• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 27.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Bakterien für Herzinfarkt verantwortlich?

Zahlreiche Mikroorganismen in den Ablagerungen der Herzkranzarterien entdeckt

Bakterien wie beispielsweise Streptokokken spielen vermutlich eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herzinfarkten. Dies haben jetzt Forscher des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) herausgefunden. In den Ablagerungen, die die Herzkranzarterien verschließen, entdeckten sie viele verschiedene Bakterienarten, die für die Krankheit mitverantwortlich sein könnten.
Streptokokken

Streptokokken

Die Koronare Herzerkrankung ist eine der Haupttodesursachen, jährlich sterben allein in Deutschland circa 95.000 Menschen an ihren Folgen. Fetthaltige, verkalkte Ablagerungen verschließen die Herzkranzarterien und führen so zu einem Herzinfarkt. Dabei scheint auch eine entzündliche Komponente beteiligt zu sein, deren Mechanismus jedoch bislang nicht geklärt werden konnte.

50 verschiedene Erreger identifiziert


Eine neue Studie des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) deckt jetzt auf, dass häufig zahlreiche Bakterien in den gefährlichen Ablagerungen leben. Durch hochsensitive molekulare Techniken fanden die Wissenschaftler eine Vielzahl von Keimen in jedem der untersuchten Patienten. Insgesamt konnten sie so über 50 verschiedene Erreger identifizieren.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nicht eine Infektion mit einem Bakterium allein die Ursache für die Entzündung der Arterienwand sein kann. Die Kombination der vielen unterschiedlichen Erreger weist eher auf ein Problem an unseren Barriereorganen wie Lunge oder Darm hin. Dabei ist es letztendlich unklar, ob die Bakterien schon früh beteiligt sind oder erst später Teil der Veränderungen werden, die unser Herz in Gefahr bringen", erläutert Professor Stefan Schreiber, der die Forschungsgruppe leitet.


Die NGFN-Forscher vom Institut für klinische Molekularbiologie der Universität Kiel ordneten die gefundenen Erreger bestimmten Gruppen zu. "Wir haben Bakterien identifiziert, die eigentlich im Mundraum vorkommen oder zum Beispiel als Erreger von Entzündungen der Haut oder der Atmungsorgane beschrieben werden. Aber unter den Erregern befinden sich auch völlig neue Bakterienstämme", so Dr. Stephan J. Ott, der die Studie durchgeführt hat.

Schleimhaut natürliche Barriere für Bakterien


Dass Bakterien, die ein fester Bestandteil der Mundflora sind, an anderen Stellen des Körpers auftauchen können, ist bekannt. Ott: "Bei gesunden Patienten bildet die Schleimhaut eine natürliche Barriere, die die Ausbreitung der Bakterien verhindert. Ist diese Barriere allerdings zum Beispiel nach einem chirurgischen Eingriff, durch eine lokale Entzündung oder durch eine Fehlfunktion gestört, so können die Bakterien verschleppt werden und an anderen Stellen des Körpers Entzündungen verursachen."

Eine Frage bleibt weiterhin unbeantwortet: Ist der Bakterienbefall tatsächlich die Ursache für die koronare Herzerkrankung, oder reichern sich die Erreger erst im späteren Krankheitsverlauf an? "Die Ergebnisse unserer Studie können das nicht eindeutig klären" erläutert Rüdiger Simon, von der Klinik für Kardiologie in Kiel. Er führte die meisten Herzkatheter-Untersuchungen für die Studie durch und leitet die Abteilung für Kardiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. "Um diese Fragen zu beantworten, sind weitere Experimente nötig. Wir hoffen, dass sich aus diesen Erkenntnissen neue diagnostische und dann auch therapeutische Ansätze ergeben."

Die Ergebnisse der Kieler Forscher werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Circulation veröffentlicht.
(idw - Projektträger im DLR, 03.03.2006 - DLO)
 
Printer IconShare Icon