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Dienstag, 25.07.2017
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Leben – die Zweite

Irdische Evolution nicht so einzigartig wie angenommen?

Die Erde ist – zumindest bisher – einzigartig. Umwelteinflüsse, Zufälle und Wechselwirkungen prägten die Art und Weise, wie sich auf ihr Leben entwickelt hat. Doch ist die irdische Evolution wirklich einmalig und nicht reproduzierbar? Im Gegensatz zu bisherigen Lehrmeinungen hält ein amerikanischer Paläontologe sie für durchaus berechenbar und damit auch wiederholbar.
Ammonit

Ammonit

Geerat Vermeij, Paläontologe am University College Davis untersuchte 23 evolutionäre Errungenschaften, die als einzigartig gelten, darunter den genetischen Code, die sexuelle Fortpflanzung, die menschliche Sprache und Federn und verglich sie mit 55 weiteren Eigenschaften, die die Natur mehrfach im Laufe der Evolution „erfunden“ hat. Es zeigte sich, dass die meisten der „einzigartigen“ Errungenschaften – mit Ausnahme der Federn –mehr als eine halbe Milliarde Jahre alt sind. Viele der „wiederholten“ Neuentwicklungen stammen von Individuen aus sehr großen Verwandtschaftsgruppen.

Wiederholungen nicht ausgeschlossen


Nach Ansicht von Vermeij deutet dies darauf hin, dass die Evolution auf diesem Niveau durchaus nicht so einzigartig ist, wie angenommen. Wie er in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences berichtet, hätten viele der vermeintlich einmaligen Errungenschaften durchaus wiederholt werden können, allerdings seien diese Fälle ausgestorben und nicht als Fossilien konserviert.

„Evolution ist vorhersehbar, vielleicht sogar mehr, als die Leute es sich vorstellen möchten“, erklärt der Paläontologe. „viele Eigenschaften sind unter so vielen Bedingungen vorteilhaft, dass es wahrscheinlich ist, die gleichen Dinge wieder und wieder vorzufinden.“ Wenn sich die Geschichte des Lebens noch einmal von Anfang beginnen würde, hätte sie eine ähnliche Handlung und ein ähnliches Ergebnis, wenngleich mit unterschiedlicher Besetzung und einem anderen Timing, so der Forscher.


Widerspruch zu gängiger Lehrmeinung


Damit steht er in starkem Kontrast zu Ansichten von Evolutionsforschern wie Stephen Jay Gould und anderen, die argumentierten, das die Geschichte des Lebens so abhängig von unglaublichen Ereignissen sei und so viele mögliche Entwicklungspfade beinhalte, dass die Chancen einer Wiederholung unglaublich klein seien.

Vermeij hält dagegen, dass einige Innovationen der Natur, wie beispielsweise die Photosynthese, Pflanzensamen, mineralisierte Knochen und sogar die menschliche Sprache so gute „Erfindungen“ sind, dass sie auf jeden Fall wieder auftauchen würden, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten und vielleicht in etwas anderer Form.

“Seepocken beispielsweise wollen verzweifelt Mollusken sein”, erklärt der Wissenschaftler. „Dabei sind sie eigentlich Krustazeen und verwandt mit Krebsen und Hummern. Aber als adulte Tiere haben sie einen Lebensstil entwickelt, der dem der Muscheln und den Brachiopoden ähnelt.“

Auch auf anderen Planeten möglich


Eine einzigartige Entwicklung kann auch das Ergebnis einer intensiven natürlichen Selektion sein. So der genetische Code: Einmal entwickelt, tauschten die ersten primitiven Organismen ständig Gene aus, wie heute noch die Bakterien, und breiteten damit die „Erfindung“ aus. Mögliche Varianten oder alternative Lösungen zur Informationsübertragung, die später entwickelt wurden, hatten daher bereits keine Chance mehr, sich dagegen durchzusetzen.

Nach Ansicht von Vermeij sind solche Prinzipien der Entwicklung universal und könnten sich daher durchaus auch wiederholen – zum Beispiel auf einem anderen Planeten: “Wenn wir einen erdähnlichen Planeten hätten, denke ich, dass wir Phänotypen und Ergebnisse erhalten würden, die denjenigen auf der Erde gleichen“, so das Fazit des Forschers.
(UC Davis, 28.02.2006 - NPO)
 
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