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Dienstag, 19.09.2017
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„Vollbremsung“ an der Venus

Venus Express: Kompliziertes Manöver sorgt für Einschwenken in den Orbit

Nach einer fünf Monate und 400 Millionen Kilometer langen Reise durch unser Sonnensystem wird die ESA-Sonde Venus Express am 11. April 2006 die Venus erreichen. Damit Venus Express sein Ziel nicht verfehlt und wie geplant in die Umlaufbahn einschwenkt, ist jedoch ein kompliziertes Bremsmanöver nötig.
Venus Express

Venus Express

Die so genannte Venus Express Orbit Insertion dauert etwa 50 Minuten und beginnt am Morgen des 11. April 06 um 09:15 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. „Am 11. April wird die Venus Express-Sonde an der Venus ankommen und wenn wir nichts tun, würden wir einfach vorbeifliegen. Deswegen müssen wir ein so genanntes Bremsmanöver durchführen, was uns aus einer Geschwindigkeit von etwa fünf Kilometern pro Sekunde so weit abbremst, dass wir von der Anziehungskraft des Planeten Venus angezogen und in eine Umlaufbahn eingeschwenkt werden.“, erklärt Manfred Warhaut, Flugdirektor der Venus Express Mission am Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC).

Venus Express wird auf Kurs gebracht


Die Venus, am Abendhimmel ein nicht zu übersehender Lichtpunkt, gleicht aus der Nähe einer brodelnden Hölle, mit Temperaturen von bis zu 460 Grad Celsius, starken Stürmen, riesigen Vulkanen und einem neunzig Mal höheren Druck als auf der Erde. Wissenschaftler weltweit wollen nun eines der größten Rätsel entschlüsseln: Warum hat der Planet Venus, der im Hinblick auf Größe, Masse und Zusammensetzung der Erde sehr ähnelt, seit der Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren eine so unterschiedliche Entwicklung vollzogen? Wie wurde die Venus zur brütenden Klimahölle?

Um solche Informationen zu liefern, muss Venus-Express erst einmal auf Kurs um den Planeten gebracht werden. Dabei wird ihre Geschwindigkeit um 1.310 Meter pro Sekunde (= 4.716 Kilometer pro Stunde) reduziert. Dieses Bremsmanöver ist für die Mission von entscheidender Bedeutung: das Einschwenkmanöver in die Umlaufbahn erfolgt mit dem einzigen Haupttriebwerk der Raumsonde, das kaum größer als ein Schuhkarton ist.


Das Triebwerk, das bereits Mitte 2003 beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen bei Heilbronn erfolgreich getestet wurde, entwickelt bei diesem Manöver einen Schub von bis zu 400 Newton (N), was umgerechnet etwa einer Leistung von 850 PS entspricht.

Nicht zu hoch und nicht zu niedrig


„Kritisch ist insbesondere der Korridor, in dem wir ankommen – wir dürfen nicht zu niedrig, nicht zu hoch ankommen. Kämen wir zu niedrig, würde das Risiko bestehen, dass wir einfach auf den Planeten stürzen, kämen wir zu hoch, würden wir einfach an der Venus vorbeifliegen“, so Warhaut weiter.

Gelingt das Manöver, rechnen die beteiligten Wissenschaftler schon bald mit ersten Ergebnissen von Venus Express. „Wenn alles so glückt, wie wir uns das vorstellen, könnten vielleicht gleich nach Ostern, am 13., 14. April, erste Bilder oder erste Daten vorliegen. Auf die richtigen Ergebnisse, ich glaube, da müssen wir warten, bis die Instrumente in der Venusumlaufbahn ihren Routinebetrieb aufgenommen haben, bis sie dann auch endgültig kalibriert und eingestellt sind. Ich rechne dann aber spätestens mit den ersten wissenschaftlichen Ergebnissen bis zum dritten, vierten Quartal.“, so Warhaut.
(ESA/ESOC/DLR, 05.04.2006 - DLO)
 
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