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Donnerstag, 30.03.2017
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Dunkle Materie als „Sternenanzünder“?

Entscheidende Rolle für „sterile" Neutrinos“ im Universum

Die Dunkle Materie im Kosmos birgt noch immer viele Geheimnisse. Einige davon könnten jetzt aber ein deutsch-amerikanischens Forscherteam aufgedeckt haben: Sie zeigen, dass sie aus so genannten „sterilen Neutrinos“ aufgebaut sein könnte, die durch ihren Zerfall die ersten Sterne nach dem Urknall zum Leuchten gebracht haben. Auch weitere astronomische Phänomene könnten mit dieser Theorie erklärt werden.

Dunkle Materie aus „sterilen Neutrinos?“


Neutrinos galten lange Zeit als masselose „Geisterteilchen“. Doch inzwischen ist diese Annahme widerlegt. Experimente deuten zudem auf eine spezielle Art von Neutrinos hin, nämlich rechtshändige oder "sterile" Neutrinos. Ihr Name steht für ihr Verhalten gegenüber der schwachen Wechselwirkung, einer der vier Hauptkräfte der Physik. Sie wirkt zwischen Elementarteilche wie Quarks oder Elektronen und vermittelt Umwandlungen und Austausch von Energie und Impuls zwischen ihnen. Sterile Neutrinos nehmen an der schwachen Wechselwirkung nicht direkt, sondern nur über ihre Vermischung mit gewöhnlichen Neutrinos teil.

Die Gesamtanzahl steriler Neutrinos im Universum ist zwar nicht bekannt. Wenn ein solches Neutrino jedoch eine Masse von nur wenigen Kiloelektronenvolt aufweist (1 keV ist ein Millionstel der Masse eines Wasserstoff-Atoms), so kann man damit den fehlenden Masseanteil im Universum erklären, der auch als "Dunkle Materie" bezeichnet wird. Eine Reihe astrophysikalischer Beobachtungen unterstützt die Vermutung, dass sich die Dunkle Materie aus solchen sterilen Neutrinos zusammensetzen könnte.

Welt der kleinsten Teilchen

Welt der kleinsten Teilchen

Sterne zum Leuchten gebracht


Peter Biermann, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, und Alexander Kusenko, University of California at Los Angeles, USA, zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters", dass der Zerfall von sterilen Neutrinos die Entstehung von molekularem Wassserstoff deutlich beschleunigt und dadurch zum Aufleuchten der ersten Sterne nur 20 bis 100 Millionen Jahre nach dem Urknall selbst führt. Die Strahlung dieser ersten Generation von Sternen wiederum ionisierte das umgebende interstellare Gas in einem Zeitraum von 150 bis 400 Millionen Jahren nach dem Urknall. Das erklärt bisher rätselhafte Beobachtungsergebnisse in einer einfachen Weise.


Erklärung für schnelle Pulsare…


Die neue Theorie der beiden Forscher wirft Licht auf eine Reihe astronomischer Rätsel, die bisher nicht befriedigend erklärt werden konnten. Erstens könnten sterile Neutrinos im Urknall gerade in dem Maß erzeugt werden, das für die Erklärung der Dunklen Materie vonnöten ist. Zweitens kann man mit diesen Partikeln die lange Zeit rätselhaften hohen Eigengeschwindigkeiten von Pulsaren erklären.

Pulsare, also mit sehr hoher Geschwindigkeit rotierende Neutronensterne, entstehen in einer Supernova-Explosion und werden dabei vorzugsweise in nur eine Richtung herausgeschleudert. Dadurch erhält der Neutronenstern einen Anschub, ähnlich wie bei einem Raketentriebwerk. Man kennt Pulsare mit Eigengeschwindigkeiten von Hunderten von Kilometern pro Sekunde, einige sogar mit über 1000 km/s. Die Ursache für diese hohen Geschwindigkeiten war bisher nicht bekannt, aber die Emission von sterilen Neutrinos könnte den dafür benötigten Schub erklären.

Ein sehr schneller Pulsar befindet sich im "Gitarren-Nebel". Ist die Dunkle Materie aus jenen Teilchen aufgebaut, die nach dem Modell von Biermann & Kusenko zur Re-Ionisierung des Universums geführt haben, so sind es die gleichen Teilchen, die aus der Supernova-Explosion ausströmten und diese "kosmische Gitarre" geformt haben.

…und Antimaterie


Drittens lässt sich durch sterile Neutrinos auch das Fehlen von Antimaterie im Universum erklären. In einer frühen Phase des Universums könnten die sterilen Neutrinos eine Anzahl von Elementarteilchen, so genannte Leptonen, aus dem Plasma "gestohlen" haben. Diese fehlende Neutronenzahl hätte dann - zu einem späteren Zeitpunkt - zu unausgeglichenen Anzahl von so genannten Baryonen, Teilchen zu denen auch die Protonen gehören, im Universum geführt. Und die daraus resultierende Asymmetrie zwischen Baryonen und Antibaryonen (Antiprotonen) wäre dann die Ursache für das Fehlen von Antimaterie in unserem Universum.

"Die Entstehung von Schwarzen Löchern in den Zentralbereichen von Galaxien und deren Struktur auf sehr kleinen (sub-galaktischen) Skalen bringen sterile Neutrinos zur Erklärung der Dunklen Materie ins Gespräch. Das Zusammenspiel von mehreren indirekten Beweisen führt uns zu der Annahme, dass das lange gesuchte Partikel der Dunklen Materie in der Tat ein steriles Neutrino ist", so Peter Biermann.
(MPG, 16.03.2006 - NPO)
 
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