauen auftraten, bei denen die Therapie versagte. Sollte das der Fall sein, dann hätte man zukünftig bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Hinweise auf dieses Versagen.

Ursachen für Therapieversagen


Zusätzlich werden durch OVCAD auch einige der Ursachen für das Versagen der Standard-Therapie untersucht. Dazu gehören die so genannten Multidrug Resistenz Gene und deren Proteine, die einen frühzeitigen Abtransport von Chemotherapeutika aus den Krebszellen bewirken. Dieses von Prof. Theresia Thalhammer an der Medizinischen Universität Wien untersuchte Phänomen hat zur Konsequenz, dass die verwendeten Chemotherapeutika eine zu kurze Verweildauer in den Zellen haben, und so ihre Wirkung nicht voll entfalten können.
(Public Relations für Research and Development, 21.04.2006 - NPO)
 
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