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Freitag, 10.02.2012
Antibiotikum aus dem Boden?
Entwicklung eines neuen Mittels gegen multi-resistente Bakterien
Weltweit nehmen die Antibiotika-Resistenzen zu. Deswegen müssen immer neue Wirkstoffe entwickelt werden, die vor allem gegen bakterielle Krankheitserreger eingesetzt werden können. Wissenschaftler wollen nun von Bodenbakterien produzierte natürliche Antibiotika so verändern, dass sie auch gegen gefährliche und multiresistente Erreger beim Menschen wirksam sind.

Eine Handvoll Boden
Eine Handvoll Boden
© Missouri NRCS/USDA Eine Handvoll Boden
Es werden immer wieder neue Antibiotika entwickelt, die als Wirkstoffe vor allem gegen bakterielle Krankheitserreger eingesetzt werden können. Doch treten bei den Krankheitserregern auch immer wieder neue Resistenzen auf, die sie gegen die Antibiotika unempfindlich machen. In diesem Wettlauf müssen die Forscher schnell sein, da die Entwicklung neuer Wirkstoffe im Labor kompliziert und zeitaufwendig ist. Nun lässt ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Lutz Heide vom Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen und Antony Maxwell vom John Innes Centre im britischen Norwich harmlose Streptomyces-Bakterien für sich arbeiten. Diese stellen ein natürliches Antibiotikum her, um andere Bakterien im Boden abzutöten.

Zwei Wirkstoffe im Visier
Doch diese Antibiotika lassen sich oft nicht direkt als Medikamente beim Menschen einsetzen. Denn die Substanzen sind schlecht wasserlöslich und können daher nicht im Blutstrom des Körpers transportiert werden. Die Wissenschaftler haben nun zwei der natürlichen Antibiotika namens Novobiocin und Clorobiocin näher untersucht, um herauszufinden, welche Teile der Moleküle essenziell für die Wirkung gegen Bakterien sind. Sie wollen die Moleküle anschließend variieren und hoffen, auf diese Weise Antibiotika entwerfen zu können, die gegen Krankheitserreger im menschlichen Körper aktiver sind und weniger Nebenwirkungen haben.

Die Wirkung der Antibiotika Novobiocin und Clorobiocin beruht darauf, dass sie die richtige Verpackung des Erbguts in den Bakterienzellen verhindern. In menschlichen Zellen können sie keinen Schaden anrichten, weil die DNA dort auf andere Weise verstaut wird. Die Forscher sind zuversichtlich, dass sich diese Antibiotika durch gezielte Veränderungen in Zukunft gegen bakterielle Infektionen beim Menschen verwenden lassen.

Vor allem gegen gefährliche Krankheitserreger wie zum Beispiel die multiresistenten Staphylococcus aureus-Bakterien (MRSA) könnte dieser neue Wirkstoff eingesetzt werden. Die MRSA-Bakterien können schwere Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Sepsis hervorrufen. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie "Antimicrobial Agents and Chemotherapy" veröffentlicht.
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