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Sonntag, 22.01.2017
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Fossilienschatz als Zeitmaschine

Kobra, Waran und Gecko im Burgenland vor über acht Millionen Jahren

Schon vor 50 Jahren entdeckten Forscher im österreichischen Burgenland eine wahre Fundgrube an über acht Millionen Jahre alten Fossilien. Mehr als eine Million versteinerter Knochen und Zähne konnten dort bis heute nahe der Ortschaft Kohfidisch geborgen und im Depot des Naturhistorischen Museums in Wien eingelagert werden. Erstmals hat nun ein Wissenschaftlerteam einen Teil dieser Funde genau klassifiziert. Dadurch konnten sie nicht nur die damalige Tier- und Pflanzenwelt rekonstruieren, sondern auch Rückschlüsse auf das tropische Landschaftsbild ziehen.
Waran

Waran

Kohfidisch vor acht Millionen Jahren: Ausladende Bäume säumen einen kleinen idyllischen See, und die Luft flimmert in der heißen Nachmittagssonne. Ein Waran sitzt regungslos am Ufer und beobachtet eine Herde Antilopen, die vorsichtig ihren Durst am Wasser stillt – immer auf der Hut vor größeren Raubtieren. Doch nur der Gesang von Laubfröschen aus dem sumpfigen Schilfgürtel erfüllt die Luft, und unbemerkt raschelt eine Viper leise durch das trockene Gras…

55.319 Fundstücke: Fleißarbeit und Präzision


So oder ähnlich könnte es damals in Kohfidisch gewesen sein. Heute ist von diesem ehemals tropischen Klima allerdings nicht mehr viel zu spüren, und auch der See ist längst verschwunden. Doch für Petra Maria Tempfer vom Naturhistorischen Museum in Wien ist die damalige Tier- und Pflanzenwelt längst kein Geheimnis mehr. Denn die Paläontologin hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit exakt 55.319 fossile Fundstücke, vorzugsweise von Amphibien und Reptilien, untersucht und klassifiziert. Als Ergebnis kann sie nun ziemlich genau sagen, wie es dort vor über acht Millionen Jahren, im so genannten Miozän, ausgesehen haben muss.

Paläoökologische Rekonstruktion des Lebensraums

Paläoökologische Rekonstruktion des Lebensraums

„Die heutige Verbreitung der gefundenen Arten beziehungsweise ihrer engsten Verwandten zeigen gegenüber heute ein trockeneres und wärmeres Klima mit frostfreien Wintern an“, erklärt Tempfer das Ergebnis ihrer Arbeit. Denn die Fossilien geben auch stets Auskunft über den jeweiligen Lebensraum. So lassen Reste von Fröschen auf einen dichten Uferbewuchs des Sees schließen, während hingegen fossile Kobras den Rückschluss auf trockene, sonnige Stellen erlauben. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler aber auch exotische Tiere wie Antilopen, Stachelschweine oder die Vorläufer unserer heutigen Pferde sowie Schildkröten, Warane und Flughörnchen nachweisen. Diese benötigen für ihre weiten Sprünge einen Wald mit hohen Bäumen und niedrigen Büschen. „Ökologischen Überlegungen zufolge befanden sich die Höhle von Kohfidisch und ihr nahe gelegener, ruhender seichter See inmitten eines lichten und trockenen Waldes“, fasst die Paläontologin ihre Überlegungen zusammen.

Knochen, Körperschuppen und Gebissteile


Tempfer konnte für ihre Arbeit auf das umfangreiche Depot des Naturhistorischen Museums in Wien zurückgreifen. Dort werden bereits seit 1955 die Funde aus Kohfidisch gesammelt. Bislang hatte allerdings für eine systematische Untersuchung stets das Geld und die Zeit gefehlt. Lediglich spektakuläre Einzelfunde wurden stets sofort unter die Lupe genommen.


„Diese Sammlung wurde nun von meinen Kollegen und mir in den vergangenen Jahren erstmals in die einzelnen Gruppen pflanzliche Reste, Wirbellose, Fische, Amphibia, Reptilia sowie Kleinsäugetiere und Großsäugetiere sortiert“, erklärt Tempfer die akribische Vorgehensweise. Erst danach wandte sie sich für ihre Dissertation einem bestimmten Teil der Fossilien zu, der so genannten Herpetofauna. Die Paläontologin konnte mehrere Amphibienarten wie Lurche oder Kröten und verschiedenste Reptilienarten wie Echsen und Schlangen nachweisen. Für ihre Arbeit wurde Tempfer für den Tilly-Edinger Nachwuchspreis 2005 der Paläontologischen Gesellschaft nominiert.
(Paläontologische Gesellschaft, 24.03.2006 - AHE)
 
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