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Samstag, 16.12.2017
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Grünes Licht für Wasserstoffnutzung?

Studie: Risiken der Technologie beherrschbar

Explodierende Garagen, schwere Explosionen nach Unfällen in Tunnels oder Handys, die in die Luft fliegen - so sehen Horrorszenarien aus, wenn künftig Wasserstofftechnologien flächendeckend in unseren Alltag Einzug halten. Tatsächlich jedoch sind die möglichen Gefahren von Wasserstoff oft mit überschaubarem Aufwand beherrschbar. Das ist das Ergebnis von Experimenten und Modellrechnungen im Forschungszentrum Karlsruhe.
Ausbreitung von Wasserstoff

Ausbreitung von Wasserstoff

Die Sicherheitseigenschaften von Wasserstoff unterscheiden sich von denen anderer gasförmiger Energieträger, beispielsweise Erdgas, Propan oder Benzindämpfen, erheblich: So ist Wasserstoff leichter als Luft und breitet sich deshalb bevorzugt nach oben aus. Wasserstoff verteilt sich aber auch wegen seiner hohen Diffusivität schneller.

Zudem hat Wasserstoff eine extrem kleine Zündenergie, die eine spontane Zündung des Gemischs begünstigt. Er ist über einen sehr großen Konzentrationsbereich brennbar, der Ausbrand einer Wasserstoff-Luft-Mischung ist deshalb beinahe vollständig. Wasserstoff hat darüber hinaus eine hohe Brenngeschwindigkeit, durch die sich das Schadenspotenzial erhöhen kann.

Diese Unterschiede erfordern spezielle Sicherheitskonzepte, weil Unfälle mit Wasserstoff völlig anders ablaufen können als Unfälle mit konventionellen Brenngasen. Die Ermittlung der andersartigen Gefahrenpotenziale und deren Beherrschung setzt umfangreiche Untersuchungen mit dem künftigen Energieträger Wasserstoff voraus.


"Unser Ziel ist, grundlegende experimentelle Daten und verifizierte theoretische Rechenmodelle zu entwickeln, um fundierte Sicherheitsregeln und Standards für den alltäglichen Umgang mit Wasserstoff als Energieträger ableiten zu können", erläutert Wolfgang Breitung aus der Abteilung Strömung und Verbrennung im Institut für Kern- und Energietechnik des Forschungszentrums Karlsruhe. "Wir wollen damit den Endverbraucher von sicherheitstechnischen Einschränkungen entlasten."

Undichte Tanks in Garagen auf dem Prüfstand


So führte eine Arbeitsgruppe Modelluntersuchungen zur Ausbreitung von Wasserstoff aus undichten Tanks in Garagen durch. Die Berechnungen ergaben, dass bei geringen Leckagen (bis rund 0.3 g Wasserstoff pro Sekunde, was der Freisetzung von rund 3 Litern Gas pro Sekunde entspricht) praktisch kein brennbares Gemisch entsteht. Derartige Leckraten wären also ungefährlich.

Zur Beherrschung höherer Leckraten sind passive oder aktive Sicherheitsmaßnahmen erforderlich und mit einfachen Mitteln realisierbar. So könnte der Wasserstoff durch Abluftkanäle in der Decke ins Freie geleitet, durch Katalysatoren gezielt abgebaut oder durch Ventilatoren besser verteilt und abgeführt werden.

Kalkulierbares Risiko bei Tunnelunfall


Andere Modellrechnungen untersuchten die Freisetzung von Wasserstoff nach einem Unfall im Tunnel: Die Ergebnisse zeigen, dass nur ein kurzzeitiges Potenzial (kleiner eine Minute) für Explosionen besteht, sonst ist nur eine langsame Deflagration zu erwarten. Das Gesamtrisiko eines solchen Unfalls mit Wasserstoff wäre damit nicht größer als bei einem benzinbetriebenen Fahrzeug.

Teilergebnisse der Modellrechnungen wurden im Wasserstofftechnikum des Forschungszentrums Karlsruhe überprüft. Das Wasserstofftechnikum wurde mit Unterstützung der deutschen Industrie im Forschungszentrum aufgebaut und ging im Herbst 2004 in Betrieb. Die bisher erzielten experimentellen Ergebnisse zeigen generell eine sehr gute Übereinstimmung mit Modellrechnungen.

Analoge numerische Simulationen werden auch für die Ausbreitung und Verbrennung von Wasserstoff in industriellen Großanlagen, beispielsweise Kernkraftwerken oder künftigen Fusionskraftwerken (ITER) durchgeführt.
(idw - Forschungszentrum Karlsruhe, 27.03.2006 - DLO)
 
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