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Sonntag, 22.10.2017
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Vögel triumphieren im Duett

“Sing when you're winning"

Forscher der Universität Würzburg haben herausgefunden, dass afrikanische Flötenwürger eine Siegeshymne bei erfolgreicher Verscheuchung von Eindringlingen anstimmen. Das Duett von Männchen und Weibchen ist nicht nur ein deutliches Signal an die Verlierer, sondern soll auch zugleich andere Störenfriede abschrecken. Einige Refrains werden sogar mehr als 40 Mal wiederholt, um der Siegesbotschaft Nachdruck zu verleihen. In Europa ist die Verteidigung des Reviers durch Gesänge hingegen reine Männersache.
Flötenwürger-Pärchen beim Duettgesang

Flötenwürger-Pärchen beim Duettgesang

Ob der britische Popstar Robbie Williams wohl weiß, dass seine Songs sogar von Vögeln beachtet werden? Die in Afrika lebenden Flötenwürger (Laniarius aethiopicus) jedenfalls haben den Titel "Sing when you're winning" fest in ihr Dasein integriert: Sobald diese Vögel Eindringlinge aus ihrem Revier verscheucht haben, stimmen Männchen und Weibchen gemeinsam ein Duett an - eine Siegeshymne, wie Zoologen vom Biozentrum der Uni Würzburg meinen. Bei den Vogelpaaren in Europa ist die Verteidigung des Reviers durch Gesänge reine Männersache. Anders in den Tropen: Dort koordinieren Männchen und Weibchen einiger Arten ihre Lieder so perfekt, dass regelrechte Duette entstehen. Solche Gesangseinlagen dienen neben der Revierverteidigung auch dazu, die Bindung der Paare zu festigen.

Provokation im Revier


Die Würzburger Tropenbiologen Ulmar Grafe und Johannes Bitz wollten das gesamte Liedrepertoire der Flötenwürger erfassen. Bei ihren Forschungen im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste stellten sie fest, dass diese Vögel mindestens ein Dutzend Duette beherrschen. Außerdem fiel den Wissenschaftlern etwas Merkwürdiges auf: Immer dann, wenn sie ihre Ausrüstung zusammengepackt hatten und sich auf den Weg machten, stimmten die Revierinhaber ein ganz bestimmtes Duett an.

Warum das so ist, wollten Grafe und Bitz genauer wissen: Sie spielten Tonbandaufnahmen mit Würgergesängen ab und täuschten den Vögeln damit vor, ein anderes Paar wäre in ihr Revier eingedrungen. Gingen die Hausherren auf diese Provokation ein, so begannen die Forscher mit dem Tonband eine Art Gesangsduell. Zwei Mal siegten sie dabei, und die Vögel zogen sich zurück. In 16 Fällen aber ließen sie die Flötenwürger gewinnen und elf Siegerpaare begannen daraufhin mit dem Triumphgesang. "Sie flogen dazu oft auf den höchsten Baum im Revier", sagt Grafe. Offenbar sollte die Siegeshymne also möglichst weit zu hören sein.


Die Würzburger Forscher sind der Ansicht, dass dieses Duett nicht nur ein deutliches Signal an die Verlierer ist, sondern zugleich andere Störenfriede abschrecken soll. Den Siegesgesang schmettern die Flötenwürger nämlich wesentlich lauter in die Landschaft als ihre anderen Duette. Seine Reichweite ist damit viel zu groß, um nur als Botschaft an die direkten Nachbarn oder zur Festigung der Paarbindung zwischen Männchen und Weibchen zu dienen. Außerdem dauert das Lied der Gewinner viel länger als andere Duette. Einige Refrains werden sogar mehr als 40 Mal wiederholt, um der Siegesbotschaft Nachdruck zu verleihen.
(idw - Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 09.03.2004 - AHE)
 
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