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Montag, 24.07.2017
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Elbe: Zyanidteppich erreicht Sachsen

Gift keine Gefahr für Trinkwasser?

Bei einem Unfall in einem Industriebetrieb in Tschechien sind bereits in der vergangenen Woche große Mengen an hochgiftigen Zyaniden in die Elbe gelangt. Der Zyanidteppich hat vor allem im Flussabschnitt zwischen den Städten Kolin und Nymburk zu einem verheerenden Fischsterben geführt. Fischer haben am Oberlauf der Elbe tausende tote Tiere mit blutunterlaufenen Schuppen geborgen. Mittlerweile hat das Gift mit dem Flusswasser die deutsch-tschechische Grenze überschritten und treibt nun durch Sachsen. Die tschechischen Behörden hatten ihre deutschen Kollegen erst am Montag über die Havarie informiert.
Elbe

Elbe

Nach Ansicht von Experten des Umweltministeriums Sachsen und des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) besteht vermutlich keine unmittelbare Gefahr für die Anrainer, da es durch den Wasserzustrom aus verschiedenen Nebenflüssen der Elbe wie Jizera/Iser oder Vltava/Moldau mittlerweile zu einer erheblichen Verdünnung des Giftes gekommen ist.

Auch wenn die Zyanidwerte über dem zulässigen Grenzwert für Trinkwasser von 0,05 Milligramm pro Liter liegen sollten, so das sächsische Umweltministerium, sei die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet, da in Sachsen kein Trinkwasser direkt aus der Elbe entnommen werde. Entlang der Elbe befänden sich zudem zahlreiche Messstationen – darunter in Grenznähe in Schmilka. Dort werde die Wasserqualität der Elbe kontinuierlich überwacht. Nach der Information über den Havariefall durch die Tschechen wurden hier Wasserproben entnommen, die gezielt auf Zyanid untersucht werden. Die Auswertung der Daten soll am Mittwoch vorliegen.

Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich äußerte sich enttäuscht über die Informationspolitik von tschechischer Seite. „Als unmittelbarer Nachbar hätten wir eine zeitnahe und kurzfristige Information erwartet“. Tillich telefonierte deshalb mit seinem Amtskollegen Libor Ambrozek. Dieser sicherte ihm konkrete Informationen zu dem Vorfall zu. „Im Havariefall müssen Meldeketten gut funktionieren“, betonte Tillich. Automatische Messstellen wie sie beispielsweise in Schmilka stehen, würden nicht alle Belastungen zuverlässig nachweisen.


Hochgiftig aber gut abbaubar


Zyanide sind die Salze der Blausäure. Kaliumzyanid (Zyankali) wird unter anderem zur Goldgewinnung, in galvanischen Bädern oder in der organischen Synthesechemie verwendet. Bekannt ist, dass frei im Wasser verfügbare Zyanide eine akute hochgiftige Wirkung haben, da sie im Blut das Sauerstofftransportprotein Hämoglobin blockieren und auf diese Weise zum Ersticken führen. Dies gilt für Mensch und Fisch gleichermaßen.

Durch die feste und irreversible Bindung des Zyanid- Ions am Eisen wird verhindert, dass der Sauerstoff sich reversibel binden kann. Die tödliche Dosis für Menschen liegt bei ein bis zwei Milligramm pro Kilogramm Körpermasse. Bedingt durch die hohe Toxizität ist für Abwassereinleitungen ein Grenzwert von 0,2 Milligramm pro Liter in Deutschland festgelegt. Zyanide besitzen im Wasser im Wesentlichen nur eine akute toxische Sofortwirkung. Es verschwindet rasch aus dem Wasser durch Ausgasung, photochemischen und mikrobiellen Abbau zu Luftstickstoff und Kohlendioxid sowie durch Komplexierung. Ablagerungen in Sedimenten haben nahezu keine Bedeutung. Durch Verdünnungen wie Zuläufe aus Nebenflüssen werden die anfänglichen Konzentrationen weiter herabgesetzt.

Verdünnung spielt große Rolle


Durch den Zyanidunfall in rumänischen Baia Mare im Januar 2000 ist bekannt, dass - unter ähnlichen winterlichen Witterungsbedingungen wie sie gegenwärtig in der Elbe vorliegen -photochemischer Abbau und Verdunstung zu einer Verringerung der Zyanidkonzentration um etwa 15 Prozent innerhalb der ersten 50 Kilometer nach der Einleitung in den Theiss- Nebenfluss Szamos geführt haben. Eine Verdünnung aus Nebenflüssen war hier zu vernachlässigen. Nach dem Zulauf der Szamos in die Theiss haben Untersuchungen gezeigt, dass eine Abnahme der Zyanidkonzentration im Verlauf von 100 Fließkilometern um ebenfalls etwa 15 Prozent zu verzeichnen war.

Flussabwärts der vermuteten Einleitungsquelle bei Kolin ist es laut dem UFZ durch die Zuflüsse der Nebenflüsse wie Jizera/Iser oder Vltava/Moldau zu erheblichen Verdünnungen gekommen, die ein Mehrfaches der Durchflussmenge der Elbe bei Kolin betragen. Die UFZ-Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass das Risiko eines Fischsterbens im deutschen Teil der Elbe sehr gering ist verglichen mit dem tschechischen Teil der Elbe.
(Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, Umweltministerium Sachsen, 18.01.2006 - DLO)
 
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