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Samstag, 11.02.2012
Nanopartikel gegen Gelenkrheuma
Exosomen hemmen Angriff auf körpereigenen Knorpel
Eine Ärztegruppe hat eine neue biologische Stoffklasse, so genannte entzündungshemmende Exosomen, zur Behandlung von Gelenkrheuma entdeckt und bereits erfolgreich bei 66 Patienten eingesetzt. Exosomen sind Zellpartikel weißer Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle bei der Regulation des Immunsystems spielen.

"Durch Exosomen lernt das Immunsystem, die eigenen Zellen wieder als eigen zu erkennen", sagte Professor Dr. Peter Wehling vom Zentrum für Molekulare Orthopädie am Dienstag in Düsseldorf. Exosomen sind nicht größer als 65-100 Nanometer - also etwa 10.000 - 100.000 Mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars.

Angriff auf eigenen Korpel
Bei Gelenkrheuma, der Entzündung der Gelenke, liegt eine schwere Störung des Immunsystems vor: Die Immunzellen greifen die eigenen Gelenkzellen an und zerstören somit das Gelenk - insbesondere den Gelenkknorpel. Exosomen helfen dem Immunsystem, eigene und fremde Zellen zu unterscheiden und seine Kontroll- und Regulationsfunktion wieder auszuüben. Wehling behandelte insgesamt 66 überwiegend austherapierte Rheumapatienten verschiedenen Alters mit Exosomen. Es handelte sich um Patienten, bei denen mit klassischen Basistherapien und Operationen kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden konnte.

Die Patienten erhielten eine einmalige Injektion der Exosomen in das rheumatische Gelenk. "Wir haben bei zwei Drittel der Patienten rasche und deutliche Besserungen beobachtet", sagte der Orthopäde, der die Patienten bis zu fünf Jahre lang beobachtet hatte. Die Linderung hielt durchschnittlich drei bis sechs Monate an. Es zeigten sich eine deutliche Verbesserung des Gelenkschmerzes, der Gelenkschwellung sowie ein Rückgang der Entzündungswerte, wie CRP, und eine Normalisierung der Blutsenkung. Traten erneut Beschwerden auf, konnte die Behandlung mit dem gleichen positiven Effekt wiederholt werden.

Entdeckung durch Zufall
"Die Entdeckung der entzündungshemmenden Exosomen war eher zufällig", berichtete Wehling. "Bei einer Rheumastudie, die wir zusammen mit der Havard-Universität durchführten, beobachteten wir, dass kleine Partikel über das Lymphsystem zwischen den entzündeten Gelenken hin und her reisten und überraschende Wirkungen zeigten. Injizierten wir Zellen zur Therapie in ein Gelenk, ging es dem Gelenk auf der anderen Seite des Körpers ebenfalls besser. Dieses Phänomen passte nicht in das Verständnis über die Entstehung von Rheuma und anderen Immunerkrankungen."

Bei weiteren ausführlichen Forschungen entdeckte die Gruppe die Exosomen und isolierte eine spezielle Form dieser Nanopartikel aus weißen Blutkörperchen, die stark entzündungshemmend wirkten. Tierversuche bei rheumakranken Mäusen belegten die hohe Sicherheit und Wirksamkeit der körpereigenen Partikel in der Behandlung von Rheuma.

"In der klinischen Anwendung hat sich die Rheumatherapie mit Exosomen als machbar und sicher erwiesen. In bestimmten Fällen kann sie als sehr wirksame Therapie eingesetzt werden", fasste Wehling die Ergebnisse zusammen. Insbesondere wenn die Basistherapie nicht ausreiche, könne die Exosomen-Therapie die Behandlungsmethoden ergänzen. Zudem könnten sich Exosomen auch als eine Methode zur Behandlung anderer Immunerkrankungen, wie Multiple Sklerose und Allergien, herausstellen. Langzeitstudien zum besseren Verständnis der Exosomen und ihrer Funktion innerhalb des Immunsystems sind von der Düsseldorfer Gruppe geplant.
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