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Freitag, 10.02.2012
Grönland: Eisverlust verdoppelt
Beschleunigter Gletscherabfluss erhöht Beitrag zum Meeresspiegelanstieg
Das Eis Grönlands schmilzt immer schneller: Von 1996 bis 2000 hat sich der Eisverlust verdoppelt, wie jetzt eine neue, in „Science“ veröffentlichte Studie zeigt. Die Klimaerwärmung hat ausgedehnte, starke und anhaltende Veränderungen der grönländischen Gletscher hervorgerufen, die zunehmend die gesamte Eiskappe beeinflussen und zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen.

Kalben des Helheim Gletschers
Kalben des Helheim Gletschers
© NASA/Wallops
Die Entwicklung der grönländischen Eisdecke wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehört die Ansammlung von Schnee im Binnenland, die die Masse der Eisschicht erhöht und den Meeresspiegel senkt, aber auch der Abfluss von Gletschereis ins Meer, der die Eismenge verringert und den Meeresspiegel ansteigen lässt. Wo diese Balance gegenwärtig steht und in welche Richtung sie sich entwickelt, wollten Eric Rignot vom Jet Propulsion Laboratorium der NASA und Pannir Kanagaratnam vom Zentrum für Fernerkundung der Eisdecken der Universität von Kansas herausfinden.

Satellitendaten verraten Gletscherfluss
Im Mittepunkt ihrer Studie stand die bisher am wenigsten untersuchte Komponente dieses Systems, der Gletscherfluss. Sie werteten für ihre umfassende Analyse der Eisveränderungen der letzten zehn Jahre Messungen der Eiswanderungsgeschwindigkeiten in den Jahren 1996, 200 und 2005 durch verschiedene Fernerkundungssatelliten aus.

Die Werte daraus kombinierten die Wissenschaftler mit Schätzungen der Veränderungen in der Schneeakkumulation und Eisschmelze, die 1997 und 2005 durch luftgestützte Messungen ermittelt worden waren. Insgesamt deckten die analysierten Daten 1,2 Millionen Quadratkilometer - 75 Prozent der grönländischen Eisdecke ab. Auf diese Weise ergab sich ein Bild der Gesamtveränderungen des Eises.

Eisverlust verdoppelt
Das Ergebnis: Zwischen 1996 und 2000 stellten die Wissenschaftler eine deutliche Zunahme der Gletschergeschwindigkeiten bis zum 66. Breitengrad fest. Bis 2005 hatte sich diese Beschleunigung bereits weiter nach Norden bis zum 70. Breitengrad ausgedehnt. Die Forscher schätzen, dass der Eisverlust durch den verstärkten Gletscherabfluss von 1996 noch 63 Kubikkilometer auf 162 Kubikkilometer im Jahr 2005 angestiegen ist.

Kombiniert man diese Ergebnisse mit dem Anstieg der Eisschmelze und der Schneeakkumulation der gleichen Zeitperiode, ergeben sich noch dramatischere Werte: Der gesamte Eisverlust des grönländischen Eisschilds hat sich von 96 Kubikkilometern im Jahr 1996 auf 220 Kubikkilometer im Jahre 2005 mehr als verdoppelt.

Alarmierend ist auch die räumliche Ausweitung der Gebiete, in denen eine Beschleunigung der Gletscher stattfindet: Während zwischen 1996 und 2000 primär der Südosten Grönlands betroffen war, dehnte sich das Gebiet in der Periode zwischen 200 und 2005 auch bis in den mittleren Osten und den Westen Grönlands aus.

„In Zukunft, wenn sich die Erwärmung um Grönland herum nach Norden ausdehnt, erwarten wir zusätzliche Verluste von den nordwest-grönländischen Gletschern, die Grönlands Beitrag zum Meeresspiegelanstieg noch erhöhen werden“, erklärt Rignot. „Der Beitrag der Eisdecke Grönlands zum Meeresspiegel ist ein Thema von wissenschaftlicher und sozialer Bedeutung. Diese Ergebnisse stellen bisherige Vorhersagen zur Zukunft Grönlands in einem wärmeren Klima in Frage, denn diese beinhalteten nicht die Variationen im Gletscherverhalten. Die tatsächlichen Veränderungen werden sehr viel größer sein als durch diese Modell prognostiziert.“
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