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Samstag, 29.07.2017
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Immer höhere Kosten durch Wetterextreme?

Umweltverbände ziehen ein Jahr nach Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls Bilanz

In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts könnten die volkswirtschaftlichen Kosten für Wetterextreme aufgrund des weltweiten Klimawandels in Deutschland extrem ansteigen. Jeder Bürger, so eine Abschätzung der Umweltschutzorganisation Greenpeace, müsste dann jährlich bis zu 1.500 Euro zusätzlich für die Folgen des Klimawandels zahlen.
Tiefdruckwirbel

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Greenpeace stützt sich bei dieser Hochrechnung auf Zahlen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen" (WBGU), der bei einer um zwei Grad Celsius höheren globalen Temperatur Belastungen der Volkswirtschaft von drei bis fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) annimmt. Aus Anlass des ersten Jahrestages des Klimaschutz-Abkommens von Kyoto haben die Umweltschützer errechnet, dass das nach heutigem Stand 870 bis 1.500 Euro pro Jahr für jeden wären, vom Säugling bis zum Rentner.

"Wie viel Klimazerstörung wollen wir zulassen, bevor wir endlich auf die Bremse treten und das längst Überfällige tun: endlich Energie aus sauberen, erneuerbaren Energiequellen sinnvoll nutzen", sagt Greenpeace Klimaexpertin Gabriela von Görne. Kamen in den Jahren 1990 bis 2000 "nur" sieben Euro Folgekosten auf jeden deutschen Bürger jährlich zu, stieg dieser Wert in den folgenden fünf Jahren nach Greenpeace-Berechnungen bereits auf etwa 24 Euro pro Einwohner und Jahr.

Folgen des Klimawandels bereits deutlich spürbar


Ob die Orkane Anatol und Lothar in 1999, das Elbe-Hochwasser in 2002 oder die Überschwemmungen in Bayern in 2005 - Deutschland spürt aus Sicht von Greenpeace bereits heute die Folgen des Klimawandels. Während Süddeutschland immer häufiger mit Starkregen und Hochwassern kämpft, könnten im Norden flachliegende Küstenregionen künftig im Wasser versinken. Die maximalen Sturmwasserstände sollen nach aktuellen Klimaprognosen bis 2100 um bis zu 70 Zentimeter ansteigen. Der Meeresspiegel steigt schneller als ursprünglich angenommen. Zunehmender Wind drückt die Wassermassen auf die Deiche.


"Wir unterschätzen immer wieder die extremen Kräfte von Wind und Wellen und die verheerenden Folgen extremer Naturereignisse. Sturmfluten stellten zwar schon früher eine Bedrohung für unsere Küsten dar - in Zukunft kann diese Bedrohung durch extreme Sturmfluten in Folge des Klimawandels jedoch noch weitaus dramatischer ausfallen", sagt von Görne.

Die Erhöhung der Deiche ist eine notwendige Antwort, noch wichtiger aber ist die Bekämpfung der Ursachen - das maßlose Verbrennen von Kohle, Öl und Gas. Dies hat bereits heute zur Aufheizung des Planeten um durchschnittlich 0,8 Grad Celsius im Vergleich zur Zeit vor der Industriellen Revolution geführt. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, endlich Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel zu übernehmen und den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase massiv zu reduzieren. Die Industrieländer müssen nach Meinung der Umweltschutzorganisation ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 Prozent zurückschrauben. Für die Europäische Union heißt das: minus 30 Prozent bis zum Jahr 2020.

2006 entscheidendes Jahr fürs Klima?


Im Zusammenhang mit dem ersten Jahrestag des Kyoto-Protokolls hat auch der der WWF an Politik und Wirtschaft, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) drastisch zu senken. „2006 ist ein entscheidendes Jahr für das Klima“, sagt WWF-Expertin Regine Günther.

„Jetzt besteht die Chance, die Weichen für einen anspruchsvollen Klimaschutz zu stellen.“ Bis Ende Juni muss Deutschland im Rahmen des Europäischen Emissionshandels seinen zweiten so genannten Nationalen Allokationsplan für die Zeit von 2008 bis 2012 in Brüssel vorlegen. Damit wird festgelegt, wie viel CO2 die Industrie ausstoßen darf, die für rund sechzig Prozent der gesamten deutschen Emissionen des Klimagases verantwortlich ist.

Emissionshandel Herzstück der europäischen Klimaschutzpolitik


„Der Emissionshandel ist das Herzstück der europäischen Klimaschutzpolitik“, unterstreicht Günther. Allerdings seien die Regelungen des ersten Allokationsplans, der von 2005 bis 2007 gilt, aus WWF-Sicht keine gute Ausgangsbasis für den Klimaschutz. „Wir brauchen viel stärkere Anreize für die Industrie, in klimafreundliche Brennstoffe und Technologien zu investieren, und bedeutend ehrgeizigere Ziele, CO2-zu verringern“, fordert die WWF-Expertin.

Ein weiterer Kritikpunkt des WWF: „In der ersten Runde haben die Unternehmen die Emissionszertifikate zum größten Teil kostenlos erhalten. Trotzdem wurden die Zertifikatspreise auf die Strompreise umgelegt und in großem Maßstab Extragewinne erzielt“, erläutert Günther. „Dies muss sich jetzt auch für den Klimaschutz auszahlen. Die Drohung der großen Stromkonzerne, bei einem anspruchsvollen Rahmen für den Klimaschutz nicht mehr investieren zu können, ist haltlos.“

Laut WWF-Berechnungen belaufen sich die Gewinne für die fünf größten deutschen Stromerzeuger RWE, E.ON, Vattenfall, EnBW und STEAG aus den ersten beiden Emissionshandelsphasen von 2005 bis 2012 voraussichtlich auf 31 bis 64 Milliarden Euro. Diese Summen überstiegen die von der Industrie angekündigten Investitionen von 11,6 Milliarden Euro um ein Vielfaches. „Der Klimawandel ist immer noch schneller als die Klimaschutzpolitik. Dies müssen wir jetzt ändern“, sagt Günther. „Auch die Unternehmen müssen von der Politik jetzt endlich in die Verantwortung genommen werden.“
(Greenpeace, WWF, 16.02.2006 - DLO)
 
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