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Freitag, 20.10.2017
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Neues Angriffsziel gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Schlüsselgene beeinflussen aggressives Tumorwachstum

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bedeutet bisher für fast drei Viertel der Betroffenen ein Todesurteil, denn der Krebs wird meist zu spät entdeckt. Jetzt haben Wissenschaftler Schlüsselgene in den Krebszellen identifiziert, die die Metastasenbildung steuern und einen neuen Ansatz für Therapiemöglichkeiten bieten könnten.
Krebs-Tumorzelle

Krebs-Tumorzelle

Die bislang einzige Chance auf Heilung, nämlich eine operative Entfernung des Tumors, ist in den meisten Pankreaskrebs-Fällen nicht mehr möglich. Der Grund: Viele Patienten besuchen relativ spät den Arzt, da der Krebs erst zu einem fortgeschrittenen Stadium deutliche Symptome, wie beispielsweise eine Gelbsucht oder Oberbauchschmerzen, verursacht. Der aggressive Tumor hat dann bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper der Patienten gestreut, die durch neu gebildete Blutgefäße ernährt werden.

Bisher ist nur wenig darüber bekannt, welche molekularen Prozesse hinter dem aggressiven Tumorwachstum bei Pankreaskrebs stecken. Ärzte und Wissenschaftler der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg haben unter der Federführung von Dr. Peter Büchler nun Schlüsselgene in den Krebszellen identifiziert, die wesentlich zur Bildung von Metastasen und neuen Blutgefäßen beitragen. Außerdem konnte das Heidelberger Team zeigen: Die Schlüsselgene unterstützen, dass der Bauchspeicheldrüsentumor in Nerven einwächst - eine Entwicklung, die für diese Krebsart charakteristisch ist und mit sehr starken Schmerzen einhergeht.

Die Erkenntnisse könnten einen Ansatzpunkt für neue Therapiemöglichkeiten bieten. "Wenn es uns gelingt, die veränderte Funktion dieser Gene durch neue Medikamente zu normalisieren, könnten wir möglicherweise nicht nur das Tumorwachstum selbst, sondern auch die bisher schwer zu behandelnden Tumorschmerzen beeinflussen", blickt Büchler in die Zukunft.


Krebszellen dringen in Nerven ein


Die so genannte Jagged-Genfamilie kodiert die Information für bestimmte Eiweißstoffe (Rezeptoren), welche an der Zelloberfläche von Krebszellen verankert sind. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Rezeptorgene in Pankrastumorzellen gehäuft vorkommen. Die verstärkt gebildeten Rezeptoren setzen in den Krebszellen eine Kaskade von Enzymen und Botenstoffen in Gang, die sicherstellen, dass das Krebsgeschwulst mit Blutgefäßen und somit mit überlebenswichtigen Stoffen versorgt wird - die Grundlage für stetiges Tumorwachstum sowie Metastasenbildung. "Außerdem trägt diese Signalkaskade dazu bei, dass die Tumorzellen sich wie Magnete an Nerven anlagern, um in sie einzudringen", erklärt Büchler.

Die veränderte Funktion der Jagged-Gene schafft dem Tumor jedoch nicht nur einen Wachstumsvorteil gegenüber gesundem Zellgewebe. Die Forscher vermuten, dass sie auch für die Resistenz des Tumors gegenüber Chemotherapie und Radiotherapie verantwortlich ist. Ein Grund dafür, weshalb immer noch fast 90 Prozent aller Patienten innerhalb der ersten fünf Jahre nach Diagnosestellung sterben.

Suche nach Genblockern hat begonnen


Weitere Untersuchungen sind nötig, um die molekularen Prozesse im Detail zu entschlüsseln, die den Tumor so aggressiv machen. "Die Jagged-Genfamilie scheint jedoch ein effektiver Angriffspunkt im Kampf gegen Tumorwachstum und Schmerzen zu sein", so Büchler. Deshalb verfolgen die Forscher nun das Ziel, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Jena einen Wirkstoff zu entwickeln, der die Jagged-Gene blockiert. "Durch unsere Ergebnisse sind wir einen Schritt weiter, Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zukunft eine verbesserte Therapie anbieten zu können."
(Universitätsklinikum Heidelberg, 26.01.2006 - NPO)
 
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