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Donnerstag, 25.05.2017
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Bringt der Storch die Vogelgrippe?

Rolle der Weißstörche für H5N1-Übertragung untersucht

In einem Wettlauf mit der Zeit hat sich jetzt ein internationales Konsortium aus Vogelkundlern und Virologen gebildet mit dem Ziel, die Rolle von Störchen als Träger des Vogelgrippevirus H5N1 zu untersuchen. Besonderer Schwerpunkt sind die im März nach Deutschland zurückkehrenden Weißstörche, die auf ihrem Zugweg auch H5N1-Gebiete durchqueren.
Weißstorch

Weißstorch

Im Mittelpunkt der am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam in enger Kooperation mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit initiierten Initiative wird die über den Balkan ziehende Population stehen. Durch ein Netz von Probeflächen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa soll geklärt werden, ob der Weißstorch als nach Afrika ziehender Langstreckenzieher als Träger, Transporteur und Verbreiter des Vogelgrippevirus H5N1 dient. Weiterhin wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob die Vogelgrippe für Störche tödlich ist oder diese zumindest in ihrer Fitness beeinträchtigt werden.

Der Storch ist als Symbol des Glücks und der Fruchtbarkeit in der Bevölkerung weithin bekannt. Durch seine enge Bindung an menschliche Siedlungen besteht bei intensivem Kontakt ein Risiko der Übertragung von Viren verschiedener Art auf Menschen und Nutzgeflügel. Dieses Risiko wird gegenwärtig in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich bewertet, und die Wissenschaft ist gefragt, darauf durch Forschung bestätigte Antworten zu geben. Diesbezüglich bestehen nach Auffassung der Forscher zurzeit große Defizite.

Vogeluntersuchungen seit mehr als zehn Jahren


Bereits Mitte der 1990er Jahre begannen Wissenschaftler der Universität Potsdam gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut und dem Landeslabor Brandenburg mit der Suche nach Viren bei am Gülper See in der Havelniederung rastenden nordischen Saat- und Blässgänsen. Diese Arbeiten wurden in den Jahren 2001 und 2002 durch Probennahme an 630 Wasser- und Watvögeln aus 29 Arten fortgesetzt.


Besondere Unterstützung erhielten die Fachleute durch eine Vielzahl ehrenamtlicher Vogelkundler aus Brandenburg und Berlin, die im Rahmen eines vom Naturschutzbund geförderten Beringungsprogramms alljährlich am Gülper See tätig sind. Die in der Märzausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Veterinary Medicine" vorgestellten Ergebnisse erbrachten den Nachweis einer Vielzahl verschiedener Virentypen. Influenzaviren, der niedrig pathogenen Stämmen H3 und H4 konnten zu diesem Zeitpunkt nur bei einigen Enten gefunden werden.

Storch zieht durch Vogelgrippegebiete


Seit 2003 liegt der Schwerpunkt der Untersuchungen auf dem Weißstorch.
Wiederum mit Unterstützung der Vogelberinger wurden alljährlich
Tupfer- und Blutprobenproben auf drei brandenburgischen Probeflächen von bisher mehr als 300 Störchen entnommen und tiefgefroren. Aus finanziellen Gründen konnten diese Proben bisher nicht analysiert werden.

Somit sind sehr gute Voraussetzungen für eine Ausweitung der Untersuchungen auf große Teile des Verbreitungsgebiets des Weißstorchs vorhanden. Auf seinem diesjährigen Heimzug in die Brutareale, der im März einsetzt, wird der ostziehende Weißstorch verschiedene Gebiete berühren, in denen in den letzten Wochen und Tagen Influenzaviren bei Wildvögeln nachgewiesen wurden (Ägypten, Türkei, Slowenien, Österreich).

Bürokratie als Hemmnis


An dem Forschungsverbund werden sich nach gegenwärtigem Stand zwei Forschungseinrichtungen aus Polen, je eine aus der Ukraine, Litauen, Lettland und Kroatien sowie vier aus Deutschland beteiligen. Die Forscher stehen jedoch vor einem scheinbar unüberwindlichen Problem - entsprechend der Ausschreibung der Europäischen Union werden die Fördergelder im Falle der Genehmigung des Projektes erst ab 2007 fließen. Alle sind jedoch der Meinung, dass sofort gehandelt werden muss und die Politik vorausschauendes Handeln an den Tag legen muss. Anfragen an den zuständigen Bundesminister und die Vorsitzenden der Bundestagsausschüsse für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Gesundheit bezüglich einer Anschubfinanzierung blieben bisher ohne Antwort.
(Universität Potsdam, 23.02.2006 - NPO)
 
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