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Samstag, 21.01.2017
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Lauschangriff auf die Erdwärme

Seismisches Schlüsselexperiment zur Erkundung von Reservoiren

Sie ist „sauber“, allzeit verfügbar und nahezu unerschöpflich: Erdwärme könnte nach Ansicht von vielen Experten in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Energieproduktion spielen. In Deutschland ist die Nutzung von Erdwärme beispielsweise zur Stromgewinnung aber noch Neuland. Um nun das geothermische Potential im Untergrund von Groß Schönebeck, nordöstlich von Berlin, zu erkunden, beginnt heute ein seismisches Schlüsselexperiment des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ).
Bohrturm

Bohrturm

Mit der Geothermiebohrung Groß Schönebeck des GFZ im Zentrum wird in Brandenburg entlang eines 40 Kilometer langen Nordsüdprofils und einer Sternauslage mit sechs Kilometern Durchmesser um die Bohrung ein Netz von seismischen Messgeräten ausgelegt. Insgesamt werden 200 dieser so genannten Geophone mit einem Abstand von jeweils 200 Metern vernetzt.

Nachdem diese Messgeräte ausgebracht sind, bohren die Wissenschaftler entlang des Nord-Süd-Profils alle 800 Meter ein etwa 25 Meter tiefes Loch und zünden dann darin eine kleine Sprengladung. Die ungefährlichen Detonationen im Untergrund erzeugen Schallwellen, mit denen der Aufbau der oberen Erdkruste analysiert werden kann. Die jetzt anlaufende seismische Erkundung ist ein Schlüsselexperiment in der europäischen Forschung zur Nutzung der geothermischen Energie.

Größtes europäisches Erdwärme-Erkundungsexperiment


Das Experiment in Brandenburg ist das größte europäische Erdwärme-Erkundungsexperiment im Rahmen von "I-GET" (Integrated Geophysical Exploration Technologies for Deep Fractured Geothermal Systems), an dem sieben Nationen beteiligt sind. Unter der Federführung des GFZ Potsdam werden in diesem Projekt neueste geophysikalische Methoden entwickelt und angewandt, mit denen in Zukunft Erdwärmelagerstätten ohne kostenintensive Bohrungen aufgefunden und quantitativ bestimmt werden sollen. Die Bedeutung des Experiments liegt insbesondere auf der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf weitere Gebiete mit sedimentären geothermischen Lagerstätten.


Das GFZ Potsdam zielt mit seiner Geothermie-Bohrung in Groß Schönebeck, nordöstlich von Berlin, auf die Nutzung von Erdwärme zur Stromgewinnung. Neben dem 4.300 Meter tiefen Bohrloch wird Ende Februar eine zweite, ebenso tiefe Bohrung durchgeführt, mit der ein geschlossener geothermaler Kreislauf hergestellt werden soll. Ein willkommener Nebeneffekt dieser Bohrung ist, dass die Bohrlochdaten auch zur vollständigen Interpretation der I-GET-Daten dienen können.

Gerätepool des GFZ Potsdam im Einsatz


Das GeoForschungsZentrum Potsdam stellt seinen europaweit größten geophysikalischen Gerätepool für dieses große Experiment zur Verfügung. Spezielle Dreikomponenten-Geophone erlauben die richtungsabhängige Bestimmung der Gesteinseigenschaften. Damit lässt sich die Lage und Geometrie der geothermischen Speicher in der Tiefe abschätzen.

Mit diesem Pionierprojekt ist das GFZ Potsdam maßgeblich am europäischen Netzwerk für Geothermieforschung beteiligt. Ziele dieses Netzwerkes sind vor allem:
- Förderung der Entwicklung innovativer Technologien mit dem Ziel, das nutzbare Potenzial geothermischer Energie zu erweitern
- Zusammenführung und Vernetzung europäischer Forschungsaktivitäten
- Aufzeigen von Hemmnissen und Risiken, die einer breiten Nutzung noch entgegenstehen.
(idw - GFZ Potsdam, 17.01.2006 - DLO)
 
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