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Mittwoch, 24.08.2016
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Winzlinge mit Hang zur Kälte

Expedition erforscht Schneealgen in der Antarktis

Sie sind klein und unscheinbar und überdauern selbst die eisigen Temperaturen der Antarktis: Schneealgen. Jetzt machen sich Wissenschaftler auf zur antarktischen Halbinsel, um dort Vertreter dieser seltsamen Pflanzengruppe zu sammeln und zu erforschen. Denn sie könnten den Weg für eine Vielzahl praktischer Anwendungen ebnen.
Thomas Leya vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik (IBMT)und der Biologe Daniel Remias von der Universität Innsbruck führen bis Ende Februar an der argentinischen Jubany Station auf der King Gearge Insel vor der antarktischen Halbinsel verschiedene Untersuchungen zur Anpassung von Algen und höheren Pflanzen an Kälte, Trockenheit und Strahlungsstress durch. Kernaufgabe der beiden Forscher ist es dabei jedoch, die kälteliebenden Mikroalgen von den antaktischen Schnee- und Gletscherfeldern zu sameln und zu isolieren, um damit die seit 1999 in Berlin bestehende Lebendkultursammlung (CCCryo) zu erweitern.

Schneealgen sind ideal an niedrige Temperaturen angepasst - so ideal, dass sie ab Temperaturen über +10 °C sogar absterben. Für die Forscher ergeben sich daraus aufschlussreiche molekulare und physiologische Aspekte, die anhand der isolierten Algenstämme im Berliner Labor untersucht werden sollen.

In Untersuchungen an arktischen Algen haben die Forscher bereits festgestellt, das bestimmte Enzyme dieser Einzeller am besten bei deutlich niedrigeren Temperaturen arbeiten als die Enzyme anderer nicht kälteangepasster Lebewesen. Das wiederum eröffnet neue Möglichkeiten für ganz prkatische Anwendungen: "Man könnte sich vorstellen, dass die Enzyme der Schneealgen schon bald reinigungsaktive Enzyme in Waschmitteln ersetzen", so Leya. Der Vorteil dabei: Dann würde auch stark verschmutzte Wäsche schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen sauber werden.


Eine weitere Charakteristik einiger Schneealgen ist die Produktion von Carotinoiden, wie Astaxanthin und anderer Stoffwechselprodukte wie Vitamin E (alpha-Tocopherol), die als Radikalfänger eingesetzt werden könnten. Freie Radikale gelten als zellzerstörend und treiben die Alterung von Geweben voran. Während der Expedition sammeln und isolieren diem Wissenchaftler daher speziell auch solche Algen in der Hoffnung, diese später möglicherweise in Großphotobioreaktoren in Massen zu produzieren zu können. Dadurch könnten aus natürlichen Quellen gezielt Substanzen für den humanmedizinischen Bereich, aber auch zur Verwendung als Futtermittelzusätze in der Fisch- und Geflügelzucht hergestellt werden.
(Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, 01.02.2006 - NPO)
 
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