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Freitag, 26.05.2017
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Deutschland: CO2-Emissionen auf „Sinkflug“

Entwarnung oder Ansporn für den Klimaschutz?

Der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 in Deutschland ist im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken. Dies teilte gestern das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. Danach sind die Emissionen des Treibhausgases rund zwei Prozent niedriger als 2004 und belaufen sich auf rund 872 Millionen Tonnen. Einen so hohen Rückgang hat es laut DIW seit Mitte der 90er Jahre nicht gegeben.
Treibhausgasemissionen

Treibhausgasemissionen

Der DIW führt dies in erster Linie auf den geringeren Primärenergieverbrauch als Folge der hohen Energiepreise, aber auch auf den wachsenden Anteil von erneuerbaren Energien und Erdgas zurück. Wieweit der Anfang 2005 gestartete europaweite Emissionshandel dazu beigetragen hat, lässt sich noch nicht beurteilen.

Der gesamte CO2-Ausstoß in Deutschland hat sich gegenüber dem Jahr 1990 temperaturbereinigt um 17 Prozent verringert. Deutschland ist damit eines des wenigen Industrieländer, in denen die CO2 Emissionen seit Anfang der 90er Jahre deutlich reduziert werden konnten, wenn auch das frühere nationale Reduktionsziel von 25 Prozent weit verfehlt wurde. Zum Nachlassen der klimaschutzpolitischen Anstrengungen besteht aus Sicht des DIW somit kein Anlass. Bei den CO2 Emissionen je Einwohner liegt Deutschland zudem noch immer mehr als zweieinhalb mal so hoch wie der weltweite Durchschnitt, auch wenn dies nur etwa die Hälfte dessen ist, was in den USA pro Kopf emittiert wird.

„Wir haben es in erster Linie mit Einmaleffekten zu tun. Wir können nicht damit rechnen, dass der Rückgang in den kommenden Jahren automatisch weitergeht“, kommentierte auch der UBA-Präsident Professor Andreas Troge die neuen Zahlen. „Es wäre unangemessen, falls wir nun die Hände in den Schoß legten. Klimaschutz ist eine Daueraufgabe. Und da ist auch für Deutschland noch einiges zu tun, denn wir müssen – wie andere Industrieländer auch – unseren Treibhausgasausstoß bis zur Mitte des Jahrhunderts noch wesentlich stärker senken – um 80 Prozent, damit das Klima nicht weiter kippt.“, so Troge.


Das UBA betont, dass es sich bei der Veröffentlichung des DIW um vorläufige Schätzungen handelt. Das Amt selbst kommt aktuell zwar zu vergleichbaren Ergebnissen, erwartet detaillierte belastbare Zahlen jedoch erst im Sommer 2006. Nach diversen Prüfungen werden diese offiziellen deutschen Emissionsdaten dann Ende 2006 an die EU und das Sekretariat der Klimarahmenkonvention berichtet.

Warmes Jahr und höhere Preise


Das UBA sieht folgende Ursachen für die geringeren Treibhausgasemissionen:
- In wärmeren Jahren wie 2005 sinkt der Heizenergiebedarf und damit auch die CO2-Emission. Deutschlandweit lag die Temperatur 2005 um 0,8 Grad über dem langjährigen Durchschnitt von 8,2 Grad Celsius (°C). Sie erreichte mit etwa 9,0 °C wieder den Wert des Vorjahres. Wegen des Klimawandels zeigt sich in Deutschland deutlich ein Trend zunehmender Jahresmitteltemperaturen. Dies darf aber nicht zu der Erwartung verleiten, dass es in Zukunft nur noch „warme Jahre“ geben werde.

- Aus Sicht des UBA trägt zudem der Ausbau der erneuerbaren Energien wesentlich zur Emissionsminderung bei. Ihr Anteil am Primärenergieverbrauch ist von 4,0 Prozent im Jahr 2004 auf 4,6 Prozent in 2005 gestiegen. Schon über zehn Prozent des Stroms kam 2005 aus erneuerbaren Energieträgern. Nach einer aktuellen Schätzung des Bundesumweltministeriums (BMU) wurden durch die erneuerbaren Energien insgesamt 83 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

- Ein weiterer Faktor für den gesunkenen CO2-Ausstoß ist nach Meinung des Amtes der hohe Preis für Endenergie, also Strom, Treib- und Heizstoffe sowie Wärme. Dieser erklärt den Rückgang der Emissionen bei Haushalten und Verkehr. Auch bei anhaltend hohem Preisniveau dürfte es jedoch in den Folgejahren nicht zu einer ähnlich hohen Verminderung der CO2-Emissionen kommen: Zusätzliche Emissionsminderungen sind nur bei weiter steigenden Endenergiepreisen zu erwarten.

Jedes Jahr 1,3 Prozent weniger Treibhausgase?


Unter dem Strich erwartet das UBA, dass Deutschland sein Kyoto-Ziel von 21 Prozent weniger Treibhausgasausstoß bis 2010 gegenüber 1990 knapp erreichen wird. Dies sei jedoch nur zu schaffen, falls alle im Koalitionsvertrag beschlossenen Maßnahmen auch vollständig realisiert würden. Dazu zählen die Aufstockung und Verbesserung des Gebäudesanierungsprogramms und die Rückführung der klimaschädlichen Subventionen wie Eigenheimzulage und Pendlerpauschale.

„Für den globalen Klimaschutz ist es – über die Erfüllung unserer Kyoto-Verpflichtungen hinaus – wichtig, dass wir bis 2020 die Treibhausgasemissionen um weitere 20 Prozent vermindern, also insgesamt auf 40 Prozent Minderung gegenüber 1990 zugehen“, fügt Troge hinzu. „Sonst gerät Deutschland nicht nur in Gefahr, seine internationale Vorreiterrolle zu verlieren; auch blieben die Vorteile klimaschonender Techniken für die internationale Wettbewerbsfähigkeit unausgeschöpft.“

Deutschland als Vorreiter beim Klimaschutz


Um dieses Ziel zu erreichen, müsste Deutschland seit 2005 jedes Jahr seine Treibhausgasemissionen um 1,3 Prozent verringern. Das UBA nennt dafür drei Voraussetzungen:

- Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieversorgung ist weiter zu erhöhen. Dabei gilt es, nicht nur die Potenziale im Strommarkt, sondern auch die im Wärmemarkt zu nutzen. Für den Wärmemarkt gibt es jedoch noch keine wirtschaftlichen Anreize, die die Potenziale ähnlich gut erschließen könnten, wie es beim Erneuerbaren-Energien-Gesetz im Strommarkt bereits zu beobachten ist.

- Um den CO2-Ausstoß im Verkehr dauerhaft zu senken, ist die KfZ-Steuer vom CO2-Ausstoß der Fahrzeuge abhängig zu machen, damit sich in Deutschland Sprit sparende Autos am Markt durchsetzen. Die Lkw-Maut sollte zu einem Instrument weiterentwickelt werden, das die Kosten des Straßengüterverkehrs einschließlich der Umweltkosten voll deckt. Der Flugverkehr, dessen Klimalasten besonders stark zunehmen, sollte in Zukunft – wie von der EU-Kommission vorgeschlagen – auch dem Emissionshandel mit Treibhausgasen unterliegen.

- Damit die Wärmeversorgung der privaten Haushalte und der Unternehmen eine klimafreundlichere Grundlage erhält, plädiert das Amt für die konsequente Umsetzung der Kraft-Wärme-Kopplungsvereinbarung der deutschen Energiewirtschaft. Auf der Grundlage der mittlerweile vorliegenden Gutachten sind die Anreize für diese klimaschonende Technik auch im Rahmen des KWK-Gesetzes zu überprüfen und zu verbessern. Im Unterschied zu der bald auslaufenden Förderung sind dann aber in erster Linie Neuanlagen und nicht Bestandsanlagen zu fördern. Impulse sollte auch der Nationale Allokationsplan für die Zweite Handelsperiode des EU-Emissionshandels enthalten, der bis zum 30. Juni 2006 in Brüssel vorzulegen ist.
(DIW, UBA, 23.03.2006 - DLO)
 
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