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Dicke Luft in Mexiko-City?

Feinstaub-Forscher untersuchen Luftqualität in der Megastadt

Wer sich Mexiko-City per Flugzeug nähert, sieht zunächst nichts von der Stadt. Die Großstadt liegt fast immer unter einer dichten Dunstwolke. Über 18 Millionen Menschen müssen täglich diese Luft einatmen. Doch wie „dick“ ist die Luft in der Megastadt wirklich? Auf diese Frage wollen jetzt Forscher im Rahmen eines neuen internationalen Großprojektes eine Antwort finden. Über 300 Wissenschaftler von 50 verschiedenen Forschungsinstituten messen dazu im März 2006 die Luftqualität in und über Mexiko.
Dunstglocke über Mexiko-Stadt

Dunstglocke über Mexiko-Stadt

Mexiko-City galt lange Zeit wegen der hohen Schwefeldioxid- und Kohlenmonoxid-Konzentrationen als schmutzigste Stadt der Welt. Der Großraum erstreckt sich auf einer bebauten Fläche von über 1500 Quadratkilometern. Das entspricht etwa der doppelten Größe des Stadtstaates Hamburg - aber mit zehnmal mehr Einwohnern. Die Metropolenregion Mexiko-City rangiert auf der Liste der größten Ballungsräume der Welt an zweiter Stelle nach Tokio-Yokohama, das inzwischen über 34 Millionen Einwohner hat. Momentan lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in solchen Ballungsräumen. Tendenz steigend.

Megastadt mit Mega-Problemen


Nicht nur die Zahlen sind gigantisch - auch die Probleme sind es. Neben sozialen und organisatorischen Fragen sind es vor allem Gesundheitsprobleme wie Atemwegserkrankungen und Allergien, möglicherweise mitbedingt durch die starke Luftverschmutzung.

Hier setzt das Großprojekt MILAGRO an, in dem es unter anderem um die globalen Auswirkungen von solchen Megastädten geht. Organisiert wurde das Großprojekt vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) zusammen mit verschiedenen Mexikanischen und US-Amerikanischen Partnern wie beispielsweise der NASA. Das UFZ ist neben der Universität Heidelberg die einzige Forschungseinrichtung aus Deutschland, die an dem Großprojekt teilnimmt.


Die UFZ-Forscher werden an drei Standorten gemeinsam mit mexikanischen Kollegen und weiteren internationalen Partnern vorwiegend flüchtige organische Verbindungen (VOCs) und Feinstaub messen. Darin eingeschlossen sind auch so genannte ultrafeine Partikel mit Durchmessern kleiner als ein zehntausendstel Millimeter. Dazu nehmen sie mobile Messgeräte mit einem Gesamtgewicht von über 100 Kilogramm mit. Gemessen wird sowohl außerhalb als auch innerhalb der Gebäude, um bestimmen zu können, welche Konzentrationen die Menschen in Mexiko- City tatsächlich ausgesetzt sind.

Gesundheitliche Folgen der Luftbelastungen erfasst


"Anhand gemeinsam mit Kollegen der größten Universität Mexikos durchgeführter umweltepidemiologischer Untersuchungen an Schulkindern sollen dann die gesundheitlichen Folgen der Luftbelastungen erfasst werden", beschreibt Professor Olf Herbarth vom UFZ das Ziel der Studie. Am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle sind in den vergangenen Jahren eine Reihe vergleichbarer Studien durchgeführt worden.

Die Vor-Ort-Messungen der Leipziger Forscher sind nur ein kleiner Teil einer großen Messkampagne, bei der auch sechs Spezialflugzeuge vom US- Zentrum für Atmosphärenforschung, dem US-Energieministerium und der National Aeronautics und Space Administration (NASA) eingesetzt werden. Zusätzlich wird die Atmosphäre aus dem Weltraum mit neun Satelliten überwacht. Die Messkampagne wird insgesamt 15 Millionen US- Dollar kosten, die durch Stiftungen und Ministerien aus den USA und Mexiko aufgebracht werden. Mit ersten Ergebnissen wird in einem Jahr gerechnet. Ab März 2008 sollen alle Daten im Internet öffentlich verfügbar sein.

Globale Auswirkungen der Luftverschmutzung im Visier der Forscher


Vor drei Jahren hatten US-Forscher schon einmal umfangreiche Luftmessungen in Mexiko-City durchgeführt. Durch die Messungen jetzt hoffen sie auf neue Erkenntnisse, was sich inzwischen verändert hat und welche globalen Trends sich durch das Wachsen der Megastädte abzeichnen. "Die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre unseres Planeten ändert sich. Diese Kampagne soll die Komponenten messen, um zu verstehen, wie die Verschmutzung von solchen Megacitys zu diesem Wandel beiträgt und welchen Einfluss sie auf den globalen Klimawandel haben", erklärt Chemie-Nobelpreisträger Professor Mario Molina, der für das wissenschaftliche Konzept des Großprojektes verantwortlich ist.

Der in Mexiko-City geborene Wissenschaftler erhielt 1995 den Chemie- Nobelpreis für seine Studien zum Einfluss von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) auf den Abbau der Ozonschicht. Auch wenn Mexiko-City über zwölf Flugstunden entfernt ist - die globalen Auswirkungen reichen bis nach Deutschland.
(idw - Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, 31.03.2006 - DLO)
 
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