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Sonntag, 28.05.2017
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Frühwarnsystem gegen Krankenhaus-Keime

Automatischer Alarm bei Bakterien-Gefahr

Krankwerden im Krankenhaus – Immer häufiger sind die Bakterien in der Klinik für schwere Erkrankungen verantwortlich. Umso schlimmer, da immer mehr von ihnen resistent gegen die Behandlung mit Antibiotika sind. Der beste Schutz vor den Bakterien besteht daher in der Vorsorge. Professor Dag Harmsen hat nun ein Computer-System entwickelt, dass den „genetischen Fingerabdruck“ der Erreger im Krankenhaus mit einer Datenbank der gefährlichsten Bakterien abgleicht und bei Übereinstimmung einen automatischen Alarm auslöst.
Erreger Staphylococcus aureus

Erreger Staphylococcus aureus

Die Bekämpfung multiresistenter Krankheitskeime gehört heute weltweit zu den größten Herausforderungen in Krankenhäusern. Besonderes im Blick haben Mediziner und Krankenhaus-Hygieniker dabei die so genannten MRSA-Bakterien (Methicillin resistente Staphylokokken), da es für sie mittlerweile kaum noch Möglichkeiten der Therapie mit Antibiotika gibt.

Um eine Ausbreitung dieser lebensgefährlichen Keime und damit eine Gefährdung großer Patientenzahlen zu verhindern, kommt es in hohem Maße darauf an, das Auftreten von MRSA-Bakterien schnellst möglich zu entdecken. Mit der Entwicklung eines entsprechenden automatisierten Frühwarnsystems ist Wissenschaftlern um Professor Dag Harmsen am Universitätsklinikum Münster jetzt in Kooperation mit Fachkollegen aus Hamburg ein wichtiger Durchbruch auf diesem Gebiet gelungen.

Wie die Forscher in der soeben erschienenen jüngsten Ausgabe der internationalen biowissenschaftlich-medizinischen Zeitschrift "PloS Medicine" berichten, haben sie eine spezielle Software entwickelt, die durch eine automatisierte Analyse von Blut oder Wundabstrichen einen „genetischen Fingerabdruck" von unterschiedlichen MRSA-Bakterienstämme erstellt. In das Programm integriert ist ferner eine Datenbank mit sämtlichen Angaben über das bisherige Auftreten und die Gefährlichkeit der Bakterienstämme. Die Ergebnisse der genetischen Analyse werden dabei automatisch mit der Datenbank abgeglichen und sobald eine Probe in Verdacht steht einen gefährlichen Bakterienstamm zu enthalten wird automatisch ein Alarm ausgelöst.


Im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen liefert das automatisierte System, das molekulargenetische Analyse mit medizinischer Hintergrundinformation verknüpft, nicht nur wesentlich exaktere Ergebnisse, sondern ist auch deutlich schneller und kostengünstiger als klassische Überwachungsverfahren. Im Hinblick auf die weltweit zunehmende Verbreitung von MRSA-Bakterien könnte das in Münster entwickelte Frühwarnsystem dazu beitragen, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten und die Zahl der damit einhergehenden Todesfälle zu reduzieren.

In Europa gibt es starke Unterschiede im Vorkommen von MRSA. Der Anteil dieser Bakterien beträgt in Großbritannien mittlerweile 60 Prozent, in Deutschland wurde in den letzten Jahren ein steiler Anstieg von drei auf etwa 25 Prozent beobachtet. In den Niederlanden und Skandinavien hält sich die Rate seit Jahren durch strikte Hygienemaßnahmen und Typisierung stabil unter drei Prozent. Neben verlängerten und schwereren Krankheitsverläufen bedeutet das Auftreten von MRSA äußerst arbeitsaufwändige und für das Krankenhaus sehr teure Konsequenzen, im Extremfall die Schließung ganzer Stationen.
(idw - Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 11.01.2006 - DGO)
 
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